Stadt Gießen

In Gießen: Martina Berger wird bundesweit erste Chefin einer Berufsfeuerwehr

20. Dezember 2011, 22:33 Uhr
Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und der kommissarische Feuerwehrchef Frank Matthes begrüßten Martina Berger (l.), die zum 1. Februar neue Leiterin des Gießener Amtes für Brandschutz und damit der Berufsfeuerwehr wird. (Foto: mö)

»Wir haben das noch einmal genau recherchiert«, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Feuerwehrchefin, die vom Stadtoberhaupt als »Pionierin« begrüßt wurde.

Die in Salzwedel in Sachsen-Anhalt geborene und aufgewachsene Berger ist derzeit noch stellvertretende Fachbereichsleiterin Einsatzorganisation bei der Berliner Feuerwehr und für den gesamten Süden der Hauptstadt zuständig. Dass in Gießen der Chefposten vakant ist, habe sie im September der Ausschreibung in einer Feuerwehrzeitschrift entnommen. Auf ihre neue Aufgabe freue sie sich, weil sie in Gießen die Chance erhalte, »Brandschutz in Gänze zu bearbeiten«, sagte die Brandrätin. Kleiner bedeute nämlich nicht »weniger spannend«, schließlich werde sie in Gießen Chefin von 70 Berufsfeuerwehrleuten und mithin eines »mittelständischen Unternehmens«. Zudem sei Gießen keine »normale 70 000-Einwohner-Stadt in ländlicher Umgebung«. Die großen Kliniken und Unikomplexe sowie die vielen Autobahnen stellten die Gießener Feuerwehr vor besondere Herausforderungen.

Auch was ihr Privatleben betrifft, freut sich die unverheiratete 32-Jährige nach viereinhalb Jahren in der Millionenmetropole auf eine »etwas überschaubarere Umgebung«. Und die kennt Berger schon. Als die Diplomingenieurin, Fachrichtung technischer Umweltschutz, 2006 ihr Brandreferendariat bei der Stadt Frankfurt absolvierte, war sie für einige Zeit Verwaltungspraktikantin beim Regierungspräsidium in Gießen und wohnte im Gästezimmer der Feuerwache in der Steinstraße.

Dass die Wache sanierungsbedürftig und ein Thema auch in der städtischen Politik ist, weiß die neue Feuerwehrchefin natürlich. Eine genauere Inspektion der Räume und der Ausrüstung steht aber noch aus.

Über die neue Chefin freut sich auch der kommissarische Amtsleiter Frank Matthes, der aufgrund des Wechsels von Bergers Vorgänger Harald Rehmann nach Würzburg und der Erkrankung eines Kollegen momentan eine »Doppelt- und Dreifachbelastung« hat. Dass eine Frau an die Spitze rückt, begrüßt Matthes. Die bisherige Erfahrungen hätten gezeigt, dass Frauen die Feuerwehren belebten. »Die mischen den Laden auf«, so Matthes. Derzeit gebe es bei der Berufsfeuerwehr drei Frauen, davon zwei bei den Einsatzkräften. Von den 200 freiwilligen Brandschützern der Stadt Gießen seien zehn bis 15 Prozent weiblich. »Das liegt im bundesweiten Trend«, sagte Matthes.

Wie OB Grabe-Bolz mitteilte, hatte es fünf Bewerbungen auf die Stelle gegeben. Die Auserwählte sei »hochqualifiziert« und verfüge trotz des nicht gerade hohen Alters bereits über »viel Feuerwehr-Erfahrung«.

Wie berichtet, gibt es in der Stadt Dormagen in Nordrhein-Westfalen bereits eine Feuerwehrchefin, aber dort, klärte Matthes auf, gebe es zwar Berufsfeuerwehrleute, aber eben keine Berufsfeuerwehr.

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