Performance-Dinner zur Elvira-Bach-Ausstellung

Küchendiven, Radieschen, messerscharfe Kirschen und Kräuter – das waren die Themen des Performance-Dinners zu Ehren von Elvira Bach am Wochenende im Oberhessischen Museum.
16. November 2011, 17:33 Uhr
Rolf Baltromejus im Kreise seiner Gäste beim Performance-Dinner zu Elvira Bach. (Foto: dt)

Die improvisierte Küche wird von den farbenfrohen Werken der Elvira-Bach-Ausstellung umgeben. In der Küche steht Performancekünstler Rolf Baltromejus in der Vorbereitung seines viergängigen Menüs, das in seiner farbenfrohen Intensität die Gäste von Gang zu Gang überrascht. Anstatt mit Hammer und Meisel arbeitet der heutige Kochkünstler, der in London Bildhauerei studiert hat, mit scharfen Messern und feinem Sieb – unabdingbare Werkzeuge für seine Kunst. Kochen ist seine Leidenschaft. Und das spürt man nicht nur bei seiner Arbeit in der Küche, sondern auch in der Beschreibung zur Entstehungsweise der Zutaten: »Kochen ist Performance selbst«, so die Küchendiva Baltromejus. Für die Malzerde, die wie ein Ruhepolster auf den Radieschen in grüner Soße liegt, hat er drei Tage Vorbereitungszeit benötigt. In der Herstellung wurde Roggenmalz mit geriebenen Hasselnüssen und Butter in mehreren Phasen über viele Stunden im Ofen getrocknet und immer wieder durch das Sieb gestrichen, bis die Masse die gewünschte Konsistenz erhielt. Den Gästen wird das Gesamtwerk in einem Miniaturgewächshaus aus Glas überreicht. Die Dinnergesellschaft sitzt in einem ungewöhnlichen Ambiente zwischen leuchtenden Gemälden, dessen farbenfreudige Muster sich auf den Tellern widerspiegeln.

Museumsleiter Dr. Friedhelm Häring öffnete die Toren des Oberhessischen Museums und lies damit die Verbindung von Kochkunst und moderner Malerei geschehen. Baltromejus’ rechte Hand als Hilfe in der Küche und im Servieren ist Gudrun Albrecht. Im ersten Gang trifft Süßes auf Saures. Das Schlemmerduo überreicht den Gästen fluffiges Sauerkirschmousse auf einem knusprigen Serrano-Schinken. Auf die Frage hin, warum Sauerkirschen im Gang verwendet wurden, schreitet der Künstler zielgerecht mit großen Schritten am gedeckten Tisch vorbei und führt zu einem Elvira-Bach-Gemälde mit einer nackten Frau, schwarz, auf einem schwarz-weiß karierten Küchentuch liegend. Im Hintergrund hängen knallrote Kirschen an einem Ast, der von einem Küchenmesser hinterkreuzt wird. In jedem Gang finden sich Elemente aus Bachs Bildern wieder. Baltromejus kocht nicht nur, er studiert die Bilder, recherchiert in verschiedener Literatur und findet am Ende ein Ergebnis, das sowohl im Aussehen sowie im Geschmack die malerische Kunst beleuchtet. Es entsteht ein neues Gesamtkunstwerk, das die Sinne liebevoll umschmeichelt. Den Gästen gefällt es und wenn Baltromejus hinter den Trennwänden, in der improvisierten Küche stehend, ein »Mmh und »Oh, ist das lecker« von den Gästen hört, so lächelt er. Die Tischgemeinschaft kennt sich nicht und versteht sich doch gut. Das Konzept der Perfomance-Dinner scheint immer wieder zu funktionieren. Die einmalige Begegnung der Gäste am Tisch, die dennoch interessante Themen für unterhaltsame Gespräche finden, wird in Begleitung gaumenfreudiger Genüsse zum unvergesslichen Erlebnis. Die gute Stimmung führte dazu, dass sich Baltromejus und Albrecht zur spontanen Performance hinreißen ließen und mit einem Stapel benutztes Küchengeschirr auf dem Kopf die Gäste verabschiedete.

Das nächste Performance-Dinner, diesmal in Anlehnung an Picasso, findet am 13. Januar in der Weinrebe in Gießen statt. Anmeldungen unter: rb@rolf-baltromejus.com. dt

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