Stadt Gießen

Über 120 000 Besucher beim Stadtfest

21. August 2011, 22:35 Uhr
Gießens Grüner Hügel – Von der »Green Hill«-Bühne in der Mühlstraße wird angeheizt. Fotos: Oliver Schepp

Formvollendet verneigte sich Julia Neigel vor ihrem Publikum. Dann sank die Sängerin auf die Knie, gab Zuhörern in den vorderen Reihen die Hand – und rief lauthals ins Mikrofon: »Der Sommer ist da.« Über 5000 Menschen auf und rund um den Kirchenplatz reckten die Arme in die Höhe, applaudierten und lauschten den Liedern der Künstlerin, die vor 24 Jahren mit dem Hit »Schatten an der Wand« nationale Bekanntheit erlangte. Ihr Konzert bildete am Samstagabend einen Höhepunkt des 27. Gießener Stadtfests. Bei herrlichem Wetter strömten Zehntausende Menschen während des Wochenendes durch die Fußgängerzone, in der sie von Freitag bis Sonntag von knapp 100 Musik- und Tanzgruppen auf acht Bühnen unterhalten wurden.

Zwei Stunden lang eroberte Neigel die Bühne auf dem Kirchenplatz, intonierte unter anderem Stücke aus ihrem nach langjähriger Schaffenspause entstandenen Album »Neigelneu«. Mit ihrer kraftvollen und rauchigen Stimme gewann die 45-jährige das Publikum. Die Künstlerin wirbelte auf der Bühne, sprang einmal hinunter, rannte auf Tischen in Richtung Kirchenturm und animierte die Zuhörer, einzustimmen. »Heute ist ein perfekter Tag«, gab sie den Besuchern auf den Weg. »Habt Lust, euch wohlzufühlen.«

Überwiegend trugen die auftretenden Gruppen auch in diesem Jahr wieder altbekannte Gassenhauer vergangener Dekaden vor. Gleichzeitig sind in den letzten Jahren auf dem Stadtfest zunehmend namhafte Bands vertreten, die selbst geschriebene, originelle und frische Musik präsentieren und so vor allem ein jugendliches Publikum anziehen – insbesondere auf der Bühne des Musikkellers »Ulenspiegel« sowie nun erstmals in der Mühlstraße. Dort drängten sich am späten Samstagabend über 1000 Menschen zu einem Konzert der aus Gießen stammenden Hip-Hop-Formation »Jona:S«, viele Besucher standen mangels Platz in der Bahnhofstraße. Vor zwei Monaten hatte »Jona:S« noch auf dem Festival »Rock am Ring« ein Gastspiel gegeben. Auf dem Stadtfest erklärten sie ihrer Heimat die Liebe. »Kommt mal runter«, forderte Frontmann Jonas Schubert die Zuhörer zum letzten Song scherzhaft auf, die sich daraufhin vor der Bühne im Schneidersitz niederließen, dann auf Schuberts Zeichen wieder aufsprangen und zu den Beats auf und ab hüpften. Die Mühlstraße erbebte.

Verlängerung im »Ulenspiegel«

Im Biergarten des »Ulenspiegel« saßen und standen die Gäste rund um einen vor der Bühne in die Höhe ragenden und sich gleichzeitig ehrerbietig zur Seite neigenden Speierling. »Immer schlimmer« sangen die »Mobylettes« im Stil der 60er Jahre über die Liebe. Der Bassist der Gruppe »Mon Petit Chou Chou«, Arlo Ibisch, verabschiedete sich mit den Worten: »Danke, dass ihr alle da ward, obwohl ihr bei dem Wetter eigentlich alle am See sein solltet.« Die Sperrstunde um 23 Uhr bedeutete hier nicht das Ende der Livemusik. Bands wie »No Excuses« und »Sushimob« setzten im Inneren des Musikkellers den Abend fort.

Eine neue Bühne stand auch in der Sonnenstraße. Das Trio »Passione Italiana« sang zu Klängen aus der Konserve Lieder wie »Buena sera« und »Sempre tu«, während die Gäste in Pizzastücke bissen und Rotwein nippten. »In der Sonnenstraße war bisher immer tote Hose. Jetzt ist hier Leben«, hielt der Geschäftsführer der Pizzeria in der Sonnenstraße fest, der die Bühne initiiert hatte und dessen Name allein Musikalität verströmt: Luigi Mastroianni.

Volkstümliche Stimmung herrschte einmal mehr im Katharinenviertel. Menschentrauben bildeten sich dort am Sonntag an einem von den Fußballerinnen der SV Eintracht Lollar bewirteten Bierstand, als die Sponsoren der Damen Autogramme unterzeichneten: die »Amigos höchstselbst«. In der Kaplansgasse sowie am Selterstor gab es Rock und Pop. In der Plockstraße nutzten Besucher die Gelegenheit, selbst im Rampenlicht zu stehen und sich in einem Karaoke-Wettbewerb zu messen.

Die Besucher des Stadtfestes lauschten den Konzerten, schwatzten, trafen Freunde und flanierten durch die Fußgängerzone. Nur gegen Sonntagmittag störte für wenige Minuten ein kurzer Regenschauer. Der gestrige Nachmittag gehörte dann vor allem den Kindern. Sowohl in den Räumlichkeiten der Sparkasse im Neuenweg als auch am Kirchenplatz lockten Spiele rund um den Wilden Westen wie Hufeisenwerfen und das Suchen von Goldnuggets.

Den Sonntag eröffnete ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Kirchenplatz. »Bunt verbindet«, hob Pfarrer Klaus Weißgerber vor 300 Menschen in seiner Predigt hervor und rief zu Nächstenliebe auf, »die keine Unterschiede macht.« Über die Drachenbootrennen und den Run’n’ Roll for Help berichtet die GAZ morgen im Sportteil.

»Schon am Freitag und am Samstag war die Innenstadt so voll, dass wir die Zahl von 120 000 Besuchern im letzten Jahr auf jeden Fall übertroffen haben«, hob Herbert Martin von der Gießen Marketing GmbH hervor und zog ein positives Fazit des 27. Stadtfestes. Die Umgestaltung der Fußgängerzone habe für ein »lockeres Bild« gesorgt, betonte Martin. Im Vergleich zu den Vorjahren seien die Besucher auch durch die Katharinengasse – »bisher ein Stiefkind« – in Massen geströmt.

Falschparker bereiten Sorge

Sorgenfalten bereiteten Martin indes »zahlreiche Falschparker«. »Die Besucher können ihre Autos kostenlos im Parkhaus Am Alten Gaswerk und in der Tiefgarage des Rathauses abstellen. Die Plätze wurden nicht genutzt.« Darüber hinaus klagte Martin über eine »zunehmende Vermüllung durch nächtliche Orgien im Theaterpark.«

Stadtfest eröffnet Stadtfest Gießen: Eröffnungs-Ticker

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