Gewerkschafter von Polizei abgeführt und durchsucht

21. Juli 2011, 10:25 Uhr
Ulf Immelt

Wie mehrere Augenzeugen bereits am Sonntagabend und dann am Montag gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung schilderten, war Dr. Ulf Immelt, Leiter des DGB-Büros in Marburg, am Samstagmorgen bei Aufbauarbeiten im Asterweg, wo der DGB im Rahmen der Aktionen »Gießen bleibt bunt« gegen den Aufmarsch der rechtsextremen NPD ein Straßenfest organisiert hatte, abgeführt und durchsucht worden. »Die haben den wie einen Verbrecher behandelt«, berichtete einer der Beobachter der Szene.

Immelt (42), der sich übrigens nicht selbst an die Zeitung gewandt hatte, bestätigte den Vorfall auf Anfrage. Gegen 9.30 Uhr sei er direkt vor dem Gewerkschaftshaus mit den Aufbauarbeiten beschäftigt gewesen, als mehrere Streifenwagen der Polizei vorgefahren seien. In diesem Moment habe er sich mit einer Gruppe junger Leute unterhalten. Die Beamten hätten die gesamte Gruppe aufgefordert mitzukommen, um eine Personalienfeststellung durchzuführen. »Ich habe den Einsatzleiter darauf aufmerksam gemacht, dass ich mit Aufbauarbeiten für eine ordnungsgemäß angemeldete Veranstaltung beschäftigt bin und mich als Mitarbeiter des DGB ausgewiesen. Das hat den aber gar nicht interessiert. « Er sei dann gemeinsam mit den jungen Leuten in den Einfahrtsbereich einer Tiefgarage geführt worden, die sich auf der anderen Seite des Asterwegs befinde. Gegen diese Behandlung habe er lautstark protestiert, berichtete Immelt weiter. Er habe sich dann mit erhobenen Armen und gespreizten Beinen an eine Wand stellen müssen und sei durchsucht worden. Die Polizei habe keinen Grund für ihr Vorgehen genannt.

Willi Schwarz, Pressesprecher der Polizei, bestätigte, dass es die Kontrolle gegeben habe und die Gruppe auch durchsucht worden sei. Immelt sei wohl aufgrund seines Aussehens von den Beamten »der Zielgruppe« zugeordnet worden. Die näheren Umstände des Einsatzes könne man aber erst heute klären.

Immelt kann sich auf den Vorfall eigentlich nur den Reim machen, dass er aufgrund seiner Bekleidung - Arbeitskluft mit einer alten Militärhose - »ins Beuteschema« der »übermotiviert« wirkenden Beamten gepasst habe. Er habe ohnehin den Eindruck, dass der Einsatz der Polizei am Samstag nicht zu jedem Zeitpunkt und überall verhältnismäßig war. »Am Bahnhof wurden Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt, und viele Gegendemonstranten gelangten erst über lange Umwege oder gar nicht zu den angemeldeten Kundgebungen. « Dagegen hätten die Neonazis ihre Demonstration nahezu wie geplant durchführen können. Immelt: »Aus deren Sicht ist das ein Erfolg«. (Foto: Schepp)

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