Zukunft des HR-Funkhauses Gießen wird Thema im Landtag

Gießen/Wiesbaden (mö). Die Umstrukturierungspläne des Hessischen Rundfunks für seine Regionalstudios in Gießen, Fulda und Darmstadt werden den Landtag beschäftigen. In Reaktion auf die Berichterstattung dieser Zeitung vom Mittwoch (»Gießener Funkhaus des HR steht auf der Kippe«) kündigte der Gießener SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Merz eine parlamentarische Initiative seiner Fraktion an.
17. Februar 2011, 10:25 Uhr
HR-Studio Mittelhessen in Gießen

Merz: »Nach den uns bisher vorliegenden Informationen geht es eben nicht nur um eine Aufgabe des HR-Domizils am Gießener Kirchenplatz, sondern auch um Veränderungen im regionalen Programmangebot. Beides zusammen ergibt die regional- und medienpolitische Brisanz. Das ist uns natürlich auch landespolitisch nicht gleichgültig«.

Dagegen sieht sein Gießener FDP-Kollege Wolfgang Greilich, der dem Rundfunkrat des HR und dem Fachausschuss Hörfunk angehört, keine Gefährdung des Standorts. »Der Bestand des Gießener Studios des Hessischen Rundfunks steht nicht zur Disposition«, teilte Greilich am Mittwoch nach einem Gespräch mit Intendant Helmut Reitze mit. Gerade die ausgeprägte Regionalberichterstattung sei ein Markenzeichen des HR, das von niemandem in verantwortlicher Position infrage gestellt werde. Greilich stellte aber auch klar: »Wenn die technische Entwicklung dazu führt, dass man das gleichwertige Angebot auch auf kleinerer Fläche bereitstellen kann, dann ist selbstverständlich der Zeitpunkt des Auslaufens eines Mietvertrages der richtige Zeitpunkt, um zu klären, wie hier Kosteneinsparungen im Interesse der Hörerinnen und Hörer realisiert werden können. « Aufgabe der Stadt als Vermieterin sei es nun, in Gesprächen mit dem Sender gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen, wie möglichst an gleicher Stelle oder gegebenenfalls auch an anderer exponierter Stelle in Gießen »die sichtbare Präsenz« des HR gesichert werden könne.

Wie berichtet, denkt der Sender aus Kostengründen über eine Kündigung des Mietvertrags mit der Stadt Gießen nach. Das Regionalstudio Mittelhessen sendet seit 2001 aus dem städtischen Haus Georg-Schlosser-Straße 4. Wie der Sender, der von einem »drastischen Sparzwang« spricht, am Dienstag versicherte, würden die drei Regionalstudios als solche erhalten bleiben.

In welcher Form, ist seit Tagen Gegenstand von Spekulationen. Von einer »Homebase«-
Lösung und »Selbstfahrerstudios« ist die Rede. In einem Beitrag des Online-Angebots »Radioszene« ist von »massiven« Einsparungen bei den Regionalfenstern HR 4 und weniger Sendezeit die Rede.

Was den Standort Gießen betrifft, will Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz in Verhandlungen mit dem HR eintreten, um einen Verbleib des Funkhauses in der Innenstadt zu erreichen. Für diese Verhandlungen erbittet die OB ein Verhandlungsmandat des Stadtparlaments und hat einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag für die heutige Sitzung eingebracht. Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem Umstand, dass die Entscheidung über die Zukunft des Funkhauses Mitte April fallen soll. Dem HR soll offenbar eine Reduzierung der Mietfläche in dem Gebäude am Kirchenplatz angeboten werden. Das Haus war nach Angaben der Stadt vor zehn Jahren für rund 845 000 Euro nach den Wünschen einer vom Hessischen Rundfunk beauftragten Architektin umgebaut worden.

Merz begrüßte das Vorgehen seiner Parteifreundin Grabe-Bolz: »Das ist keine regionalpolitische Petitesse, sondern eine Frage von nicht unerheblicher Bedeutung auch für den Rang Gießens als regionales Oberzentrum. Die Stadtverordnetenversammlung muss dazu Stellung beziehen.«

Das sieht Greilich, der der SPD-Politikerin ein Wahlkampfmotiv unterstellt, anders. Die Rathauschefin benötige für diese Gespräche keinen Auftrag der Stadtverordnetenversammlung: »Sie muss nur ihre Aufgabe wahrnehmen, die sie sowieso hat.« (mehr zu diesem Thema siehe Kasten links).

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