Betten Röhr schließt nach über 120 Jahren

Gießen (pd). Ein weiteres Traditionsgeschäft der Gießener Innenstadt schließt seine Pforten. Das 1889 gegründete Bettenhaus Röhr macht zum Jahresende zu. »Wir mussten dieses Jahr Umsatzeinbußen bis zu 80 Prozent hinnehmen«, erklärte Carsten Rummer im AZ-Gespräch.
14. Dezember 2010, 18:22 Uhr
Derzeit läuft der Räumungsverkauf, zum Jahresende schließt das Bettenhaus Röhr in der Bahnhofstraße seine Pforten. (Foto: Schepp)

Die Baustelle vor der Tür habe viele Kunden auf Dauer abgeschreckt, so der Pächter, der einen großen Teil der Verantwortung bei der Stadt sieht. »Im Mai hat man uns eine Vollsperrung der Straße für zwei Wochen angekündigt; daraus sind dann sechs Monate geworden.«

Aber auch vorher schon habe das Fachgeschäft unter den Baustellen rund um die Bahnhofstraße leiden müssen. Das habe vor über fünf Jahren mit den Arbeiten für die Galerie Neustädter Tor begonnen und habe sich mit dem Bau des Liebig-Centers fortgesetzt. Die Arbeiten »direkt vor der Tür« hätten sich für Betten Röhr und andere Geschäfte besonders gravierend ausgewirkt, sagte Rummer, der sich in der Vergangenheit auch als Sprecher der Interessengemeinschaft Bahnhofstraße engagiert hat.

Der Pächter hat das Bettenhaus, das 1889 von der Familie Röhr gegründet und von 1978 bis 1998 von Familie Schreiber geführt wurde, vor zwölf Jahren übernommen. Damals hatte er in den Räumen mit einer Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern vier Mitarbeiter und eine Auszubildende beschäftigt. Von der bevorstehenden Schließung sind noch zwei Fachkräfte betroffen, von denen eine inzwischen eine Neuanstellung gefunden hat.

Im Nachhinein ärgert sich Rummer darüber, dass er den Zusagen der Stadt vertraut hat. »Hätte ich gewusst, dass die Vollsperrung ein halbes Jahr dauert, hätte ich mir außerhalb einen Laden gemietet, um das Geschäft weiterzuführen.« So könne er anhand der Buchführung nachweisen, wie der Umsatz »Tag für Tag ein Stück weiter weggebrochen ist«. Darüber müsse man sich in seiner Branche nicht wundern. Schließlich könne man von niemandem verlangen, Lattenroste und Matratzen hunderte von Metern über die Straße zu transportieren.

Was im neuen Jahr aus den Geschäftsräumen wird, kann Rummer nicht beantworten. Das Anwesen gehört nach wie vor der Familie Röhr. Er selbst hat bereits ein neues Betätigungsfeld gefunden, allerdings nicht in Gießen.

In den letzten Wochen des Jahres läuft im Bettenhaus Röhr ein Räumungsverkauf, bei dem es zum Teil beträchtliche Preisnachlässe gibt.

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