Bei der Bewerbung muss das »Gesamtpaket« stimmen

Gießen-Wieseck (pd). Gehört ein Passfoto zum Lebenslauf, auf welche Zeugnisnoten wird besonders geachtet und schmälern Piercings und Ohrringe die Bewerbungschancen? Eine Menge Fragen mussten am Mittwoch die Vertreter heimischer Unternehmen und Verbände in der Friedrich-Ebert-Schule beantworten.
10. November 2010, 22:52 Uhr
Unter der Moderation von Schulleiter Wilhelm Galfe (l.) hatten die Acht- und Neuntklässler der Friedrich-Ebert-Schule zahlreiche Fragen an die Vertreter von Firmen und Verbänden (r.). (Foto: Schepp)

Die Gesamtschule hatte zu ihrem jährlichen »Auswertungsforum Betriebspraktikum« eingeladen.

Von A wie Auftreten am Arbeitsplatz bis Z wie Zukunftsperspektiven reichten die Themen der von Schulleiter Wilhelm Galfe moderierten Fragerunde, bei der selbst die Versicherung während des Ferienpraktikums beleuchtet wurde. Diskussionspartner der Acht- und Neuntklässler waren Hagen Luh (Ausbildungsleiter Stadtwerke), Heike Mauthe und Dana Korda-Peter (beide Schwanenapotheke Wieseck), Patrizio Santamaria (Volksbank Mittelhessen), Jens Crombach (Ausbildungsleiter Schunk) und der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Björn Hendrischke.

»Hat ein gutes Praktikum Auswirkungen auf eine spätere Bewerbung?«, wollte Steven wissen. Wenn ein Schüler während des Praktikums Interesse zeigte und ein gutes Auftreten habe, werde dies bei einer späteren Bewerbung berücksichtigt, sagte Apothekerin Mauthe. »Man muss zeigen, dass man sich für die betriebliche Praxis interessiert«, empfahl Hendrischke. Auch ein Ferienjob kann durchaus zum Sprungbrett für einen späteren Ausbildungsplatz werden, berichtete Hagen Luh aus Erfahrung. »Das Gesamtpaket muss stimmen, nicht unbedingt die Zahl der absolvierten Ferienjobs«, vermittelte Santamaria die Kriterien der Volksbank.

Die Bewerbungsunterlagen sollten sorgfältig zusammengestellt, sauber und vor allem ohne Rechtschreibfehler sein. Diesen Tipp bekamen die FES-Schüler gleich mehrfach zu hören. Der Lebenslauf sollte keine Fettflecken oder Eselsohren enthalten und in sauberer Schrift abgefasst sein. Während manche Unternehmen dem Bewerbungsfoto aufgrund des Gleichstellungsgesetzes keine Bedeutung beimessen, empfehlen andere, auch das Bild sorgfältig auszuwählen. »Wenn wir eine schief geschnittene Schwarz-Weiß-Kopie erhalten, macht das keinen guten Eindruck«, verriet Mauthe. Und: »Piercings kommen nicht so gut an bei der Bank«, so Santamaria, »weil man in unserer Branche sehr auf das Äußere achtet.« Aber auch Sicherheitsaspekte spielen beim Tragen von Ohrringen, Ketten und anderem Körperschmuck eine Rolle, unterstrichen Hendrischke und Luh. Als vorbildlich wurde das Verhalten eines Schülers gelobt, der vor dem Praktikum auf sein Lippenpiercing aufmerksam gemacht hatte. »Wäre das ein Problem gewesen, hätte ich es für diese Zeit entfernt.«

Gute Noten in Mathematik und Deutsch - auch da waren sich die Gäste der Schule einig - sind für die Bewerbung wichtig. »Die Zeiten, in denen das Schrauben am Moped als Grundqualifikation ausreicht, sind vorbei«, verwies Hendrischke auf moderne Technik und Elektronik, die längst in Kfz-Werkstätten Einzug gehalten haben. Mitunter lassen sich schlechte Noten durch eine gute Einstellung im Betrieb ausbügeln. »Das hat uns damals sehr viel Mühe gekostet, aber es hat sich gelohnt«, erinnerte sich Apothekerin Mauthe an ein entsprechendes Beispiel. Und der designierte Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer empfahl fürs Praktikum: »Den Schalter umlegen und richtig durchstarten.«

Die Nutzung von Handy und Internet, Raucherpausen sowie die Verdienstmöglichkeiten in den einzelnen Berufen waren weitere Themen, die in der Wiesecker Gesamtschule diskutiert wurden.

Trotz zum Teil hoher Anforderungen gelte es zunächst, die einfachen Regeln wie Höflichkeit und Pünktlichkeit zu beherzigen. Grundsätzlich sind die beruflichen Perspektiven gar nicht schlecht. »In den industriellen Metallberufen haben wir schon jetzt Facharbeitermangel«, erklärte Jens Crombach. Das trifft auch für viele andere Branchen in Industrie, Handel und Handwerk zu. Von selbst kommt die Lehrstelle aber nicht. Galfe: »Die Schule ist nicht stressfrei, und die Ausbildung ist es auch nicht.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Apotheker
  • Ausbildungsleiter
  • KFZ-Werkstätten
  • Kfz-Werkstätten
  • Ohrringe
  • Passbilder
  • Volksbank Mittelhessen
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.