Unterführung am Bahnhof ist freigegeben

21. Juli 2010, 19:52 Uhr

»Sieht doch gut aus.« »Schön groß und hell. Wenn man da an früher denkt ...« »Endlich kann man wieder unten durchgehen.« Angetan zeigten sich viele Zugnutzer am Mittwoch von der Öffnung der neuen Unterführung im Bahnhof. Ein wenig getrübt wurde die Freude durch den ersten Aufzug-Ausfall: Am Mittag streikte der Lift vom neuen Tunnel zum wichtigsten Bahnsteig 2/3 für einige Zeit, konnte dann aber repariert werden. Etliche Reisende bekamen indes gar nicht mit, dass sie sich den beschwerlichen Weg über die Fußgängerbrücke jetzt sparen können.

Zwar wies ein Schild darauf hin, dass der grau, gelb und orangefarben geflieste Tunnel jetzt benutzt werden kann. Doch das übersahen viele, und in Durchsagen wurde diese Möglichkeit nicht erwähnt. Diese Anregung werde man aber gern aufnehmen, sagte ein Bahn-Sprecher auf AZ-Anfrage. Schwer zu finden ist für viele auch der Aufzug, der vom Bahnhofsgebäude aus in die Tiefe führt: Er steht nicht am Gleis 1, sondern auf der »Oberhessischen« Seite am Gleis 11.

Nachdem die eigentlich für den vergangenen Samstag vorgesehene Öffnung wegen »Restarbeiten an den Aufzügen« sowieso schon um einige Tage verschoben wurde, sei es natürlich ärgerlich, dass einer der Lifte nach wenigen Stunden defekt war. Allerdings habe man mögliche Anlaufschwierigkeiten in den Planungen für die weiteren Arbeiten berücksichtigt: Einige Wochen sollten jetzt die Aufzüge zur Unterführung und diejenigen zur Brücke parallel laufen, bevor die alten saniert werden.

Noch nicht fertig sind die Lifte zu den Gleisen 12/13 und 14/15. Sie gingen voraussichtlich Anfang August in Betrieb, so der Sprecher. Im Tunnel und auch an den Bahnsteigen sind außerdem noch etliche kleinere Arbeiten zu erledigen. So hängen in der Unterführung noch etliche Kabel aus den Wänden. Es fehlen beispielsweise noch einige Vitrinen, Lampen und Kacheln. Eine offizielle Einweihung ist deshalb erst für Herbst geplant. Doch die Bahn wollte schon jetzt ihren Kunden die langen und häufig unbequemen Wege ersparen, die sie seit der Schließung der alten Unterführung im Oktober 2007 bewältigen mussten.

»Optisch sehr gelungen. Wenn dann noch der Aufzug funktioniert, ist alles perfekt«, meinte am Mittwoch ein 47-Jähriger aus Herborn, der mit seiner 13-jährigen Tochter die schwer bepackten Räder über die Treppen tragen musste. »Wie im Schwimmbad - schön!«, freuen sich einige Schülerinnen auf dem Weg nach Frankfurt. »Die alte Unterführung war ein dreckiger, stinkender Schlund«, erinnert sich ein Gießener.

»Wie es aussieht, ist mir egal. Auf jeden Fall sind die kürzeren Wege praktisch«, findet eine 23-jährige Studentin. Ein 24-Jähriger Wetzlarer ärgert sich, dass er die langen Treppen zur Fußgängerbrücke erklommen hat: »Nirgends wurde man informiert.« Auch eine 70-Jährige musste wegen des defekten neuen Aufzugs mit ihren zwei Rollkoffern den Steg nehmen. »Wenigstens war der Lift da diesmal nicht kaputt. Immer, wenn ich zum Bahnhof muss, halte ich die Luft an und hoffe, dass alles klappt. « Dass sie sich seit fast drei Jahren nie auf funktionierende Aufzüge verlassen kann, sei für sie »eine Katastrophe«, so die Staufenbergerin.

»Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch erlebe«, meint ironisch ein 47-Jähriger, der kurz nach neun Uhr als einer der ersten den Durchgang benutzte. Einen Umbau »im Schneckentempo« beklagt auch der Fahrgastverband »Pro Bahn und Bus«. Viel zu lange habe man den Pendlern Fußmärsche zugemutet, die manche Anschlüsse - etwa zwischen Marburg und Wetzlar - fast unmöglich machten, heißt es in einem Artikel in der aktuellen Ausgabe der »Hessenschiene«, der Zeitschrift des Fahrgastverbands.

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