Findet Kriminalmuseum Platz auf Psychatrie-Gelände ?

20. November 2009, 20:50 Uhr
Von einer hohen Mauer umgeben ist das sogenannte »Feste Haus«, das vor knapp 100 Jahren als besonders gesicherter Teil der Heil- und Pflegeanstalt an der Licher Straße gebaut wurde. Hier könnte in einigen Jahren ein Kriminalmuseum eingerichtet werden. (Foto: Schepp)

Gießen (kw). Die Vitos Forensische Klinik in Gießen wird in den nächsten Jahren deutlich entlastet. Derzeit hat die Außenstelle der Klinik Haina 195 Betten, diese Zahl soll schrittweise auf 137 abgebaut werden. Möglich macht es der Neubau der Forensik im südhessischen Riedstadt. Eine Folge: Bis 2011 will Vitos das reparaturbedürftige sogenannte »Feste Haus« aufgeben. Interesse bekundet hat an dem historischen Gebäude der Verein Criminalium, der dort sein Kriminalmuseum unterbringen könnte, hieß es bei der jüngsten Sitzung des Forensikbeirats. Dessen Vorsitzender, Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann, wurde nach sechs Jahren aus dem Gremium verabschiedet.

Das »Feste Haus« war von Anfang an der besonders gesicherte Teil der Heil- und Pflegeanstalt. Derzeit leben in dem Gebäude auf der Station G 3 28 Forensik-Patienten. Es ist mitsamt der hohen Mauer denkmalgeschützt und »vermittelt einen Eindruck davon, wie Haft und Sicherungsverwahrung war und zum Teil noch ist«, erläuterte Prof. Arthur Kreuzer, Vorsitzender des Vereins Criminalium, auf AZ-Anfrage. Von der Größe her wäre es sehr gut geeignet für das Mitmach-Kriminalmuseum, das den Besuchern Geschichte und Gegenwart des Strafrechts nahe bringen will. Er hoffe, dass demnächst weitere Gespräche mit der Vitos-Verwaltung zustandekommen.

Vom Tisch sei die Ursprungsidee, das Criminalium als Teil einer Museumsmeile in der Alten Hauptpost in der Bahnhofstraße unterzubringen. Eine Renovierung des seit 16 Jahren leer stehenden Gemäuers wäre zu aufwendig. Die Sanierung des »Festen Hauses« sei dagegen überschaubar. Für den Museumszweck wäre sie längst nicht so teuer wie für eine weitere Nutzung als zeitgemäße Psychiatrische Klinik. Dennoch, so Kreuzer: »Sponsoren wären natürlich nötig.«

Im Forensikbeirat erläuterte der Ärztliche Direktor Dr. Rüdiger Müller-Isberner, warum das Gebäude in zwei Jahren frei wird und wie der hessische Maßregelvollzug sich mit dem Neubau in Riedstadt verändern soll. Zurzeit verzeichne die Klinik Haina mit ihren Außenstellen Gießen und Fischbach einen steigenden Patientenbestand: Vor zwei Wochen wurden 418 psychisch kranke Straftäter gezählt. Dank des Ausbaus in den letzten Jahren auf jetzt 440 Plätze herrscht mittlerweile aber nicht mehr so großes Gedränge wie Mitte 2007, als der bisherige Höchststand mit 440 Patienten erreicht wurde. Dank einer Gesetzesänderung sanken die Zahlen danach: Früher galt ein Gerichtsbeschluss, dem zufolge ein Täter psychisch krank ist, unbegrenzt. Heute kann man diejenigen von der teuren Klinik in die Sicherungsverwahrung übergeben, die nach neueren Erkenntnissen zwar gefährlich, aber doch nicht krank sind.

Neben Haina gibt es in Hessen derzeit noch zwei kleinere Kliniken für forensische Psychiatrie: Hanau mit 15 und Eltville mit 18 Betten. Alle werden vom Landeswohlfahrtsverband getragen und firmieren seit einigen Monaten unter dem Namen Vitos.

Voraussichtlich im März 2011 wird nach zäher Diskussion vor Ort die Klinik Riedstadt mit 90 Betten eröffnet. Erweitert wird die Rheingau-Klinik von 18 auf 36 und später auf 57 Betten. In Gießen kann die Platzzahl entsprechend reduziert werden, die Hainaer Klinik soll dann noch 382 Betten plus Reservekapazität besitzen. Hanau wird bereits im Januar 2010 ganz aufgelöst, die Patienten würden auf andere Bundesländer verteilt, so Müller-Isberner.

Er berichtete zudem über die bisher einzige »Entweichung« dieses Jahres. Der betreffende Patient habe den Ort seiner Beurlaubung verlassen und sich wenige Tage später in der Gießener Klinik gemeldet. Straftaten habe er, soweit bekannt, nicht begangen. Nun warte er auf seine Abschiebung in sein Herkunftsland.

Mit seiner OB-Amtszeit endet für Haumann auch die Mitgliedschaft im Forensikbeirat, dem er seit dessen Gründung 2003 angehört und vorgestanden hat. Reinhard Belling, Geschäftsführer der Vitos GmbH Kassel, dankte dem CDU-Politiker für seine »engagierte Mitarbeit« und dafür, dass die Stadt der Klinik bei Bedarf »immer eine helfende Hand« gereicht habe.

Dr. Beate Eusterschulte stellte sich als Ärztliche Leiterin des Standortes Gießen der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina vor.

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