Mosche-Neubau

Erste Minarett-Moschee in Gießen eröffnet

Die Oberbürgermeisterin sprach von einem »großen Tag für die Gemeinde und die Stadt«: Mit einem großen Festakt hat die Gießener Ahmadiyya-Gemeinde am Montag ihre neue Moschee eingeweiht.
22. August 2017, 16:12 Uhr
»Wie bei Ihnen der Papst«, klärt der Pressesprecher die Journalisten in dem zum Fernsehstudio umfunktionierten Nebenraum der Kongresshalle darüber auf, wer da gleich durch die Tür kommen wird. Ein bisschen hinkt der Vergleich, denn seine Heiligkeit Mirza Masroor Ahmad, Fünfter Kalif und weltweites Oberhaupt der muslimischen Ahmadiyya-Bewegung, ist verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkel. »Your Holiness« lebt in London und ist extra nach Gießen gekommen, um die einzige Ahmadiyya-Moschee, die in diesem Jahr in Deutschland eröffnet wird, zu weihen. Nachdem er einige Fragen eines ZDF-Teams beantwortet und die von der Stadt geschenkte Linde symbolisch gewässert hat, geht es rüber in den Großen Saal, wo 500 geladene Gäste auf den 66-jährigen Religionsführer warten.

Hohe Sicherheitsmaßnahmen

Der Aufwand, den die Gießener Ahmadis mit Unterstützung anderer hessischer Gemeinden für den Festakt betreiben, ist beeindruckend. Das fängt bei den Sicherheitskontrollen an, geht über die Simultan-Übersetzung der Rede des Kalifen und das gemeinsame Essen bis zum Abschiedsgeschenk, das jeder Gast erhält.
 
Fotostrecke: Erste Minarett-Moschee in Gießen eröffnet
Auch den Bau der Moschee auf dem Grundstück Marburger Straße 83 zog die Gemeinde in beeindruckender Geschwindigkeit durch. Nach nur knapp einjähriger Bauzeit steht Gießens erste Minarett-Moschee als sichtbares Zeichen mitten in der Stadt. Diese Sichtbarkeit verpflichte die Ahmadiyya-Gemeinde »sich noch mehr in den Fokus der Stadtgesellschaft zu rücken«, sagt der Kalif und fügt hinzu: »Wir wollen gute Nachbarn sein«.

Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorsitzender der Ahmadis, findet es bemerkenswert, dass mit der Ahmadiyya- und Ditib-Moschee zwei islamische Gotteshäuser direkt nebeneinander stehen: »Das zeigt die Normalität, auf die wir in Deutschland zusteuern«. Wagishauser erinnert auch an die Geschichte der 220 Mitglieder zählenden und gut 30 Jahren alten Gießener Gemeinde und nennt ein paar technische Daten. Mit 314 Quadratmeter Nutzfläche sei die Größe der Kirche eher überschaubar.

Geschlechter in Gebetsräumen baulich getrennt

Einen Eindruck von der Moschee konnten sich die Gießener am Samstag beim Tag der Offenen Tür verschaffen. In der Tat sind die beiden Gebetsräume für Frauen und Männer mit jeweils 60 Quadratmetern eher klein, um sie gruppieren sich Besprechungsräume, der Sanitärbereich und ein Raum für eine Bibliothek. Die Geschlechter sind baulich klar getrennt, zum Gebetsraum der Frauen im Obergeschoss führt eine Außentreppe.

Die der Kalif betont, spielten Frauen bei den Ahmadiyya keine untergeordnete Rolle. Die Geschlechtertrennung sei religiöse Praxis, aber kein »Integrationshemmnis«. »Die Frauen in unseren Gemeinden sind engagiert, aktiv und besser gebildet als die Männer«, erklärt der Kalif und erteilt den Radikalen eine klare Absage: »Für einen wahren Muslim ist es Pflicht, sich für den Frieden einzusetzen. Liebe für alle, Hass für keinen.«

OB: »Sie gehören zu Gießen«

Die weiteren Redner, neben OB Dietlind Grabe-Bolz sind das RP-Vize Martin Rößler und als Landtags-Vertreter der Gießener SPD-Abgeordnete Gerhard Merz, loben die Integrationsbereitschaft der Ahmadis. »Sie stehen für einen modernen und freiheitsliebenden Islam. Sie achten unsere Grundrechte und die Religionsfreiheit«, sagt Rößler. »Beispielhaft« nennt Merz den Weg, den die Ahmadiyya-Bewegung in Hessen gehe, wo sie den staatlich organisierten islamischen Religionsunterricht mitgestalte. Mit dem Bau der Moschee dokumentiere die Gießener Gemeinde, dass sie »dauerhaft Teil der Stadtgesellschaft sein will.« Für die Oberbürgermeisterin stand das schon vorher nicht in Frage: »Sie gehören zu Gießen.«

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