Stadt Gießen

Konkretes Programm gegen Ingenieurmangel

10. Februar 2009, 22:22 Uhr
Benjamin Fucker und Felix Schlundt (3. und 4. von links) mit den betreuenden Professoren Udo Jung, Wolfgang Diem, Claus Breuer und Heinrich Friedrich (von links). (Foto: pv)

Gießen (pm). Benjamin Fucker und Felix Schlundt sind die ersten Studenten, die das duale Programm »Ingenieurstudium + Ausbildung« (IS+A) an der Fachhochschule Gießen-Friedberg erfolgreich absolviert haben. In der Regelstudienzeit von vier Jahren und drei Monaten schlossen die beiden Abiturienten eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei dem Hanauer Edelmetall- und Technologieunternehmen Heraeus und den Studiengang Material- und Fertigungstechnologie an der FH ab. Beide erreichten in der Diplomprüfung die Note »sehr gut«.

»IS+A haben wir gemeinsam mit der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, der Hanauer Ludwig-Geissler-Schule und Heraeus entwickelt«, so Initiator Prof. Wolfgang Diem vom Friedberger Fachbereich Maschinenbau, Mechatronik, Materialtechnologie. Heraeus-Personalchef Christoph Obladen fügt hinzu: »Unser Management hat schon frühzeitig erkannt, dass wir mit der Einführung dieses neuen Studienangebots auch dem Ingenieurmangel konkret entgegenwirken können.« Mittlerweile sind 34 Unternehmen als Kooperationspartner am dualen Studium beteiligt.

Wer sich für das Ausbildungskonzept von IS+A entscheidet, hat einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen und ist gleichzeitig an der FH eingeschrieben. Die betriebliche Ausbildung beginnt jeweils im Sommer. Parallel bereitet ein Mentorenprogramm die Studierenden auf den Hochschulbesuch vor. Anfang März des Folgejahres startet das erste Hochschulsemester. Anschließend wechseln Ausbildungs- und Studienphasen einander ab. Ihre betriebliche Ausbildung zum Industriemechaniker mit der Fachrichtung Betriebstechnik beenden die Studierenden nach etwa zweieinhalb Jahren.

Die beiden Absolventen loben ihre duale Qualifikation. »Ich kann jedem nur empfehlen, das Programm zu machen. Berufsschule, Heraeus und die FH haben mich sehr gut auf meinen Beruf vorbereitet«, sagt Felix Schlundt. Der 24-jährige Frankfurter hat direkt nach dem Examen als Ingenieur in der Division Medical Components des Hanauer Unternehmens begonnen. Er ist dort verantwortlich für die Halbzeugproduktion und deren Wärmebehandlung.

Das dichtgedrängte Programm hat die beiden Ingenieure während der Ausbildung nicht gestört. »Schließlich hatten wir 30 Tage Jahresurlaub«, gibt Benjamin Fucker zu bedenken. »Und mit 800 Euro Ausbildungsgehalt waren wir auf Kellnerjobs nicht angewiesen. Stattdessen konnten wir während der Semesterferien interessante Projekte bei Heraeus in Angriff nehmen.« Wie sein Kollege wurde Fucker nach dem Studienabschluss von Heraeus übernommen. Der 25-Jährige, der in Bruchköbel wohnt, arbeitet in der Engineered Materials Division als Fertigungsplaner und betreut die Arbeitsabläufe der Edelmetallschmelze und der Halbzeugvorfertigung.

Das IS+A-Studium ist an der FH Gießen-Friedberg in drei Fachrichtungen möglich. Außer Material- und Fertigungstechnologie stehen Maschinenbau und Mechatronik zur Wahl. Daneben bietet die Hochschule das Programm »Ingenieurstudium+Industriepraxis« (IS+I) an, dessen Teilnehmer auf den gewerblichen Ausbildungsabschluss verzichten. Im vergangenen Sommer haben 26 Studenten den betrieblichen Teil der dualen Ausbildung begonnen. Wer sich für IS+A oder IS+I interessiert, findet nähere Informationen unter www.is-a.de.

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