Geburtstag

Oberbürgermeisterin wird 60 Jahre alt

Dass Oberbrügermeisterin Grabe-Bolz und die Stadt Gießen prima zusammenpassen, weiß man längst. Am Montag feiert die Rathauschefin ihren 60. Geburtstag.
19. Juni 2017, 06:00 Uhr

Von Burkhard Möller , 1 Kommentar

Wer weiß, welcher ganz hochrangige Gast am heutigen Montag im Atrium des Rathauses zum Gratulieren vorbeischaut, wenn der Magistrat der Universitätsstadt Gießen anlässlich des runden Geburtstags der Oberbürgermeisterin einen Empfang gibt. Er sei gar nicht so selten in Gießen, denn einige seiner alten Freunde hätten in letzter Zeit ihren 60. Geburtstag gefeiert, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am vergangenen Montag bei seinem Besuch an der Uni. Nun also wird »die Dietlind«, wie Steinmeier seine Freundin aus Gießener Tagen nennt, auch 60.

Damit hat die gebürtige Kasselanerin, die seit ihrem fünften Lebensjahr in Gießen lebt, ein Alter erreicht, in dem in den Familien Freude und Leid oft nah beieiander liegen. Diese Erfahrung durfte und musste in den letzten Wochen auch Dietlind Grabe-Bolz machen. Seit Ende April ist sie Oma eines Enkelsohns, erst vor wenigen Tagen starb ihr Vater Manfred Grabe – sechs Jahre nach seiner Frau Jutta. Ein ungetrübtes Fest kann dieser 60. Geburtstag nicht werden.

Dennoch findet der Magistratsempfang statt, und man hat der OB den Schicksalsschlag bei den Terminen in den letzten Tagen auch zu keinem Zeitpunkt angemerkt. Dietlind Grabe-Bolz ist eben nicht nur eine mitfühlende Politikerin, sondern eine, die ihr Amt auch sehr professionell ausübt. Sie hat auch kein Problem damit, eine kleine Nebenrolle zu spielen, wie sie ihr zum Beispiel das Protokoll beim Steinmeier-Besuch vor einer Woche zuwies. Nicht alle ihre männlichen Amtsvorgänger wären damit so locker umgegangen wie die amtierende OB.

Dietlind Grabe-Bolz ist nämlich nicht nur – wie viele Frauen in Spitzenämtern – in hohem Maße selbstdiszipliniert, sondern auf eine sehr natürliche Art stilsicher. Natürlich ist auch ihr Verhältnis zu der Stadt, dessen höchstes Amt sie seit dem Dezember 2009 bekleidet. Grabe-Bolz verkörpert das heutige Lebensgefühl der kleinen (Uni)Großstadt wie kein anderer Gießener Stadtpolitiker. Der samstägliche Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen in der Neuen Bäue sind bei ihr ebenso wie die Nutzung des Fahrrads als privates und dienstliches Fahrzeug keine PR in eigener Sache, sondern gehören zum normalen Stadtleben, das die gelernte Pädagogin nach ihrer Wahl vor acht Jahren einfach weitergelebt hat. Es kommt nicht von ungefähr, dass es in kleineren Unistädten mittlerweile einige grüne Oberbürgermeister gibt; auch die Gießener SPD-OB lebt eher einen grünen Alltag. Und sie widerlegt täglich die dumme Behauptung, dass Linke nicht volkstümlich sein können. Gemessen am Gießener Volk ist das die oberste Bürgerin allemal. Für den politischen Gegner macht das die Auseinandersetzung mit ihr schwierig. CDU-Chef Klaus Peter Möller bezeichnete Grabe-Bolz mal – gleichermaßen wahr wie polemisch – als »sympathischen Totalausfall«.

Ein Ausfall ist sie natürlich nicht, denn es ist viel passiert und sie hat viel angepackt seit ihrem 52. Geburtstag, den sie 2009 bereits als gewählte OB feierte. Ihre größte – und selbstgewählte – Herausforderung, die Sanierung der Stadtfinanzen, hat die Stadtkämmerin so gut wie bestanden. Und das wohlgemerkt als jemand, der vorher mit der komplexen Materie nichts am Hut hatte. Mit dem Beitritt zum Rettungsschirm des Landes, der mit teils massiven Steuer- und Gebührenerhöhungen verbunden war, hat Grabe-Bolz – bei vollem Bewusstsein – ihre Wiederwahl aufs Spiel gesetzt. Die hat sie dann vor zwei Jahren doch recht souverän überstanden. Spätestens seit dieser Wahl weiß sie, dass sie etwas riskieren kann.

Bei ihrem anderen Leib- und Magenthema läuft es nicht so gut. Mittlerweile dürfte Grabe-Bolz gelernt haben, dass die Vehemenz, mit der einige Bürgerinitiativen und die Parlamentsopposition Bürgerbeteiligung einfordern, im krassen Gegensatz zu deren Nutzung durch die Bürger steht.

Aber ist das schlimm angesichts der Tatsache, dass die Stadtgesellschaft im entscheidenden Moment vor zwei Jahren, als sich in Gießen zeitweise 7000 Flüchtlinge aufhielten, geholfen hat und zusammengerückt ist? Gießen hat sich damals den sozialen Frieden bewahrt. Darauf ist Dietlind Grabe-Bolz stolz – als einfache Bürgerin. (Foto: Schepp)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Dietlind Grabe-Bolz
  • Frank-Walter Steinmeier
  • Geburtstage
  • Klaus Peter Möller
  • Gießen
  • Burkhard Möller
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
1
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.