Kundenbefragung

Gastrokritik auf Bierdeckeln

Ein einzigartiges Pilotprojekt zur Kundenbefragung in der Gastronomie startet an diesem Wochenende: Gastrokritik auf Bierdeckeln.
17. Juni 2017, 14:00 Uhr
Gäste im »Ritzis« und im »Apfelbaum« können auf Bierdeckeln ihr Urteil über Service und Ambiente abgeben. Ralf Schultheiß (M.) organisiert die Kundenbefragung, Die Wirte Torsten Ströher (l.) und Sascha Homfeld (r.) nehmen das Angebot dankend an. (Foto: sag)

Das Konzept ist so genial wie einfach: Mit einer »Bierdeckelbefragung« will ein Gießener Unternehmer die Zufriedenheit der Gäste in der Gastronomie direkt am Tisch in gemütlicher Atmosphäre abfragen. Mittels eines Mediums also, das bereits im 19. Jahrhundert erfunden wurde, aber bis heute nicht an Aktualität verloren hat: dem Bierdeckel.

Erfunden hat diese Variante der Kundenbefragung Ralf Schultheiß von der Gießener Agentur »Gut befragen«. Mit seiner Full-Service-Agentur bietet er die Entwicklung von Fragebogen sowie die Datenerhebung und Analyse an. Einen deutschlandweit einzigartigen Testlauf startet er jetzt zusammen mit den Gießener Gastronomen Torsten Ströher und Sascha Homfeld, die die Kultkneipen »Ritzis« und »Apfelbaum« in der Ludwigstraße betreiben. Mittels eigens entwickelter und bedruckter Bierdeckel wollen die Gastronomen mehr über die Kundenzufriedenheit im »Ritzis« und dem Biergarten des »Apfelbaums« erfahren.

 

Mitmachen ist selbsterklärend

 

Uns so funktioniert es: Die Bierdeckel werden mit dem ersten Getränk an die Gäste ausgegeben. Kugelschreiber liegen auf den Tischen bereit. Das Mitmachen ist selbsterklärend: Mit Schulnoten zum Ankreuzen sollen Atmosphäre, Service und Qualität der Speisen bewertet werden. Ein zusätzliches Feld mit der Frage: »Was möchtest Du uns noch sagen?« ermöglicht den Gästen, eigenes Lob oder Kritik loszuwerden. Die Deckel werden schließlich eingesammelt und von Schultheiß nach empirischen Kriterien ausgewertet.

 

Ehrliche Meinung gefragt

 

Ströher und Homfeld versprechen sich von dieser Aktion »eine ehrliche Meinung«, denn die Befragung verläuft anonym. »Da ist es leichter, Kritik loszuwerden, als diese der Bedienung direkt ins Gesicht zu sagen«, glaubt Ströher. Da die Deckel nach Abend sortiert werden sollen, könne man so auch etwaige Unstimmigkeiten im Service ausloten und entsprechend beheben. Was die Gäste vom Mitmachen haben? »Ein noch besseres Lokal«, meint Stöher.

Das »Ritzis« betreiben Ströher und Homfeld seit 2016; seit 2012 sind sie für den »Apfelbaum« verantwortlich. Von der Idee, einen Testlauf mit der Bierdeckelbefragung durchzuführen, waren sie sofort angetan: »Die Idee ist innovativ und oldschool zugleich«, findet Homfeld.

 

Innovativ und oldschool

 

Schultheiß begründet seine Idee auf Fakten, welche die Katz Group im Schwarzwald, Europas führender Bierdeckelproduzent, geliefert hat. Demnach nehmen 96 Prozent aller Gäste den Bierdeckel als unaufdringliches Werbemittel wahr; 82 Prozent der Befragten empfinden den Untersetzer als sympathisch. Die Bierdeckelbefragung richtet sich in erster Linie an Gastronomen und Veranstalter; aber auch Brauereien und Getränkehersteller könnten zu den späteren Kunden von »Gut befragen« gehören, um neue Produkte zu testen. Die Katz Group als Lieferant von Bierdeckeln ist bereits aufmerksam geworden und möchte die Idee von Schultheiß‹ gerne an Kunden bringen. Jede Befragung wird dabei auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Gastronomie zugeschnitten und in enger Abstimmung mit diesem entwickelt; Standardfragebogen gibt es nicht.

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