Mindestens 300 000 Euro benötigt

22. Mai 2017, 19:37 Uhr
Neuer Schatz im Liebigmuseum: Archivar Dr. Dietmar Linder präsentiert eine bronzene Plakette mit dem Porträt Justus Liebigs aus dem Jahr 1839. (Foto: srs)

Die Liebig-Gesellschaft strebt nach hohen Weihen: Das im Original erhaltene Liebig-Laboratorium soll – wie mehrfach berichtet – UNESCO-Weltkulturerbe werden. Gleichzeitig aber müssen sich die Mitglieder der Gesellschaft, die das Liebigmuseum besitzt, auch mit sehr profanen Dingen beschäftigen. Ein Wasserschaden hat im vergangenen Jahr Nerven und Geld gekostet. In den kommenden vier Jahren will der Verein zudem die Außenfassade des Museums restaurieren sowie das Dach sanieren lassen. Kostenpunkt: mindestens 300 000 Euro.

Der Vorsitzende der Liebig-Gesellschaft, Prof. Eduard Alter, wies während der Mitgliederversammlung auf den hohen Geldbedarf hin. Allein die Sanierung der Außenfassade dürfte eine Viertelmillion Euro verschlingen. Außerdem, kündigt Alter an, benötige man »erhebliche Mittel« für eine Erneuerung der Heizung – »neben den Kosten für das Antragsverfahren zum Weltkulturerbe«. Für letzteres Vorhaben bewegen sich die Kosten in einer Größenordnung von einer Million Euro. Derzeit bereite man die Gutachten für das Bewerbungsverfahren bei der UNESCO vor, berichtet Alter.

Ärger über hohe Energiekosten

Eine Projektgruppe arbeitet seit Oktober aktiv an dem Vorhaben, das Liebig-Laboratorium zum Weltkulturerbe aufzuwerten. Die Gruppe richtet derzeit Büroräume im Obergeschoss des Museums in der ehemaligen Wohnung Justus Liebigs ein. Alter blickte auch auf den schweren Wasserschaden im März vergangenen Jahres zurück. Wegen des defekten Anschlusses einer Waschmaschine in der Mietwohnung im ersten Stock war Wasser durch die Lehm-Stroh-Decke und entlang der Wände ins Erdgeschoss geflossen. Drei Räume und der Flur waren stark beschädigt worden. Mehrere Möbel wurden unbrauchbar. Die Versicherung übernahm glücklicherweise vollständig den Gebäudeschaden. Durch die Zerstörung von Inventar seien für die Liebig-Gesellschaft aber Folgekosten von 8549 Euro entstanden, berichtet Schatzmeisterin Karin Machens. Wegen der fünfmonatigen Schließung des Museums infolge des Wasserschadens habe man 2016 indes 6500 Euro weniger als im Jahr zuvor eingenommen. »Wir sind weiter auf großzügige Spenden angewiesen«, hielt die Schatzmeisterin fest. Im vergangenen Jahr ist die Summe an Spenden im Vergleich zum Vorjahr um gut 14 000 Euro auf 33 012 Euro gestiegen. Gießener Bürger sowie Vereine, Schulen und Unternehmen haben 15600 Euro zusammengebracht, um zweckgebunden das Ziel des Weltkulturerbes zu unterstützen.

Ein Ärgernis für den Verein sind unterdessen hohe Energiekosten von 19 685 Euro, die das Liebigmuseum 2016 verschlungen hat. Ziel ist, dass alle stromfressenden Nachtspeicherheizungen aus dem Museum verschwinden. »Die Stadtwerke legen aber vorerst keinen neuen Anschluss«, bedauert die Schatzmeisterin. Die Liebigstraße solle dafür erst »frühestens in drei Jahren« aufgerissen werden, wenn die Fernbus-Haltestelle an die Westseite des Bahnhofs verlegt werde.

Bilanz nach Wasserschaden

Kurator Dr. Bernd Commerscheidt machte darauf aufmerksam, dass in der Ausstellung die Audio-Guides oft ausfallen. »Wir haben als Interimslösung Kästchen mit QR-Codes aufgestellt. Besucher können Einführungen zu Exponaten mit Smartphone abrufen.« Archivar Dr. Dietmar Linder präsentierte neu erworbene Schätze. So trug er einen Brief Liebigs vom 13. Oktober 1862 an den französischen Chemiker Théophile-Jules Pelouze vor. Außerdem zeigte Linder eine bronzene Plakette mit dem Porträt Liebigs, die der Künstler Pierre Jean David d’Angers 1839 erstellt hat. Gerd Hamscher, Professor für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie, ist neuer zweiter Vorsitzender der Gesellschaft. Die Mitglieder wählten ihn einstimmig. Er löst Prof. Bernhard Spengler ab, der aufgrund beruflicher Belastungen nach 16 Jahren ausscheidet. Ebenfalls einstimmig wurden der Erste Vorsitzende Alter, Schatzmeisterin Machens, Kurator Commerscheidt, Archivar Linder und Schriftführer Klaus Preissner in ihren Ämtern bestätigt.

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