Kunst im Keller

Viel mehr als nur Schwarz und Weiß

Der Gewölbekeller im Unteren Hardthof hat Flair. Schüler der Fachoberschule Gestaltung machen ihn mit ihrer Kunst zu einem der Plätze der Stadt, die man unbedingt besuchen sollte.
19. Mai 2017, 20:00 Uhr

Das Thema der Ausstellung lautet »Schwarz/Weiß«, doch wer lediglich Fotos in Grauschattierungen erwartet, liegt gewaltig daneben. Was die Schüler der Fachoberschule Gestaltung der Willy-Brandt-Schule in ihrer neuesten Kunstschau präsentieren, geht weit darüber hinaus. Fächerübergreifend wurde das Thema im Kunst-, Politik- und Gestaltungsunterricht vorbereitet und entsprechend vielfältig sind die 31 Bilder, Installationen und Skulpturen, die im nasskalten Kellergewölbe und in der Galerie des Unteren Hardthofs zu sehen sind.

Vernissage am 19. Mai

Immer wieder geht es in den Kunstwerken um Ängste und das Dunkle im Menschen im Kontrast zum grellen Licht der Öffentlichkeit. Ricky Wright etwa lässt uns in den Kopf eines Soldaten blicken, der an einer posttraumatischen Störung leidet. »KriegsHeld« heißt das fotorealistische Gemälde von Leonie Leutner, das einen weinenden Soldaten zeigt. Aber auch alltägliche Traumata werden visualisiert. So lässt Janine Albrecht mit ihrer Skulptur »Ausbruch« erahnen, wie sie sich von ihrer Agoraphobie befreit hat, und Mona-Marie Baumann erinnert mit ihrer Installation »Erinnerung« an die Vertreibung der Sudetendeutschen. Beklemmend auch die Installation von Jana Knauer, in der sie mit Kunstblut und Kinderkleidung häusliche Gewalt thematisiert.

Wer im dunklen Keller an den Lichtern vorbeigeht, die die Seelen der Gequälten darstellen, dem läuft ein Schauer über den Rücken. Nebenan ist das von Leander Laufer auf einem goldenen Klo platzierte Skelett zu sehen, das, mit einer schwarzen Marionette in der Hand, das globale Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich symbolisiert. Beeindruckend ist auch Lisa-Marie Rubers Skulptur »UnHuman« mit einer Vase voller Schweineblut und schwarzen Rosen auf einer Stele mit Daten von terroristischen Anschlägen.

Doch immer wieder zeigt sich, dass es neben dem Dunklen und Bösen in der Welt auch Helligkeit, sprich Hoffnung, gibt. Christina Kuhl lässt in ihrem Gemälde Farben wie Pflanzen einen Dunkelwald überwuchern, Sarah Staudt weiße Schmetterlinge aus einem schwarzen Kokon aufsteigen und Nina Sini ein Mädchen eine in Grautönen gemalte Stadt mit Farbe überziehen.

Die Schüler zeigen, dass sie die gesellschaftlichen Probleme der Zeit mit wachem Blick beobachten. Leander Laufers Collage warnt vor allzu sorglosem Umgang mit dem Internet und Alexander Weber zeigt mit einem WhatsApp-Triptychon, wie erbärmlich Kommunikation in den sozialen Medien ausfällt. Golo Bratge hat aus einer Holzplatte eine Weltkarte herausgestemmt und zeigt, welche Länder von Ausbeutung betroffen sind und welche profitieren. Frederieke Wagner bringt mit »Abgründe« zusammen, was auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben scheinen: Papst, Terroristen, Prostitution. Und Kathleen Haag integriert in ihrer Arbeit »Headache« ein Video in der Stirn eines Hitlerporträts. Zu sehen ist ein schwarzweißes »Schneebild«, wie man es von alten Fernsehern kennt. (Fotos: Schepp)


Am Wochenende geöffnet

Zu sehen ist die Ausstellung im Unteren Hardthof am Samstag, 20. Mai, von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag, 21. Mai, von 12 bis 18 Uhr sowie am Montag, 22. Mai, nach telefonischer Vereinbarung (01 75/4 02 27 50). Am Wochenende führen jeweils um 16 Uhr Schüler durch die Ausstellung. Empfehlenswert ist der Kauf des Ausstellungskataloges mit erläuternden Texten. Der Erlös der Vernissage am Freitagabend ist für ein Kinderheim in Südindien bestimmt.

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