Mathematikum

Mathematikum-Leiter: Abschied im Blick

Albrecht Beutelspacher ist seit einem Jahr im Ruhestand als Mathematik-Professor. Was wird nun aus dem Mathematikum?
19. Mai 2017, 11:00 Uhr
Die meisten Menschen kennen Albrecht Beutelspacher als Mathematikum-Direktor. Er lehrt aber weiterhin auch an der Universität – trotz seiner Pensionierung. (Foto: Schepp)

Sie geben Seminare an der Uni, gleichzeitig leiten Sie das Mathematikum. Wann haben Sie sich eigentlich das letzte Mal Ruhe gegönnt?

Prof. Albrecht Beutelspacher: In den ersten Jahren nach der Eröffnung des Mathematikums 2002 habe ich lange Zeit keinen Urlaub eingelegt. Mittlerweile aber kann ich auch mal krank werden oder auch mal in Urlaub fahren – und das Mathematikum läuft ganz normal auch ohne mich. Aber es stimmt schon, ich arbeite viel. Ich gebe ja auch noch 100 Vorträge im Jahr. In der vergangenen Woche waren es gleich vier: in Gronau, Hamburg, München und Paderborn. Aber ich genieße das unglaubliche Glück, dass ich diese berufliche Chance, hatte das Mathematikum aufzubauen.

 

In zehn Jahren? Da komme ich nur noch zu grossen Veranstaltungen ins Mathematikum – als Besucher

Prof. Albrecht Beutelspacher

Was ist das Geheimnis des Erfolgs des Mathematikums?

 

Beutelspacher: Ich habe mal ein tolles Kompliment bekommen: »Sie wissen genau, wann Sie aufhören müssen, zu erklären.« Ich glaube, das ist ganz wesentlich für den Erfolg des Mathematikums.

Sie sind seit April 2016 pensioniert als Professor für Mathematik an der Uni Gießen. Aber Sie unterrichten weiter?

Beutelspacher: Ja, ich arbeite als Vertretung weiter. Die Stelle ist ausgeschrieben, aber noch nicht besetzt. Ich werde also auch im Wintersemester weiterhin lehren.

Sie sind 66 Jahre alt. Werden Sie das Mathematikum denn in zehn Jahren noch leiten?

Beutelspacher: Ich hoffe, dass es dann eine andere Struktur geben wird. Die Leitung wird dann hoffentlich ein Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin übernommen haben. Ich werde dann nur noch zu großen Veranstaltungen, zur Eröffnung von Ausstellungen kommen. Als Besucher.

Sie denken also schon an Abschied von der Leitung des Museums?

Beutelspacher: Ja, aber noch nicht konkret. Die Schritte sollten wir in den nächsten Jahren einleiten. Ich bin noch fit und dankbar für jeden Tag. Aber man wird halt auch älter.

Sind Sie ein Typ, der loslassen kann?

Beutelspacher: Aus heutiger Sicht fällt es mir nicht leicht, die Leitung abzugeben. Aber das wird mir schon gelingen. Eigentlich bin ich ja nicht mal ein Typ, der in der Öffentlichkeit auftreten kann. Als Kind war ich extrem schüchtern.

Dass Sie älter werden: Woran stellen Sie das fest?

Beutelspacher: Früher war ich bei Tagungen immer der letzte, der ins Bett gegangen ist. Das geht nicht mehr. Zwei Nächte mit wenigen Stunden Schlaf überstehe ich nicht.

Haben Sie noch Pläne für das Mathematikum? Wie soll es in zehn Jahren aussehen?

Beutelspacher: Wir wollen den öffentlichen Bereich vor dem Mathematikum weiter gestalten. Draußen wollen wir bald eine Sonnenuhr aufstellen. Jeder kann dann an seinem eigenen Schatten die Zeit ablesen. Auf dem Hof wollen wir außerdem Experimente mit Wasser aufstellen. Mir schwebt eine Fontäne vor. Unser Ziel für die Zukunft ist aber vor allem, unser Niveau zu halten. 120 000 Besucher im Jahr sind sensationell. Andere ähnliche Einrichtungen in Deutschland haben es schwerer. Sie haben wenige Besucher, sind auf Zuschüsse angewiesen. Wenn ich da an andere Institutionen in Gießen denke: Das Mathematikum hat ungefähr so viele Besucher wie das Stadttheater oder die 46ers – und wir finanzieren unseren Betrieb ohne Subventionen.

Haben Sie einen Traum, wie das Mathematikum in 20, 30 Jahren aussieht?

Beutelspacher: Dass es heute steht und erfolgreich funktioniert, ist ja schon der Traum. Ich muss mich immer wieder noch kneifen.

Verabschiedung am 19. Mai

Pensionär Beutelspacher

Albrecht Beutelspacher hat bereits am 1. April 2016 seine Urkunde zur Pensionierung als Mathematikprofessor erhalten. Erst an diesem Freitag (19. Mai) allerdings werden Kollegen ihn im Rahmen eines Symposiums im Mathematikum verabschieden.

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