Hohe Ehre für Politikwissenschaftlerin

11. Mai 2017, 19:47 Uhr
A. Kurth

Die Politikwissenschaftlerin Dr. Alexandra Kurth ist in den Beirat des »Bündnisses für Demokratie und Toleranz« berufen worden. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Christian Lange, hatte die 46-jährige Gießenerin für den Posten vorgeschlagen – vor allem aufgrund ihrer langjährigen Forschung über Rechtsextremismus.

»Der Anruf aus dem Justizministerium kam überraschend«, erzählt die an der Justus-Liebig-Universität tätige Wissenschaftlerin. An diesem Wochenende wird sie auf einer Versammlung des Beirats in Berlin auch sich und ihre Forschung vorstellen. Dem Gremium gehören 20 Politiker, Wissenschaftler und ehrenamtlich engagierte Bürger an. Kurth wurde für eine Zeit von vier Jahren in den Beirat ernannt.

Das »Bündnis für Demokratie und Toleranz« wurde im Jahr 2000 von den Bundesministerien der Justiz und des Inneren ins Leben gerufen. Zahlreiche Organisationen und Verbände, die sich für eine offene Gesellschaft und gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzen, haben sich in dem Bündnis zusammengeschlossen. Unter anderem entscheidet der Beirat jedes Jahr, welche Initiativen den Preis »Aktiv für Demokratie und Toleranz« erhalten.

»Das Bündnis ist wichtiger denn je«, betont Kurth. Populistische Bewegungen mit einfachen Antworten und plakativen Parolen seien im Aufwind. »Demokratie aber setzt auf Vernunft, ist eher leise. Es ist eine schwierige Situation. Gegen Populismus gibt es keine Feuerwehr.«

Kurth ist Politologin, Germanistin und Erziehungswissenschaftlerin. 1997 begann sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie in Gießen. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über Studentenverbindungen als »Männerbünde im Zivilisationsprozess«. Die Politikwissenschaftlerin ist eine ausgewiesene Kennerin auf dem Gebiet des Rechtsextremismus vor allem auf akademischer Ebene. Dass die Rechtsaußen-Burschenschaft Dresdensia Rugia kein Verbindungshaus mehr im Großen Steinweg hat, »merkt man«, sagt sie. »Es gibt keine direkte Anlaufstelle für Rechtsextremisten mehr in der Stadt.« In Marburg sei die Szene mit zwei Burschenschaften aktiver. Dennoch sei Gießen »kein Hort der Glückseligkeit«.

Vor zwei Jahren, berichtet sie, habe es am Philosophikum II eine Aktion von Rechten gegeben. »Es wurden Flyer gegen Gender Studies verteilt. Im Haus A wurden Toiletten mit Hakenkreuzen beschmiert.« Doch der Fachbereich für Sozial- und Kulturwissenschaften habe gehandelt, habe derartige Aktionen verurteilt. »Und es hat danach auch aufgehört.«

Zum Thema des Rechtsextremismus gibt die Studienrätin im Hochschuldienst und gegenwärtige Geschäftsführerin der Arbeitsstelle Gender Studies seit 2003 Seminare und Vorlesungen am Institut für Politikwissenschaft der Gießener Uni. Anlässlich der Demonstration der NPD in der Gießener Innenstadt im Jahr 2011 erarbeitete sie gemeinsam mit Studenten ein Buch über die Partei. »Ich möchte Lehramtsstudierende vor allem darin unterrichten, wie Erziehung zu Mündigkeit aussehen kann. Ich möchte zu Demokratiebildung sensibilisieren.«

Von Staatssekretär vorgeschlagen

Kurth ist auch Vorsitzende des in Gießen ansässigen Vereins »Netzwerk für politische Bildung, Kultur und Kommunikation«, seit dem 16. Lebensjahr – mit einer Unterbrechung – ist sie außerdem bei den Jusos und in der SPD engagiert.

Immer wieder werde sie mit Drohungen, Beleidigungen und bösartigen Telefonanrufen konfrontiert. »Jeder, der zu Rechtsextremismus öffentlich Position bezieht und forscht, hat mit solchen Dingen zu tun. Das ist leider so«, hält sie fest. (Foto: srs)

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