Stadt Gießen

»Alles frisch – von gestern«

05. April 2017, 20:25 Uhr
Obst und Gemüse sind bei der Umsonst- Demo schnell vergriffen. (Foto: mac)

Rund 70 Demonstranten sind am Mittwochnachmittag durch die Gießener Innenstadt gezogen. Dabei haben sie unter anderem Lebensmittel, Kleidung und Bücher verteilt. Außerdem gibt es Blumen, kostenlose Umarmungen und natürlich Musik. Sinn und Zweck der ersten Gießener Umsonst-Demo: »Wir wollen zeigen, dass man in dieser Stadt Spaß haben kann, auch ohne Geld auszugeben«, sagt Organisator Oliver Jenschke.

In einer schwarzen Bio-Mülltonne zogen die Teilnehmer allerhand Lebensmittel durch den Seltersweg. »Einige von uns waren am Dienstag extra für die Demo containern. Wir benutzen den Mülleimer, um den Passanten zu verdeutlichen, welch tolle Produkte weggeworfen werden«, betont Jenschke. Auf dem Kirchenplatz greifen die Gießener zu. Es gibt süße Teilchen und Pizzataschen – alles kostenlos. Und »alles frisch – von gestern«, wie eine Demonstrantin beim Verteilen ruft. Das von der Initiative Foodsharing mitgebrachte und aufgeschnittene Obst und Gemüse ist schnell vergriffen. Der Spruch »Es gibt genug für alle« steht zwar auf einem Pappschild, Rücksichtnahme wird aber auch bei einigen Umsonstfans nicht gerade gelebt. Ein Passant kramt eine Plastiktüte aus der Jackentasche und hamstert, was er greifen kann.

Neben Foodsharing wirken am Dienstag auch die Freeschool und das Café Amelie mit. Die Freeschool passt ins Konzept, da sie beispielsweise kostenlose Kurse anbietet. »Es sind einige Gruppen am Start, die gratis Sachen anbieten«, erklärt Jenschke. Diese Initiativen seien genau wie der Demozug offen für jeden.

Den Mitwirkenden geht es bei der Veranstaltung auch darum, eine bundesweite Kampagne zu unterstützen, die den Diebstahlparagraphen 242 ändern und das Containern entkriminalisieren möchte. »Gießen ist das hessenweite Zentrum dieser Bewegung«, meint Jenschke.

Der Student verrät eine weitere Idee der Szene. »Wir haben für die Zukunft ein Projekt in Planung, bei dem man kostenlos Lastenräder leihen können soll. So wollen wir eine Gegenbewegung zur Autostadt werden«, sagt Jenschke.

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