Stadt Gießen

225 000 Euro in der Garage

In einer Garage in der Gießener Weststadt wird ein Koffer mit 225 000 Euro Falschgeld entdeckt. Nun standen die Mieter vor Gericht.
15. März 2017, 11:00 Uhr
Jede Menge Blüten entdeckte die Polizei im Sommer 2013 in der Gießener Weststadt. Zu einer strafrechtlichen Sanktion führte dieser Zufallsfund aber nicht. (Themenfoto: dpa)

Wenn in einer Garage ein Koffer mit Falschgeld im Nennwert von 225 000 Euro entdeckt wird, liegt der Verdacht nahe, dass die Mieter keine hehren Absichten hatten. Doch die beiden Angeklagten kamen am Dienstag nach einer gut dreistündigen Beweisaufnahme mit einem Freispruch davon. Keinem der beiden schweigenden Familienväter konnten die Blüten zugeordnet werden. Nach Überzeugung des Gerichts gab es zudem keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sie das Falschgeld gewinnbringend in Verkehr bringen wollten.

Die beiden Männer gehörte zu einer heimischen Bande, die im Juli 2013 wegen des dringenden Verdachts auf Heroinhandel verhaftet worden war. Einer von ihnen war schon drei Jahre lang zuvor ins Visier der Kripo geraten und telefonisch überwacht worden, zuletzt sogar bei der Autonutzung. Bei der Festnahme waren zwar insgesamt 300 000 Euro in bar entdeckt worden, doch die folgenden Strafverfahren waren nicht sehr ergiebig: Der berufslose Selbstständige kam mit einer Geldstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes davon, der gelernte Gebäudereiniger – der schon einmal neun Monate wegen Drogenhandels abgesessen hatte – wurde nach einem Jahr Untersuchungshaft entlassen.




100-Euro-Blüten im Koffer

Im Zuge der Verhaftungen war damals auch die Garage durchsucht worden, die die beiden aus Kasachstan stammenden Männer in einem Garagenhof in der Gießener Weststadt angemietet hatten. Die Kripo-Beamten staunten nicht schlecht, als sie dabei einen Pilotenkoffer mit zwei Beuteln 100-Euro-Noten entdeckten, die aus Bulgarien stammten. Die Fälscher hatten sich allerdings nicht viel Mühe gegeben und ständig dieselbe Seriennummer verwendet.

Der Vermieter der Garage hatte damals erläutert, dass er die beiden Mieter wiederholt und oft auch mit anderen Leuten auf dem Garagenhof gesehen habe. Am Dienstag im Zeugenstand mochte sich der 42-jährige Gastronom daran aber nicht konkret erinnern. Auch ein anderer Zeuge, der für seinen Schrotthandel eine Nachbargarage angemietet hatte, machte Erinnerungslücken geltend und bekannte: »Ich möchte mit dem Fall nichts zu tun haben.« Damas hatte der Heuchelheimer vor Ort geschildert, die beiden Garagenbesitzer seien oft mit einem Audi A8 und einem Geländewagen vorgefahren. Aus Angst um seine Familie hatte er später seine Aussagen bei der Polizei nicht unterschrieben.


Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafe

Aus Sicht von Staatsanwalt Alexander Hahn ist die entscheidende Frage, ob die Angeklagten die Herrschaftsgewalt über den Garageninhalt hatten. Aufgrund der Zeugenaussagen sei der Nachweis zweifelsfrei zu führen, dass sie sich Falschgeld verschafft hatten, betonte der Ankläger. Er beantragte eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Den ursprünglichen Vorwurf des gewerbsmäßigen Handels, den ein anderer Sachbearbeiter offenbar wegen eines Zusammenhangs mit dem Verdacht des Drogenhandels gesehen hatte, zog Hahn ausdrücklich als »überzogen« zurück.

Die beiden Verteidiger plädierten hingegen auf einen »glasklaren Freispruch«. Den Koffer könnte auch ein Unbekannter in die Garage gestellt haben, betonten sie. Für den Tatbestand der Anklage gebe es keine einziges Indiz und der bloße Besitz von Falschgeld sei nun einmal nicht strafbar.

So sah es auch das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Sonja Robe, die den Freispruch verkündete. Die Verfahrenskosten muss die Staatskasse tragen. Und das seinerzeit in ihren Privatwohnungen beschlagnahmte Geld bekommen die beiden Väter von je vier Kindern zurück.

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