Stadt Gießen

So will das Liebig-Museum UNESCO-Welterbe werden

11. November 2016, 09:53 Uhr
Hier hat einst Justus Liebig geforscht: Das Alte Labor im Liebig-Museum befindet sich noch nahezu im Originalzustand.

Das Liebig-Museum mit den beiden Laboren und dem Hörsaal, die nahezu im Originalzustand erhalten sind, ist ein Juwel. Schließlich entfaltete der geniale Gelehrte Justus Liebig hier von 1824 bis 1852 seine Schaffenskraft. Von ihm wurden in Gießen etwa Mineraldünger, Backpulver, Babynahrung, Fleischextrakt, Silberspiegel und Chloroform entwickelt. Schüler Liebigs gründeten namhafte Chemie-Firmen wie BASF, Agfa oder Fresenius.

Unter Chemikern ist das Liebig-Museum deshalb weltweit bekannt. Aber daheim liegt es mit 8000 bis 9000 Besuchern pro Jahr eher im Dornröschenschlaf. Zum Vergleich: Das benachbarte Mathematikum kommt auf rund 100 000 Besucher.

Schon 1999 wurde daher in der Liebig-Gesellschaft erstmals erwogen, eine Aufwertung des Liebig-Museums zum Weltkulturerbe anzustreben. Nachdem Professor Eduard Alter den Vorsitz übernommen hatte, wurde das Vorhaben ernsthaft angepackt. Ermuntert wurde der THM-Chemiker vor zwei Jahren vom ehemaligen Präsidenten des Landesamts für Denkmalschutz.

Spätestens seit dem Besuch der deutschen Vertreterin im UNESCO-Welterbekomitee vor einigen Monaten ist der Liebig-Gesellschaft ihrem Vorsitzenden zufolge klar, dass »wir einen langen steinigen Weg vor uns haben«. Als realistisch sieht Alter einen Zeitraum von zehn Jahren an. Die Kosten dürften sich in einer Größenordnung von einer Million Euro bewegen. Für die auf internationaler Ebene notwendigen Gutachten würden rund 800 000 Euro fällig, schätzt der Chemiker. Die UNESCO verlange für die Begutachtung etwa 200 000 Euro.

Für das große Ziel hat Alter aber inzwischen einen tatendurstigen Mitstreiter gefunden: IHK-Vizepräsident Thomas Rühl, Vorstandsvorsitzender der Cursor Software AG und bekannt geworden als Motor der Troher Weihnachtslichter. Die Projektgruppe bilden bisher außerdem Professor Bernhard Spengler, Karin Machens, Helmut Tappe und Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz.

Ein weiteres Fernziel der Gruppe ist, dass Gießen ein wirtschaftlich lukratives Liebig-Chemikum bekommt. Dessen Mittelpunkt wäre das Laboratorium. Doch in einem weiteren Gebäude soll die Bedeutung der Chemie für unser Alltagsleben an historischen und aktuellen Beispielen publikumswirksam veranschaulicht werden. Vorbild auch hier: das Mathematikum.

Zunächst einmal strebt Rühl aber an, dass sich die Stadtgesellschaft hinter das Vorhaben »Weltkulturerbe« stellt. Die Bedeutung Liebigs für die Wissenschaft und die Entwicklung der Menschheit solle über Schulen und Hochschulen verbreitet werden. Gießen solle zum »Mekka der Chemie« werden, strebt Eduard Alter an. Und selbst wenn es am Ende nicht klappt mit dem Welterbe, werde der Weg dorthin Gießen und die hiesige Wissenschaft enorm stärken.

Ein Stufenverfahren
Der Weg zum Weltkulturerbe ist lang. Erfüllt sein müssen eine Reihe von Kriterien, etwa Einzigartigkeit, Originalzustand des Bauwerks, Zeugnis der wissenschaftlichen Entwicklung, Bedeutung über die Zeit hinaus. Den Antrag muss zuerst das Landesamt für Denkmalschutz befürworten, damit er auf die deutsche Vorschlagsliste kommt Diese Tentativliste ist aber seit 2014 geschlossen und wird gerade abgearbeitet. Bevor das Liebig-Laboratorium auf UNESCO-Ebene nominiert werden könnte, würde ein umfangreiches Gutachten zur Begründung erforderlich. Der Anerkennung als Welterbe würde eine aufwendige Begutachtung vorausgehen.

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