»Das letzte Land« bietet Science-Fiction in Handarbeit

08. Juli 2016, 18:03 Uhr
Milan Pešl (l). und Torben Föllmer sind die beiden Darsteller im Film »Das letzte Land«. (Foto: Promo)

Eigentlich ist Milan Pešl kein ausgesprochener Science-Fiction-Fan. Doch am Stadttheater hat er bereits in der letzten Spielzeit mit seinem Live-Hörspiel »Solaris« nach dem Zukunftsroman von Stanislaw Lem für Furore gesorgt. Und nun ist er einer der Hauptdarsteller im Film »Das letzte Land«, der ebenfalls in ferner Zukunft im Weltraum spielt.

Die Dreharbeiten wurden schon im Sommer 2014 abgeschlossen, der Rohschnitt ist komplett, aktuell läuft noch die Postproduktion mit einem Sound-Team aus Berlin. Der von vier Freunden in Pešls Heimatort Siegen mit Hilfe von Crowdfunding produzierte Independent-Film soll auf der Suche nach einem renommierten Verleih ab Herbst auf Festivals gezeigt werden und dann in die Kinos kommen. Schließlich ist er, wenn auch mit kleinem Budget gedreht, für die große Leinwand gemacht, füllt rund 120 Minuten.

»Das letzte Land« handelt von zwei namenlosen Männern, die auf einem fernen Planeten ein verlassenes Raumschiff finden und damit fliehen wollen. »Ich will hier weg!«, ruft Torben Föllmer (im Bild rechts), der den einen Mann spielt. »Und ich will einfach irgendwo hin!«, antwortet Milan Pešl (l.) als sein Begleiter. Schon bald stellt sich die Frage: Was haben die Männer zu verbergen? Wer ist der Jäger und wer der Gejagte?

»Mich hat der Film besonders gereizt, weil es um so philosophische Themen wie die Sehnsucht nach Heimat, das Gefühl von Einsamkeit oder Orientierungslosigkeit geht«, erzählt der 42-jährige Schauspieler. 15 Zwölf-Stunden-Drehtage hat er dafür in einer Scheune in Feudingen, einem Stadtteil von Bad Laasphe, verbracht. 95 Prozent des Films spielen in dem zimmergroßen Nachbau eines Raumschiffs. Darin waren die beiden Schauspieler, der Kameramann und Regisseur Marcel Barion. »Es war eng. Dieses Gefühl von Bedrückung hat den Dreh nicht einfacher gemacht.« Aber eben darum authentisch.

Der Film ist eine faszinierende Mischung aus Roadmovie und Kammerspiel mit längeren Takes statt schneller Schnitte geworden. Unweigerlich fühlt man sich an Wolfgang Petersens »Das Boot« erinnert, auch wenn »Das letzte Land« nicht in den Tiefen des Meeres spielt, sondern in den unendlichen Weiten des Alls. Auch Ähnlichkeiten mit »Raumpatrouille Orion« gibt es – schließlich war auch die Kult-Serie Science-Fiction made in Deutschland, und zwar in Handarbeit, ohne Computer-Schnick-Schnack.

Das Filmteam, für das es das erste größere Projekt war, hat viel Wert auf einen guten haptischen Eindruck gelegt. Nichts ist computeranimiert, alles wurde eigenhändig gebaut. Ein ausrangierter Zahnarztstuhl diente als Pilotensitz, die Modelle für Außenaufnahmen hat Johannes Bade aus Styropor und Pappe gebaut. Für die Gasnebel brachte das Team Acrylfarbe in ein Aquarium mit einer Salz- und Süßwasserschicht ein. All das ist auf der Homepage der Filmemacher (www.dasletzteland.de«) zu sehen. Aber auch das »WestArt Magazin« des WDR hat schon über das Projekt berichtet.

Schon die Entstehungsgeschichte des Films ist ungewöhnlich. Statt der kalkulierten 8500 Euro kamen beim Crowdfunding über 13 000 Euro zusammen. Das ist für die Produktion eines annähernd zweistündigen Films zwar ein Low-Budget, hat aber entscheidend bei der Realisierung geholfen.

Für Pešl, der über einen Freund Kontakt zu den Filmemachern bekommen hatte, ist der Film zur »Herzensangelegenheit« geworden. Er mag es, dass er Sehgewohnheiten infrage stellt, und er auch Einfluss auf das Drehbuch nehmen konnte. »Dass ich jetzt generell zum Film wollte, könnte ich aber so nicht sagen«, sagt das Mitglied im Gießener Schauspielensemble. Ihm gefällt die Unmittelbarkeit auf der Bühne, die »Hitzigkeit« beim Spielen vor Publikum. »Hier kann man die Szene nicht wiederholen.«

Milan Pešl ist seit der Spielzeit 2009/10 festes Mitglied im Schauspielensemble des Stadttheaters. Neben seiner Bühnentätigkeit arbeitet der in Siegen aufgewachsene 42-Jährige, der in seiner Heimatstadt und Gießen lebt, immer wieder als Livemusiker am Theater und in Bands sowie als Sprecher. Unter anderem produzierte er viele Hörspiele. Doch das sei im Moment eine »absolute Nebenbaustelle«, berichtet er. Karola Schepp

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