Die »Saisongärtnerin«

02. Mai 2016, 17:10 Uhr

Ab heute wird Andrea Diroll wieder mit den Händen in der Erde wühlen. Zucchini, Petersilie und Erdnuss-Rucola wird sie in den kommenden Monaten gießen, Unkraut jäten – und wird ihren Laptop aufklappen, um über ihre Gartenarbeit zu schreiben. Die 30-jährige Gießenerin pachtet eine der 40 Quadratmeter großen Parzellen der »Saisongärten« des Nordstadtvereins an der Werrastraße, die durch einen Bio-Bauern bereits eingesät sind und die die Möglichkeit bieten, bis in den Herbst hinein mitten im Flussstraßenviertel Gemüse großzuziehen. Von Dirolls Erfolgen und Rückschlägen beim Gärtnern kann erfahren, wer sie im Grünen an der Werrastraße antrifft – oder ihren Blog liest. Im Internet nämlich schildert die »Saisongärtnerin« ihren Kampf mit Blattläusen. Mit Bildern, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, zeigt sie, wie sie Leckereien mit Zutaten aus dem Garten zubereitet. Und schreibend verleiht sie ihrem Ärger über Maiskolbendiebe Luft.

Das Projekt
Die »Saisongärtnerin« Andrea Diroll schreibt unter der Adresse www.saisongaertnerin.blogspot.de. Das »Saisongärten«-Projekt des Nordstadtvereins gibt Gießenern für 120 Euro pro Saison die Möglichkeit, eine Parzelle von 40 Quadratmetern zu bewirtschaften. Die 17 Parzellen sind durch einen Bio-Bauern bereits vorbereitet und eingesät. Weitere Infos zu dem Projekt beim Nordstadtverein telefonisch unter 0641 / 96997880 oder per E-Mail unter info@nordstadtverein-giessen.org.


Noch beherrscht die Farbe Braun die »Saisongärten«. Nur an einigen Stellen lugt das Grün von Selleriepflanzen aus der Erde der insgesamt 17 Parzellen hervor. Kleine Schilder am Rand weisen darauf hin, was in den kommenden Wochen und Monaten hier zum Vorschein kommen soll: Bohnen und Wirsing zum Beispiel, Brokkoli und Kürbis. »Es ist schon Arbeit«, hält Andrea Diroll fest. Vor allem im heißen Sommer im vergangenen Jahr sei das Gärtnern herausfordernd gewesen. Insbesondere der Salat habe unter der brütenden Hitze gelitten. Das Gießen der Pflanzen habe sie glücklicherweise mit ihrem »Herzensmann« teilen können – ihrem »Gießjungen«, wie sie in ihrem Blog augenzwinkernd schreibt. Ungewohnt war für Diroll, die vorher nie einen Garten gepflegt hat, auch: »Den Salat muss man ja vor dem Essen fünf bis sechs Mal waschen, bis keine Fliegen oder anderes Getier mehr daran hängt.« Doch die Möglichkeit, Gemüse selbst anzupflanzen und so den eigenen Speiseplan zu bereichern, sei großartig. Außerdem halte das Gärtnern fit, lächelt die 30-Jährige, die an der Uni Marburg arbeitet. »Und ich werde dabei braun. Der Garten hier ist Solarium und Fitnessstudio in einem.« Gleichzeitig schätze sie das das Miteinander. »Man trifft immer Leute hier im Garten, kommt ins Gespräch.« Zum Ende der Saison gebe es ein Abschlussfest. »Da verarbeiten wir dann das Gemüse, das übriggeblieben ist.«

Zum dritten Mal in Folge pachtet sie einen der »Saisongärten«. Zwei Kilometer von den Gärten entfernt wohne sie. Einmal in der Woche mache sie sich mit dem Fahrrad auf den Weg in die Werrastraße. Jetzt, zum Start der neuen Saison, freue sie sich wieder »auf die ersten Radieschen auf dem Frühstücksbrot.« Zwar sind die Parzellen zum Teil bereits eingesät. Doch gibt es genug Lücken für eigene Pflanzungen. »Zu Hause kochen wir rein vegan«, erklärt Diroll. »Ich war schon immer alternativ angehaucht.« Die »Saisongärten« nutzt sie auch als Experimentierfeld: Erdnuss-Rucola und Erdbeer-Spinat wolle sie in diesem Jahr anbauen.

Wie diese Versuche ausgehen, werden die Leser ihres Blogs erfahren. Darin hält Diroll nicht nur fest, ob die Pflanzen gedeihen. Sondern auch, was sie daraus macht. Rezepte für ein Brennessel-Kräuter-Risotto und für einen Mangoldkuchen lassen sich zum Beispiel auf ihrer Seite finden. Darüber hinaus kommt es auf ihrem Blog immer wieder zu Dialogen. Bisweilen zeigt die 30-Jährige einfach Bilder aus ihrem Garten und fragt: »Was ist jetzt aufgehendes Saatgut und was Unkraut?« Und kurz darauf geben kundige Leser Antworten.

Nur einmal musste sich Diroll in ihrer Zeit als »Saisongärtnerin« mächtig ärgern – und schrieb sich in ihrem Blog den Frust von der Seele. So musste sie einmal »feststellen, dass in der Nacht irgendjemand auf unserem Feld alle Maiskolben geklaut hatte. Ich hatte mich so sehr auf den Mais gefreut und bereits einige Rezepte gesucht.« Den Fußspuren zufolge seien es Erwachsene und keine Kinder gewesen. »Mit einem Messer bewaffnet« sei sie daraufhin zum Garten gefahren und habe »alles geerntet, was möglich war.«

Ihren »Herzensmann«, schreibt Diroll in ihrem Blog, habe sie kürzlich gefragt, wie er es denn finde, dass sie so gesund koche und er ständig neue Kreationen ausprobieren müsse. »Er meinte, dass sei schon okay. Aber manchmal freue er sich auch, wenn es mal was Normales zu essen gebe. Ich glaube, es ist bald mal wieder Zeit für Nudeln mit Tomatensoße.«

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