Agentur »Yool« macht nur Werbung für die »Guten«

26. Februar 2016, 18:53 Uhr
Hassaan Hakim ist mit seiner Werbeagentur »Yool« erfolgreich, obwohl (oder weil) er nur Kunden betreut, die ökologisch und sozial verantwortlich handeln. Im Hintergrund sein Unternehmensberater Wolfgang Leschhorn. (Foto: Schepp)

Die Liste der Unternehmen, für die Hakim vom Gießener Europaviertel aus Werbung macht, liest sich wie das »Who is who« der alternativ-ökologischen Szene: Für den Weltladen-Dachverband dreht der 43-jährige Idealist und Kommunikationsexperte Imagefilme; für die weltgrößte Bio-Messe »Biofach« und die weltgrößte Naturkosmetikmesse »Vivaness« entwickelt er Aussteller- und Besucherkampagnen; die christliche Initiative »Romero« unterstützt er mit dem Film »Stop Mad Mining« für ethischen Bergbau. Auch die Gepa (faires Handelshaus) oder die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft zählen zu seinen Kunden. Zudem wirbt der Gießener gegen Kinderarbeit und Land-Raubbau.

»Ich habe mich mit Yool als eine der ersten Agenturen Deutschlands auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisiert«, erklärt Hakim, Das zahlt sich aus: Um Kunden werben musste er nach eigener Aussage nie. Seine Klienten – darunter viele Non-Profit-Organisationen – kommen selbst auf ihn zu, meist durch Empfehlungen. Für die 2007 in Gießen gegründete Agentur »Yool« arbeiten inzwischen 48 freie Mitarbeiter in Deutschland – darunter auch Umweltingenieure, Drehbuchschreiber, Sound-Designer, Kameraleute, Grafiker oder Schauspieler. »Ich biete Full-Service an, von der Filmproduktion bis zum Suchmaschinenmarketing«, sagt Hakim. Auf Filme ist er besonders spezialisiert. Sie sind für ihn das Medium, mit denen er die größte Zahl an Menschen erreichen kann. Er selbst steuert Strategien, Konzepte, Texte oder Regiearbeiten zu seinen Kampagnen bei.

»Für mich ist entscheidend, dass die Produkte oder Organisationen, für die wir werben, lebensförderlich sind und niemandem schaden«, erläutert er die Philosophie. Dieser Idealismus gründet sich auf ein Schlüsselerlebnis: Mit Anfang 20 arbeitete Hakim als Texter in einer »normalen« Werbeagentur in seiner Geburtststadt Stuttgart und betreute dort unter anderem einen Kunden aus der Chemieindustrie. Für diesen Kunden sollte er einen künstlichen Minzstoff im Rahmen einer weltweiten »Business to Business«-Kampagne bewerben. Als Hakim genauere Infos über diesen Stoff einholen wollte, merkte er, dass seitens des Kunden gemauert und nicht offen kommuniziert wurde. »Werbung kann ein lächelndes Aas sein«, weiß Hakim. Weil er nicht länger ein faules Spiel mitspielen wollte, kündigte er.

»Ich bin ein spiritueller Mensch und glaube, dass meine Handlungen irgendwann auf mich zurückwirken«, fühlt er sich nicht nur privat, sondern auch als Werbemann und Multiplikator verantwortlich für sein Tun. So studierte Hakim – der sich privat bei Yoga und Meditation entspannt – zunächst in Hildesheim Kulturwissenschaft und ästhetische Kommunikation und arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent. Eher aus Spaß nahm er nebenbei an einer Ausschreibung des Weltladen-Dachverbands teil, der einen kreativen Kopf für eine Kampagne suchte. Hakim bekam den Auftrag – und war plötzlich wieder mittendrin im Werbe-Geschäft. Seine gute Arbeit sprach sich in der fairen Handelsszene und bei Non-Profit-Organisationen schnell herum. Als ihn familiäre Gründe 2007 nach Gießen führten, gründete er im Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG) die Agentur »Yool«.

»Mein Ziel war nicht, groß zu werden, sondern für die richtigen Auftraggeber zu arbeiten«, sagt er. Das hat er geschafft, groß ist er trotzdem geworden, auch wenn er ausschließlich auf etwa 50 freie Mitarbeiter setzt. Ein wichtiger Mentor für ihn ist Wolfgang Leschhorn vom Verein »Wirtschaftspaten«, der Hakim im kaufmännischen Bereich unterstützt, sodass sich der Agenturinhaber voll auf die kreative Arbeit konzentrieren kann. Gießen ist für ihn »ein idealer und chancenreicher Standort«, weil es mitten in Deutschland liegt. Für die Stadt hat Hakim übrigens auch schon gearbeitet: Das Flüchtlings-Integrationskonzept des Magistrats bereicherte er mit einem Logo und dem Slogan »Lebeneinander. Mit Menschen. Mit Flüchtlingen. Mit Toleranz« (www.giessen.de/Soziales). Für die städtische Wirtschaftsförderung entwarf er einen bunten Folder mit dem Titel »Gießen – Kreativsphärengebiet«, der auf die Vorzüge des Standortes Gießen aufmerksam macht. Auch das Gleichstellungsbüro der Stadt hat »Yool« schon beauftragt.

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