Krachledern zum »Harfe Maria«

(mm). Mit Alphorn, Sissi-Seligkeit und wilden Walzertakten: Das Neujahrskonzert im Stadttheater perlt nur so vor lachendem Vergnügen. Moderator Christoph Well drückt dem prickelnden Ereignis seinen bajuwarischen Stempel auf.
04. Januar 2016, 15:33 Uhr
Ein Höhepunkt des Neujahrskonzerts: das »Ave Maria« von Karl May, an der Harfe Christoph Well. (Foto: Daniel Regel)

Jubel, donnernder Applaus und zwei Zugaben: Das rauschende Neujahrskonzert im Stadttheater stand am Freitagabend im Zeichen der Prickelwasserlaune. Die süffige Sissi-Seligkeit des Orchesters paarte sich im bis auf den letzten Hörplatz voll besetzten Großen Haus mit dem bajuwarischen Charme des Christoph Well. Der Gaststar, einst musikalischer Kopf der Musik- und Kabarettgruppe Biermösl Blosn, gab in der Krachledernen den verschmitzten Moderator. Sich selbst auf der Quetschkommode mit einem bayerischen Ländler begleitend, stellte Well die Musikstücke vor, indem er Gießen und den Rest der Welt in Reimen aufs Korn nahm. Darüber hinaus griff das Multitalent zur Trompete (im dritten Satz von Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert), zum Alphorn sowie zur Harfe und kredenzte vor Standing Ovations am Ende einen atemlosen Schuhplattler zum pfeilschnellen »Cancan« aus Jacques Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt«. Das Philharmonische Orchester Gießen unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Michael Hofstetter musizierte furios.

Schon der Beginn des Konzerts ließ aufhorchen: Well und die Orchestermusiker Berthold Cremer und Alexander Schmidt-Ries läuteten auf drei Alphörnern den munteren Abend ein, der sich mit Walzertakten und Opern-Evergreens so leicht und gut gelaunt anfühlte wie selten ein Neujahrskonzert zuvor.

Der neue Stern am Stadttheater-Himmel, Mezzosopranistin Marie Seidler, in dieser Spielzeit bereits in zwei Opern auf der Bühne, war in gleich fünf Stücken als Solistin zu hören. Die junge Sängerin, mit einem gerüttelt Maß an schauspielerischem Talent gesegnet, überzeugte mit dem »Schwips-Lied«, der Annen-Polka aus der Feder von Johann Strauß. In Georges Bizets »Carmen« schlüpfte sie in den Arien »Seguidilla« und »Habanera« in die Rolle der Titelfigur, die sie
feinfühlig als bezaubernde Farbtupfer
französischer Romantikkunst interpretierte.
Gioacchino Rossinis »Cruda sorte« aus der Oper »L’italiana in Algeri« meisterte sie ebenso mit Bravour wie die Offenbach-Arie »Invocation à Vénus« aus der Oper »Die schöne Helena«.

Im Zeichen der Romantik standen auch die übrigen Werke: Die »Fledermaus«-Ouvertüre von Johann Strauß, vom Orchester schmissig dargeboten; dito die Strauß-Polka »Unter Donner und Blitz«, bei der Bratscher Tiberiu Idvorean den umherspringenden Spaßvogel gab. Nicht zu vergessen die Schnellpolka »Bahn frei«, diesmal von Eduard Strauß, Johanns jüngerem Bruder.

Der »Kaiserwalzer« (erneut Johann Strauß) leitete nach der Pause den zweiten Teil ein. Der Konzertwalzer setzt sich aus gleich vier Walzern und einer Coda zusammen und wurde von Hofstetter sensitiv gereicht. Lustiger verdingte sich der Komponist »Im Krapfenwaldl«, einer Polka mit Kuckuckrufen und Wiener Schmäh. Franz Lehárs »An der grauen Donau« – sie war bei ihm tatsächlich grau, nicht blau – rundete den Reigen im Dreivierteltakt ab.

Ein Höhepunkt: Karl Mays »Ave Maria« für Männerchor, von Well auf der Harfe begleitet. Solchermaßen zum »Harfe Maria« umgewidmet, sangen sich die Musikexperten des Hauses, Martin Gärtner, Jan Hoffmann, Matthias Kauffmann, Josef Lhotak, Chistian Richter, Martin Spahr, Wolfgang Wels und Michael Hofstetter, in die Herzen des begeisterten Publikums.

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