Stadt Gießen

Rödgen: Volle Busse und Unsicherheit

25. März 2015, 22:13 Uhr
Rund 250 Rödgener kamen ins Bürgerhaus, um sich über die Flüchtlingsunterbringung zu informieren und ihre Probleme zu schildern. Zu den Vortragenden gehörte auch Regierungspräsident Dr. Lars Witteck. (Foto: Schepp)

Rund 250 Rödgener waren der Einladung von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz ins Bürgerhaus gefolgt. Als wichtige Botschaft nahmen sie die Aussage von Regierungspräsident Dr. Lars Witteck mit nach Hause, wonach die Gießener Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen im Laufe des Jahres deutlich entlastet werden soll; dies unabhängig von der generellen Entwicklung der Asylbewerberzahlen.

Witteck geht davon aus, dass bis zum Herbst drei neue Erstaufnahmeeinrichtungen mit zusammen 2400 Plätzen in Betrieb gehen werden. Neben Neustadt und Büdingen mit jeweils 800 Plätzen verhandele das RP gegenwärtig über eine dritte Einrichtung in Nordhessen mit ebenfalls 800 Plätzen. Dies wird – so die Erwartung des RP – Gießen auch dann entlasten, wenn die Asylbewerberzahlen die bundesweit für 2015 prognostizierten 250 000 deutlich übersteigen würden. »Es ist doch vollkommen klar, dass wir die Herausforderung nicht nur in Gießen bewältigen können«, sagte Witteck. Eine weitere Entlastung verspricht sich der RP von der zügigen Rückführung von nicht asylberechtigten Kosovaren und Albanern, die die Flüchtlingszahlen zu Beginn des Jahres hatten hochschnellen lassen; in der Gießener HEAE bis auf rund 4600 Bewohner. Mittlerweile gingen die Zahlen etwas zurück.

Nach den einstimmenden Worten der OB sowie den Ausführungen von Witteck und HEAE-Leiterin Elke Weppler kamen die Rödgener bei der vom evangelischen Gießener Dekan Frank-Tilo Becher moderierten Veranstaltung zur Sache. Etliche Bürger schilderten Vorfälle auf der Linie 1, immer wieder war von Belästigungen von Schülerinnen und jungen Frauen durch männliche Asylbewerber die Rede. »Die jungen Männer sind das Problem. Die Kinder müssen besser geschützt werden. Es ist kurz davor, das etwas Schlimmes passiert«, sagte ein Vater.

Wird Expressbus nicht genutzt?

Mehrere Anwesende beklagten, dass der neu eingeführte Expressbus von den Flüchtlingen kaum genutzt werde und die Linie 1 weiterhin zu bestimmten Zeiten völlig überfüllt sei. Ein früherer Betriebsbeginn um die Mittagszeit sowie ein Haltepunkt innerhalb des Depotgeländes wurden angeregt. Stadtwerke-Dezernentin Astrid Eibelshäuser und Anne Müller-Kreutz von der Nahverkehrsabteilung der SWG baten um etwas Geduld, denn der Versuch mit dem Expressbus laufe erst wenige Tage. Sollte er die erwünschte Entlastung nicht bringen, müsse über andere Wege nachgedacht werden, hieß es. Noch mehr Kontrollpersonal könnten die SWG nicht aufbieten. »Wir können nicht jede Fahrt begleiten«, sagte Müller-Kreutz.

Für Unsicherheit im Dorf sorgt offenbar auch die pure Präsenz von Gruppen junger männlicher Asylbewerber, die im Ort zu Fuß unterwegs seien und mit ihren Smartphones gelegentlich auch die Häuser fotografierten. »Ich fühle mich mittlerweile unsicher in Rödgen«, sagte eine Frau.

Verständnis für diese Gefühle zeigte Polizeipräsident Manfred Schweizer, aber mehr Straftaten verzeichne die Polizei in Rödgen nicht. Diesbezüglich sei der Gießener Stadtteil eher »ein weißer Fleck« auf der Landkarte der Kriminalität. Die Polizei habe die Streifentätigkeit an Punkten, wo sich viele Asylbewerber aufhalten, durch Bereitschaftspolizei verstärkt, aber »Fußstreifen«, wie sie ein Bürger forderte, könne sich die Polizei personell nicht leisten. »Die Kräftelage ist endlich«, sagte Schweizer.

Zum Thema Feuerwehren und Fehlalarme teilten die Verantwortlichen mit, was in der GAZ bereits gestern zu lesen war: Eine dreiminütige Verzögerung der Brandmeldeanlagen in den Unterkünften im Depot und am Meisenbornweg soll dem Sicherheitsdienst die Möglichkeit geben zu überprüfen, ob es sich um einen Fehlalarm oder einen Ernstfall handelt. Damit, so Witteck, könne die Zahl der Fehleinsätze um bis zu 80 Prozent reduziert werden.

Nach gut zwei Stunden war das sachliche und zu keinem Zeitpunkt aufgeheizte »Bürgergespräch« beendet. OB Grabe-Bolz versprach, den Dialog mit den Rödgenern fortzusetzen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Astrid Eibelshäuser
  • Asylbewerberzahlen
  • Dietlind Grabe-Bolz
  • Evangelische Kirche
  • Flüchtlingsheime
  • Polizei
  • Regierungspräsidium Gießen
  • Rödgen
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.