Uniklinikum: Mehrere leitende Mitarbeiter vor dem Aus?

Gießen (si). Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg kommt nicht zur Ruhe. Während viele altgediente Beschäftigte nach wie vor verunsichert sind, ob sie in den Landesdienst zurückkehren sollen – dieses Recht hat ihnen das Bundesverfassungsgericht 2011 eingeräumt –, rumort es jetzt auch an der Spitze; wieder einmal.
23. Februar 2012, 22:58 Uhr
Seit Anfang 2006 gehört das Uniklinikum zu 95 Prozent der Rhön AG. (Foto: Schepp)

Offenbar müssen gleich mehrere leitende Mitarbeiter um ihre Stelle fürchten bzw. überlegen selbst, das Haus zu verlassen. Einer von ihnen ist der Kaufmännische Geschäftsführer am Standort Gießen, Dr. Christian Höftberger. Dass er ausscheide, stehe fest, bestätigten mehrere zuverlässige Quellen unabhängig voneinander. Von der Geschäftsführung gab es dazu keine Stellungnahme. Höftberger sei »im Urlaub«, hieß es. Ob er noch einmal zurückkehren wird, blieb offen.

Treibende Kraft in dem Konflikt ist offenbar der »Rhön«-Konzern, dem das Anfang 2006 privatisierte Universitätsklinikum zu 95 Prozent gehört. In der Kritik steht insbesondere Wolfgang Pföhler, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Uniklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM). Er persönlich soll auch maßgeblich für eine Personalentscheidung verantwortlich sein, die bei vielen Klinikumsbediensteten für Irritationen gesorgt hat. Es geht um Dr. Gunther Weiß, der direkt von »Rhön« kommt und im Uniklinikum als Bereichsleiter eingesetzt worden ist – mit welchen Aufgaben, ist unklar. Die Geschäftsführung wollte sich auch dazu nicht äußern. Sicher ist: Dem früheren Geschäftsführer des baden-württembergischen Klinikverbundes Südwest eilt der Ruf als knallharter Sanierer voraus. Dort soll er seit seinem Einstieg 2006 in großem Umfang Personal entlassen haben, bevor sich die Einrichtung im vergangenen September überraschend von ihm trennte. Laut Stuttgarter Zeitung fiel er auch mit seinem Kommunikationsstil auf: So soll er Abteilungsschließungen und Kündigungen per E-Mail bekanntgegeben haben.

Ähnliches befürchten jetzt Mitarbeiter des Uniklinikums Gießen und Marburg für sich selbst und ihr Haus. Pföhler sei mit den von der UKGM-Geschäftsführung vorgelegten Geschäftszahlen unzufrieden, heißt es. Er wolle höhere Erlöse und stärkere Kostensenkungen und halte das auch für machbar. Dafür scheine ihm Weiß der richtige Mann zu sein. Die Rhön AG hat in der letzten Woche die vorläufigen Zahlen für 2011 vorgelegt, zum Ergebnis des Uniklinikums Gießen und Marburg bislang jedoch keine Angaben gemacht. Diese Daten würden erst Ende April bei der Bilanzpressekonferenz präsentiert, hieß es auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Der bisherige Kaufmännische Geschäftsführer Höftberger (37) ist ein »Eigengewächs« des UKGM und seit den Anfangstagen dabei. Der gebürtige Österreicher war zunächst Büroleiter des vormaligen Geschäftsführungsvorsitzenden Gerald Meder. 2009 übernahm er sein jetziges Amt am Standort Gießen.

Erst im vergangenen Frühjahr war der Geschäftsführungsvorsitzende Joseph Rohrer ausgeschieden. Dessen Nachfolgerin Dr. Irmgard Stippler ist noch nicht einmal ein Jahr im Amt. Sie und Höftberger hatten vor knapp vier Wochen beim Neujahrsempfang des Klinikums gesprochen. Selbst zwischen den Zeilen war da nichts von den Querelen mit »Rhön« zu hören. Mit Dr. Peter Mein, Leiter der Zentralen Dienste, hat im letzten Jahr eine weitere Führungskraft das Haus verlassen müssen. Mein gehörte der vierköpfigen Geschäftsführung des Klinikums an.

Alarmiert von der Entwicklung ist auch der Betriebsrat des Uniklinikums. Er hat gestern für Dienstag, den 13. März in Gießen zu einer Betriebsversammlung geladen. Die Themen: »Zukunft des Klinikums. Gibt es einen großen Stellenabbau? Was will die Konzernzentrale?«.

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