Medizinerkabarett elephant toilet präsentiert sich

Ist Medizin witzig? Diese, angesichts unheilbarer Krankheiten, Schmerzen und drohendem Tod berechtige Frage brachte ein Schar von rund 20 kreativen Human- und Zahnmedizinstudenten in der Uni-Aula auf die Bühne.
23. Januar 2011, 18:08 Uhr
Medizinischer Härtetest bei elephant toilet. (Foto: dw)

In der Übergangsphase vom medizinischen Laien zum professionellen Mitglied des Gesundheitssystems sei der Medizinstudent zur Klärung dieser Frage geradezu prädestiniert, erfuhren die zahlreich vertretenen Kommilitonen und Mediziner aus dem Programmheft. Und in der Tat entbehrt ihr Alltag von Anfang an, wie etwa die Entscheidungen der allmächtigen ZVS, nicht der Komik. Den Studierenden erscheint sie ähnlich undurchsichtig wie die Ausbildung zum Zauberlehrling à la Harry Potter. Wer nach einer Rettungssanitäterausbildung zehn Wartesemester aufweisen kann, landet dann, gleich neben dem Elefantenklo, in Gießen an der JLU. Was den angehenden Wunderdoktor, ob demonstrierfreudige Veganerin oder schwuler Ossi, dort so erwartet, wurde genüsslich, mit unterschiedlichem schauspielerischem Talent, aber jeder Menge Leidenschaft und Komik in Szene gesetzt.

Anders als beim komischen Medizinervorbild Dr. Eckart von Hirschhausen, der per Videoeinspielung den Abend einleitete, geht es im Gießener Medizinerkabarett vor allem um den Studienalltag. Und der ist hart: Nicht nur, dass das Mensaessen vermuten lasse, es werde nicht im Otto-Eger- sonder im Otto-Erreger-Heim gekocht, erscheint den Studierenden dessen Übernahme durch Ryan Air gar nicht so abwegig. Einsparmöglichkeiten wie die Einführung einer »basic mass«, einer Basismasse also, die mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen angereichert werden kann, oder die Abschaffung des Essens im Sitzen, reizen die Lachmuskeln des Publikums. Dem angehenden Mediziner hingegen böte ein medizinischer Notfall infolge falscher Ernährung einen willkommenen Praxistest, läge hier die Tücke nicht im Detail: auch ein Defibrillator will richtig bedient werden und muss mit Marketingstrategien die Kosten wieder einspielen. Und das medizinische Handbuch ist ein Buch mit sieben Siegeln. Von der Theorie in die harte Praxis geworfen wird der erste Nachtdienst zum Horrortrip, der für den nicht sahnenden Patienten schon mal in der Pathologie enden kann - diese Diagnose immerhin ist eindeutig zu stellen. Da reiben sich Privatpatienten die Hände, den kassenärztlich Versicherten könnte das Lachen im Halse stecken bleiben. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Dazu bot das Medizinerkabarett mit dem vielsagenden Titel elephant toilet vor allem Insidern und Wegbegleitern reichlich Anlass. So hart der Alltag sein mag, so locker kommt er bei den Studierenden auf die Bühne. Und auch musikalisch können sie sich hören lassen. Der Schrankenblues könnte sich zur Hymne entwickeln - nicht nur für Gießener Medizinstudenten. dw

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