Bahn

Lässt Intercity Gießen links liegen?

Vor zwei Jahren hat die Bahn den Intercity Karlsruhe-Münster groß vorgestellt. Selbst wenn die Verbindung zustande kommt: An Gießen wird der Zug wohl vorbeifahren.
29. Oktober 2017, 09:00 Uhr
Der doppelstöckige Intercity 2 ist vorgesehen für den Einsatz auf der Strecke Münster-Karlsruhe ab Ende 2019. Ob er in Gießen halten wird, ist derzeit unklar. (Foto: dpa)

Endlich soll wieder ein Fernverkehrszug durch Mittelhessen in Richtung Ruhrgebiet verkehren: Das hat die Bahn vor zwei Jahren angekündigt. Doch der geplante Intercity Münster-Frankfurt-Karlsruhe wird Gießen möglicherweise links liegen lassen. Um hier nicht drehen zu müssen, soll er am Bergwerkswald direkt in Richtung Frankfurt abbiegen. Die Deutsche Bahn will dazu offiziell noch nichts sagen.
Pro Bahn appelliert an Politiker

Im Fahrgastbeirat im Lahn-Dill-Kreis wie auch im Magistrat in Haiger wird offen darüber gesprochen: Der Zug werde Gießen umgehen, um Zeit zu sparen. Zwischen Wetzlar und Friedberg sei kein Halt geplant. Etliche Leser mit Insiderwissen versichern der GAZ: Das sei von Anfang an so vorgesehen gewesen, auch wenn die Bahn das nicht deutlich sagt.
Der Fahrgastverband Pro Bahn hat heimische Bundestagsabgeordnete angeschrieben mit dem Appell, diese Streckenführung zu verhindern. Ein solch wichtiger Zug im Zwei-Stunden-Takt dürfe nicht an der Metropole Mittelhessens vorbeifahren.

Es geht um Fahrpreise und Haltepunkte

Die Bahn-Pressestelle hält sich auf GAZ-Anfrage bedeckt: »Da die Verhandlungen mit den Aufgabenträgern für den Nahverkehr in Hessen und den betroffenen Landkreisen für ein attraktives Gesamtangebot aus Nah- und Fernverkehrszügen noch nicht abgeschlossen sind, können noch keine konkreten Aussagen zu Laufweg und Fahrplan getroffen werden.
Die vor zwei Jahren angekündigte Linie wird nun als einer von mehreren »Vorschlägen« zur Erweiterung des »IC-Flächennetzes« bezeichnet. Dass der Starttermin Dezember 2019 eingehalten wird, kann die Bahn derzeit nicht zusichern.

Offenbar wird hinter den Kulissen gerungen um den IC, und in Westfalen wird er auch öffentlich viel diskutiert. Dabei geht es vor allem um Fahrpreise und Haltepunkte, denn die künftige Fernverkehrsverbindung soll Regionalzüge ersetzen. Daher wünschen sich viele, dass der Intercity möglichst auch für Pendler nutzbar sein soll.

Aber auch das Umfahren Gießens ist immer wieder Thema. Bei einem Treffen von SPD-Politikern und Gewerkschaftern in Siegen wurde einhellig geurteilt, das Wenden in Gießen würde zu viel Zeit kosten. Dies sei keine einheitliche Forderung aus der Region, unterstreicht dagegen auf GAZ-Anfrage Uli Beele, Sprecher des Nahverkehrs Westfalen-Lippe (NWL): »Gießen ist ja ein wichtiger Knotenpunkt zum Umsteigen.« Der mittelhessische Lokalpatriot möchte ergänzen: Der eine oder andere will in einer 80 000-Einwohner-Stadt mit zwei großen Hochschulen vielleicht auch aus- oder einsteigen.

 

Pendlerzug umfährt Gießen schon

 

Schon seit Jahren fährt frühmorgens ein Nahverkehrszug täglich an Gießen vorbei, um Pendler aus Siegen, dem Dilltal und Wetzlar möglichst schnell ins Rhein-Main-Gebiet zu bringen. Das sei kein Problem, weil es genügend Alternativen gebe, meint der Pro-Bahn-Regionalverband Mittelhessen. Ein mehrmals täglich verkehrender Intercity allerdings dürfe Gießen nicht links oder rechts liegen lassen. Der Verband sieht den Zug insgesamt kritisch: Er würde Regionalzüge auf der überlasteten Main-Weser-Bahn »ausbremsen«.

Infokasten

Von Mittelhessen ins Ruhrgebiet

Im Sommer 2001 wurde der Ruhr-Sieg-Interregio gestrichen. Seitdem hat Gießen nur noch eine Fernverkehrsanbindung an das Schienennetz, nämlich den Intercity Karlsruhe-Stralsund auf der Main-Weser-Bahn, der nun für eine Aufwertung zum ICE im Gespräch ist. Dass viele Fahrgäste die Verbindungen nach Nordrhein-Westfalen vermissen, zeigt sich seit der Liberalisierung des Fernbusmarkts Anfang 2012. Etliche Anbieter haben Linien durch Mittelhessen ins Ruhrgebiet eingerichtet und dies mit den mangelhaften Zugangebot erklärt.

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