Volkstrauertag

»Krieg war nicht, er ist«

Gedenkstunden auf Gießens Friedhöfen erinnern an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Eine Veranstaltungen steht noch aus.
20. November 2017, 06:00 Uhr
Im Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft legen Dietlind Grabe-Bolz und Egon Fritz am Ehrenmal einen Kranz nieder. (Foto: csk)

Wenn sichtbare Zeichen verblassen, muss die Erinnerung umso stärker wach gehalten werden. »Krieg war nicht, er ist«, betonte Dietlind Grabe-Bolz deshalb am Sonntag bei der Gedenkstunde des Magistrats zum Volkstrauertag auf dem Neuen Friedhof. Die Oberbürgermeisterin plädierte dafür, »die nie endende Aufgabe, an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu erinnern«, aktiv anzunehmen und daraus auch die nötigen Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen. Schließlich gehörten gewaltsame Konflikte mit all ihren Folgen nach wie vor für viele Menschen weltweit zum Alltag.

Gerade in einer derart von Leid, Hunger und Zerstörung geprägten Welt sei das Wissen um die Schrecken etwa der beiden Weltkriege unerlässlich, sagte Grabe-Bolz. Mit Blick auf erstarkende nationalistische Umtriebe machte sie klar, dass es für gemeinsame Trauer weder der Verwandtschaft noch einer bestimmten Nationalität bedürfe. Stattdessen verlaufe die Trennlinie zwischen denen, »die für Frieden, Demokratie und Gewaltlosigkeit eintreten«, und jenen, die diesen Grundkonsens in Frage stellten.

Wie Grabe-Bolz erklärte, sei eine erinnerungspolitische Weichenstellung in der Stadt unlängst vorgenommen worden: Die ingesamt vier Ehrenfriedhöfe für die Toten der Weltkriege sollen bald neu angelegt werden, weil der Zahn der Zeit sichtbar an ihnen genagt hat. Im ersten Schritt hat die Arbeitsgruppe »Friedhof und Gedenken« schon Informationstafeln errichtet, die die Gräberfelder in den historischen Kontext einordnen.

Der evangelische Dekan Frank-Tilo Becher sprach die Fürbitten und nahm die Totenehrung vor. Ins Zentrum rückte er den Begriff der »Versöhnungsarbeit«. Die Zuhörer forderte er auf, »zu überlegen, wie viele Notwendigkeiten der Versöhnung unser Leben durchziehen«. Gott könne dabei als Kompass dienen, aber auch in der weltlichen Sphäre fänden sich reichlich Vorbilder. Explizit nannte Becher die Einweihung der französisch-deutschen Gedenkstätte am Hartmannsweilerkopf – einem symbolträchtigen Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs – durch Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier vor gut einer Woche.

Dann legte Grabe-Bolz mit Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz einen Kranz am Ehrenmal auf dem Deutschen Soldatenfriedhof nieder. Es folgte das Bezirksverbindungskommando der Bundeswehr mit einem Kranz. Und auch an alle, die als Soldaten anderer Staaten oder als Zivilisten Opfer von Gewalt und Krieg wurden, erinnerte Gießen gestern: Grabe-Bolz und Fritz legten weitere Kränze am Friedhof für ausländische Soldaten, dem Friedhof für die Bombenopfer sowie jenem für Fremdarbeiter nieder, zudem am Mahnmal für die deportierten und ermordeten Juden der Stadt. Auf dem Rathausvorplatz gedachten sie abschließend aller Opfer des Naziregimes. Musikalisch begleitete der Gießener Bläserkreis unter der Leitung von Alfred Joswig die Gedenkstunde.

In den meisten Stadtteilen fanden ebenfalls Veranstaltungen zum Volkstrauertag statt. In Rödgen hielt Stadtrat Peter Neidel eine Rede, ehe er mit Ortsvorsteherin Elke Victor einen Kranz auf dem Friedhof niederlegte. In Allendorf sprach Stadträtin Astrid Eibelshäuser Worte des Gedenkens. Die Kranzniederlegung nahm sie mit Ortsvorsteher Thomas Euler vor. In Lützellinden hielt Stadtrat Rolf Krieger eine Rede auf dem Friedhof, wo er mit dem stellvertretenden Ortsvorsteher Markus Sames einen Kranz niederlegte. In Wieseck erinnerte Stadträtin Monika Graulich am Ehrenmal auf dem Friedhof an die Kriegs- und Gewaltopfer. Dann legte sie mit Ortsvorsteher Wolfgang Bellof einen Kranz nieder.

In Kleinlinden wird der Toten beider Weltkriege sowie der Opfer am kommenden Sonntag im Anschluss an den um 9.30 Uhr beginnenden Gottesdienst gedacht.

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