Wirtschaftsförderung

Gießen wirbt mit Frankfurt

Stadt und Landkreis Gießen wollen offiziell der Metropolregion Rhein-Main beitreten. Der Beitritt ist auch die Folge eines Austritts.
13. September 2017, 06:00 Uhr
Gießen: Demnächst offiziell Teil der »Metropolregion« Rhein-Main. (Foto: Schepp)

Eric Menges kennt das Motiv bestimmt zur Genüge: Die Frankfurter Skyline vor der untergehenden Sonne. Am Montagabend sah der Geschäftsführer der FrankfurtRheinMain GmbH auch die Sonne untergehen, in diesem Fall hinter dem Stadttheater. Im Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung am Berliner Platz warb der Verkäufer der Marke Frankfurt um Gießen. Die Gesellschafter, darunter alle größeren Städte des Rhein-Main-Gebiets, die südhessischen Landkreise sowie das Land Hessen und die Industrie- und Handelskammern, »stehen einem Beitritt der Region Gießen positiv gegenüber«, sagte Menges vor den Mitgliedern des parlamentarischen Haupt- und Finanzausschusses.

Nicht nur warten auf den "Überschwapp-Effekt"

Die Weichen zu einem Beitritt von Stadt und Landkreis seien gestellt, erklärt OB Dietlind Grabe-Bolz im Gespräch mit der GAZ. »Wir müssen nur noch zustimmen.« Der Kreistag soll das entsprechende Votum in seiner nächsten Sitzung abgeben, das Stadtparlament im November nachziehen. Es geht jeweils um eine einprozentige Beteiligung in Höhe von 40 000 Euro. »Damit wären wir auch im Aufsichtsrat vertreten. Wir wollen nicht einfach nur auf den Überschwapp-Effekt warten, sondern ihn aktiv gestalten«, erklärt die SPD-Rathauschefin.

Laut Menges müsste Gießen aufgrund seiner Randlage nicht fürchten, in der GmbH hinten runterzufallen. Man werbe international zwar vor allem mit dem Namen Frankfurt, aber die Firmen weltweit verstünden darunter eine größere Region. »Maximal 45 Minuten zum Flughafen« laute eine zentrale Anforderung an den Standort. Menges: »Die Hälfte aller internationalen Unternehmen geht in die Region.«

Vorteile für die Gesellschafter seien unter anderem:

  • Ein professioneller und internationaler Werbeauftritt, den sich viele der Städte und Kreise allein nicht leisten können.
  • Sie profitieren von der Erfahrung der FrankfurtRheinMain GmbH mit internationalen Investoren und Unternehmen.
  • Die Gesellschaft unterstützt die lokalen und regionalen Abteilungen und GmbHs, die für die Wirtschaftsförderung zuständig sind.


Im Blick hat die FrankfurtRheinMain GmbH vor allem die USA, China, Indien, Japan und Korea sowie in Europa Frankreich und Großbritannien. Büros unterhält sie bislang in den USA, China und Indien, demnächst soll ein weiteres in London eröffnet werden. Denn Menges ist – Stichwort Brexit – überzeugt, dass nicht nur Unternehmen aus dem Finanzsektor von der Insel abwandern werden, sondern in einem »zweiten Schritt« auch andere Firmen. Davon könnte die gesamte Metropolregion Rhein-Main profitieren – und damit Gießen, das schon bisher eine »Schanierfunktion« für den Ballungsraum erfülle.

Uni-Präsident als Impulsgeber

Der Impuls, über einen Beitritt zur der Marketing-Gesellschaft nachzudenken, ging ursprünglich von Universitäts-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee aus. Er sei auf einer Delegationsreise mit Ministerpräsident Volker Bouffier beeindruckt gewesen, wie die FrankfurtRheinMain GmbH ihre Mitglieder im Ausland platziert. »Da dachte ich: Wir könnten aus unserer Nähe zu Frankfurt mehr machen«, sagte Mukherjee vor den Stadtverordneten.

Auch sein Kollege Prof. Matthias Willems von der THM würde es begrüßen, wenn die heimischen Hochschulen ihr »einmaliges Fächerspektrum« international bekannter machen könnten. »Das stellt Mittelhessen als Wissenschaftsstandort ja nicht in Frage«, sagte Willems.

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