Feuerwehrstützpunkt: Viel spricht für Motorpool-Gelände

Gießen (mö). Es ist das teuerste Projekt seit dem Rathausbau, mit fast 24 Millionen Euro auch teurer als die Landesgartenschau. Die Rede ist vom Bau eines Katastrophenschutzzentrums, in dem auch die Berufsfeuerwehr ihr neues Domizil finden soll.
27. Mai 2014, 23:13 Uhr
Auf der Brachfläche zwischen Funkturm, Evangelischer Siedlung und dem Gießener Ring wird wahrscheinlich ein großes Katastrophenschutzzentrum errichtet. (Foto: Henß)

Eine erste entscheidende Weiche soll das Stadtparlament in seiner Sitzung am 5. Juni stellen. Dann wird es zwar noch nicht um den Standort gehen, aber der Magistrat favorisiert das frühere Motorpool-Gelände der US-Armee hinter der Pendleton-Siedlung an der Grünberger Straße. Dies sagte am Montagabend im parlamentarischen Hauptausschuss Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD).

Rund zweieinhalb Stunden diskutierte der Ausschuss einen Antrag des Magistrats, mit dem die Stadtregierung vom Parlament Prokura begehrt, die Planung zu konkretisieren, und zwar auf der Grundlage von zwei Festlegungen: Erstens wird das sogenannte Gefahrenabwehrzentrum gemeinsam mit dem Landkreis an einem neuen Standort gebaut. Zweitens bleibt die Freiwillige Feuerwehr Gießen Mitte am bisherigen Standort in der Steinstraße. Den zweiten Punkt begründete Martina Berger, die Leiterin des Brandschutzamts, mit dem Umstand, dass viele der ehrenamtlichen Feuerwehrleute im Umfeld der Wache an der Steinstraße wohnten. Würde die Wehr mit an die obere Grünberger Straße ziehen, könnten die Alarmierungszeiten nicht mehr eingehalten werden, erklärte die Feuerwehrchefin.

Nachdem Berger einige Ausführungen gemacht und Hochbauamtsleiter Siegfried Klee die vier Sanierungsvarianten für die Steinstraße vorgestellt hatte, die allesamt nicht zum Tragen kommen werden, folgte eine lange Diskussion zwischen den Ausschussmitgliedern. Dabei übte die Opposition Verfahrenskritik, beklagte das Fehlen von Informationen zum Standort Grünberger Straße und forderte mehr Transparenz. So monierte CDU-Chef Klaus Peter Möller, dass in der öffentlichen Vorlage die Standortfrage einerseits nicht beantwortet wird und andererseits im nichtöffentlichen Teil eine Anlage mit einer Kostenaufstellung beraten werden soll, in der als Neubau-Standort die Grünberger Straße genannt wird. »Das ist eine Vorfestlegung«, sagte Möller. Auf Nachfrage von Elke Koch-Michel (Bürgerliste) sagte OB Grabe-Bolz dann, dass neben dem Motorpool-Geländenoch drei weitere Standorte geprüft werden. Dabei handelt es sich um eine Fläche im US-Depot an der Rudolf-Diesel-Straße, ein Grundstück im Gewerbepark Grünberger Straße und ein Areal an der Lahnstraße. Favorisiert würde aber das Motorpool-Gelände.

Die der GAZ vorliegende Kostengegenüberstellung veranschlagt die Investition für den Neubau am Wunschstandort mit knapp 24 Millionen Euro, davon 10,5 Millionen als städtischer Anteil, wenn man den zugesagten Landeszuschuss und den Anteil, den der Landkreis als Projektpartner übernehmen soll, abzieht. Weil die Aufstellung auch eine Schätzung enthält, was die Stadt für das Grundstück an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zahlen würde, ließ der Magistrat das Papier nichtöffentlich behandeln, um die eigene Verhandlungsposition nicht zu schwächen. Koch-Michel wiederum hakte an einer anderen Stelle nach, denn in der Vorlage heißt es, dass unter anderem die Kosten für ein mögliches Altlastenproblem noch nicht enthalten sind. Dazu muss man wissen, dass die Amerikaner auf dem Areal früher schweres Gerät gewartet haben. »Vor Überraschungen ist man nie gefeit«, antwortete Grabe-Bolz.

»Große Umweltsünde«

Der Blick ins GAZ-Archiv sollte dem Magistrat zu denken geben. Als die Amerikaner nämlich 2001 beabsichtigten, für 37 Millionen Mark auf dem Motorpool-Gelände ein Dienstleistungszentrum mit neuem Supermarkt zu errichten, wozu es nie kam, sprach das federführende Staatsbauamt von einer der größten Umweltsünden Gießens, die dort vermutlich in der Erde schlummere. Erwartet wurden Öl- und Dieselrückstände.

Ungeachtet dieser offenen Frage erteilten SPD und Grüne dem Magistrat den Auftrag, das Großprojekt weiter zu planen, während sich CDU und Freie Wähler enthielten. Ergänzungs- und Änderungsanträge der Union und der FW lehnte Rot-Grün ab.

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