Berufsfeuerwehr

Feuerwehr-Ärger: Glutnester in Gießen nicht gelöscht

»Alarm bei der Feuerwehr« lautete im September eine unserer Schlagzeilen. Nun haben die ersten Berufsfeuerwehrleute in Gießen bekanntgegeben, dass sie die Wache verlassen wollen.
13. Januar 2018, 07:00 Uhr
Die ersten vier Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr haben ihren Abschied aus Gießen offiziell angekündigt. (Foto: Schepp)

Die Vorwürfe waren hart. Ende September 2017 machten Mitarbeiter der Gießener Berufsfeuerwehr »Probleme im alltäglichen Dienstbetrieb und im Umgang mit Feuerwehrleuten und Dienstplan« öffentlich. Das Thema beschäftigte sogar das Stadtparlament.

Die Streitpunkte, die aus anonymen Äußerungen aus dem inneren Kreis der Wache in der Steinstraße hervorgegangen sind, damals: Einführung des 24-Stunden-Dienst, den sich mehr als 80 Prozent der Gießener Berufsfeuerwehrleute wünschen, fehlende Zeit für Ausbildung, ausbleibende Beförderungen und der Führungsstil der Amtsleitung. Besorgniserregend: Aufgrund der Missstände seien mehr als zehn Kräfte bereit, die Dienststelle zu wechseln. Dieser Verlust wäre nicht zu kompensieren, hieß es von Experten.

Unser Artikel von September 2017: Alarm bei der Feuerwehr

Was ist seitdem passiert? Die Stimmung auf der Wache ist weiterhin schlecht. Den Verantwortlichen um OB und Personaldezernentin Dietlind Grabe-Bolz, Stadtrat und Brandschutzdezernent Peter Neidel sowie die derzeit im Mutterschutz befindliche Amtsleiterin Martina Klee und Vertreter Frank Matthes, ist es nicht gelungen, die Glutnester zu löschen.

Die Mängel sind im Rathaus bekannt, aber es tut sich nichts

Feuerwehrmann, anonym

Die Folge: Offiziell liegen zwei Anträge von Oberbrandmeistern auf Versetzung vor. Zwei weitere Brandmeister haben den Abschied beim Amt für Brand- und Bevölkerungsschutz angekündigt. Die Kollegen rechnen mit bis zu sieben Versetzungsanträgen in den nächsten drei Monaten. »Der Dienststelle«, sagt die OB aber, »ist von weiteren Versetzungsanträgen nichts bekannt«. Auf eine Ausschreibung seien acht Bewerbungen eingegangen. Das Auswahlverfahren findet am 7. Februar statt.

Und was sagen die Feuerwehrleute? Seit der Berichterstattung sei viel geredet worden, aber nichts Wesentliches geschehen. »Zunächst sind wir ermahnt worden, nicht erneut an die Öffentlichkeit zu gehen«, sagt ein Kollege, der wie alle anonym bleiben möchte. Im öffentlichen Dienst könne man auf diese Weise eben viel unter der Decke halten. Bislang seien allenfalls Dinge auf Nebenkriegsschauplätzen angegangen worden. Die Stadt schweigt zu konkreten Maßnahmen.

Vertraulichkeit vereinbart

Über alles, was in Gesprächen mit Personalrat und Amtsleitung verabredet worden ist, sei Vertraulichkeit vereinbart worden, heißt es von der OB, die betont, dass die Amtsleiterin weiterhin »volle Rückendeckung und das uneingeschränkte Vertrauen aus dem Rathaus« genieße.

Für einige Feuerwehrleute ist das nicht nachvollziehbar. »Die Kollegen gehen nicht aus einer Laune heraus, sondern aus guten Gründen. Wir haben versucht, das zu vermitteln«, erklärt ein Feuerwehrmann. Er äußert außerdem, dass die Kollegen enttäuscht darüber seien, dass weder Grabe-Bolz noch Neidel nach der offenkundig gewordenen Unzufriedenheit persönlich vor die Wachabteilungen getreten sind, sondern lediglich mit Amtsleitung und Personalrat gesprochen haben. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte die OB, dass Stadtrat Neidel noch im Januar Gespräche mit den Feuerwehrleuten führen werde.

Zusatzinfo

Stadt verliert in Konkurrentenklage

Mit Beschluss vom 19. Dezember 2017 des Verwaltungsgerichts wurde der Stadt im Wege der einstweiligen Anordnung vorläufig untersagt, die im Amt für Brand- und Bevölkerungsschutz ausgeschriebenen vier Beförderungsstellen zum Oberbrandmeister mit den Ausgewählten zu besetzen. Ein Feuerwehrmann hatte gegen diese Beförderungsentscheidung geklagt. Für die Stadt und die Feuerwehrleute habe dies keine nachteiligen Folgen, sagt die OB, da bereits Brandmeister für die Nachbesetzung der durch Beförderung frei werdenden Stellen zur Verfügung stehen. Die vier ausgewählten Bewerber können jedoch aufgrund der Entscheidung nicht befördert werden.

An den Gründen für die Unzufriedenheit hat sich seit September nichts geändert. Ein Ärgernis bleibt das Dienstzeitmodell und die Tatsache, dass sich die Amtsleitung auch gegen einen Testlauf des 24-Stunden-Dienstes sträuben würde, den sehr viele andere hessischen Feuerwehren eingeführt haben. »Die Krönung ist, dass die Amtsleitung sogar jemanden beauftragt hat, nach Gründen zu suchen, die gegen den Dienst sprechen. Das führte zu Unverständnis«, sagt ein Kollege.

Ein weiterer Kritikpunkt aus den eigenen Reihen ist der Ausbildungsstand. »Unser Schwerpunkt liegt auf Diensten wie Hydrantenkontrolle und Überprüfung von Geräten anderer Wehren. Damit verdient die Stadt Geld, uns fehlt aber Zeit zum Üben an Fahrzeugen udn Einsatztaktiken. Einige fühlen sich im Einsatz nicht mehr gut vorbereitet«, beklagt ein Kollege. Diese Mängel seien im Rathaus bekannt, aber es tue sich nichts. »Wir haben teilweise weniger Ausbildung als das Gesetz von Freiwilligen Wehren verlangt.« Aufgefangen werde das indem Kollegen in der Bereitschaft am Wochenende üben oder Arbeit mit nach Hause nehmen würden.

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