Wenn der Intercity Frankfurt–Münster wie angekündigt kommt, würde der Pendlerverkehr zwischen Gießen und Frankfurt langsamer. Das erklären die Regionalverbände von Pro Bahn, Pro Bahn und Bus sowie der Verkehrsclub Deutschland in einer Pressemitteilung.

Die Deutsche Bahn habe im Frühjahr 2015 voreilig »ein völlig unausgereiftes Konzept« verkündet. Eigentlich soll der Fernzug ab Ende 2019 fahren. Die Bahn hat kürzlich auf GAZ-Anfrage erklärt, es werde verhandelt. Bis Ende des Jahres solle ein Gesamtkonzept aus Fern- und Nahverkehr für die Wiederbelebung der Strecke vorliegen.

60 statt 40 Minuten nach Frankfurt

Die Verbände lehnen den IC in der geplanten Form ab. Sie nennen fünf Argumente:

Kein Halt in Gießen. Alle Fahrgastvertreter gehen davon aus, dass der IC 34 an Gießen vorbeifahren soll, um Zeit zu sparen. Statt hier zu wenden, soll er bei Kleinlinden abbiegen. Damit werde nicht nur die bedeutende Hochschulstadt selbst abgehängt, sondern auch ein wichtiger Umsteigeknoten, etwa nach Marburg und Fulda, bemängeln sie. In Mittelhessen sei der Halt derzeit nur in Friedberg und Wetzlar geplant. Die Bahn hält sich – wie berichtet – derzeit bedeckt zur GAZ-Frage, ob der Zug die Mittelhessen-Metropole links liegen lassen soll.

Nahverkehr würde ausgebremst. Die Main-Weser-Bahn zwischen Gießen und Frankfurt ist überlastet. Käme ein IC im Zwei-Stunden-Takt hinzu, so würde der Nahverkehr »stark verlangsamt«. Davon seien täglich knapp 100 000 Pendler betroffen. Was es bedeutet, wenn ein Fernzug die Kleineren abdrängt, sei vor acht Jahren deutlich geworden. Damals brauchte jeder zweite Mittelhessen-Express aufgrund einer IC-Verschiebung eine Stunde statt rund 40 Minuten von Gießen nach Frankfurt. Kürzlich wurde im Fahrgastbeirat des Lahn-Dill-Kreises angekündigt, dass der neue IC weitere Nahverkehrszüge in Mittelhessen ausbremsen würde. Gemeint ist laut den Verbänden vermutlich der Regionalexpress Siegen–Gießen–Frankfurt. Selbst für Bahnpendler aus Wetzlar oder Friedberg wäre der IC oft nicht attraktiv, weil die Fahrkarte mehr kostet.

Doppelstöcker schwächeln. Der Einsatz der doppelstöckigen IC2-Züge hat sich auf vielen Strecken verzögert. Grund sind laut den Verbänden nicht nur Auslieferungsschwierigkeiten. Die neuen Züge schwankten auch zu stark. Vielerorts – etwa zwischen Leipzig und Norddeich – müssten als Ersatz alte Wagen eingesetzt werden. Die Folgen seien auch in Gießen spürbar, wenn IC-Züge auf der Main-Weser-Bahn verkürzt fahren.

Langsam durch Westfalen. In Hessen solle der Zug »fast nirgendwo« halten, zwischen Siegen und Hagen »an unendlich vielen Stationen«. Folge: Die Fahrt von Mittelhessen ins Ruhrgebiet werde genauso lange dauern wie mit dem heutigen Regionalexpress, nämlich bis zu vier Stunden.

Verbindung nach Köln. Das Dauerproblem der kurzen Umsteigezeit in Siegen in Richtung Köln würde sich nach Ansicht der Verbände noch verschärfen. Mit den langsameren Nahverkehrszügen entstünden lange Wartezeiten. Zwar könnte der IC gute Verbindungen bieten, doch er sei teurer.

Fazit der Fahrgastverbände: Die IC-Linie 34 würde den Mittelhessen »viele Nachteile und nur ganz wenige Vorteile« bringen. Man solle darauf verzichten und »andere Möglichkeiten« entwickeln. Ziel müssten schnelle, umsteigefreie Zugverbindungen vom Rhein-Main-Gebiet über Mittelhessen ins Ruhrgebiet sowie nach Köln sein, die mit Auto und Fernbus mithalten können.

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