Kapitäne an der Lahn

Der Familienunternehmer

Stephan Faber aus Langgöns leitet das Familienunternehmen Faber & Schnepp in vierter Generation. Ein Porträt.
16. Juli 2017, 14:00 Uhr
Stephan Faber (l.) mit seinen Mitchefs Karl-Heinz Redant (r.) und Matthias Möhl (hinten). (Foto: Schepp)

Als August Faber und Karl Schnepp im Jahr 1932 in Gießen ein Bauunternehmen gründeten, einigten sie sich auch darauf, es gemeinsam zu leiten. Zwei Generationen weiter, nach dem Ausscheiden von August Faber junior, übernahmen – weil es bei den Schnepps keine Nachkommen gab – dessen Söhne Horst, Werner und Wolfgang Faber das Sagen als gleichberechtigte Geschäftsführer. 85 Jahre später hat die Leitung des Familienunternehmens mit seinen weiteren untereinander verwandten Kommanditisten immer noch dieselbe Konstellation: Es gibt drei Chefs, von denen jeder für einen Geschäftszweig verantwortlich ist. Und derzeit zwei von ihnen stammen aus dem Hause Faber.

Am längsten zu diesem Trio gehört Karl-Heinz Redant (58): Der Diplom-Ingenieur ist seit 1984 im Betrieb und leitet seit 2008 den Bereich Hochbau. Für die kaufmännische Abteilung einschließlich Immobilienverwaltung ist Matthias Möhl (37) zuständig.

Der Tiefbau einschließlich des Bauhofs mit Asphaltmisch- und Recyclinganlage am Steinberger Weg ist seit 2010 das Metier von Stephan Faber. Das Rüstzeug dafür hat der 47-Jährige in einer langen Ausbildungszeit erworben. Dem nicht abgeschlossenen Maschinenbaustudium folgte im Familienbetrieb eine Ausbildung bis hin zum Baumaschinenmeister mit dem eigentlichen Ziel, später die maschinentechnische Abteilung zu leiten. Der Besuch der Staatlichen Technikerschule in Alsfeld mit Schwerpunkt Tiefbau schloss sich an. Danach durchlief er die Abteilungen des Betriebs, von der Kalkulation bis zur Bauleitung, ehe er schließlich vor sieben Jahren als Nachfolger von Wolfgang Faber in die Geschäftsführung nachrückte. Stephan Faber, der Sohn des früheren Geschäftsführers Werner Faber, der in Gießen als Gründer des Volleyballvereins USC bekannt wurde, ist also ein echtes Eigengewächs des Unternehmens.

Mit Ehefrau, zwei Kindern und Hund lebt der Geschäftsführer ganz bewusst in einer ländlichen Umgebung: »Ich bin gern in der Natur und habe als Privatperson ab und zu ein Bedürfnis nach Abgeschiedenheit.« Das setzt er mit Spaziergängen und in seinem Hobby als Jäger um: Er ist regelmäßig in einem Revier bei Braunfels unterwegs. »Nicht vorrangig zur Fleischbeschaffung, sondern auch zur Hege und aus Freude am Beobachten heimischer Wildtiere«, betont er.

Aber kann der Geschäftsführer daheim und in der Natur wirklich entspannen? »Nicht so richtig. Man nimmt immer die Arbeit mit nach Haus, da wird viel im Kopf mitgeschleppt«, lautet die ehrliche Antwort. Aber Sport helfe ihm bisweilen, den Kopf freizubekommen.

Fabers Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr mit einer Kalkulationsbesprechung. Dann jagt eine Pflicht die nächste: Angebotsanfragen beantworten, Submissionen vorbereiten, mit der Einkaufs- und Kalkulationsabteilung absprechen, Investitionsentscheidungen treffen, Gespräche mit Architekten, Ingenieurbüros und Ämtern, Krisenmanagement, Projektentwicklung, Nachkalkulation von Projekten und Personalgespräche. Feierabend ist selten vor 17.30 Uhr, mitunter geht das Licht auch erst viel später aus. »So etwas gehört zur Leitung einer Firma einfach dazu«, betont er. Da müsse man flexibel sein, könne vielleicht am nächsten Tag kürzertreten.

Also kommt er als Chef eines Bauunternehmens nicht sehr oft auf Baustellen? »Ja, das ist schade«, bestätigt Faber, »ich bin einfach zu viel ans Büro gefesselt.« Als sehr attraktiven Job im Unternehmen sieht der Langgönser den eines Bauleiters an: »Man hat ständig mit der Technik und mit den Menschen zu tun. Dabei arbeitet man oft im Wechsel zwischen Baustelle und Büro.«

Unabhängig davon ist ihm der Umgang mit den Menschen im Unternehmen sehr wichtig: »Die Beschäftigten sollen sich wohlfühlen und am besten ihr ganzes Arbeitsleben lang bei uns bleiben«, lautet sein Credo. Dazu gehöre, dass die Mitarbeiter fair behandelt werden und Mitspracherecht haben. Das Feiern von Arbeitsjubiläen habe einen hohen Stellenwert. Selbstverständlich auch, dass das 85-jährige Bestehen des Unternehmens im September mit einem großen Mitarbeiterfest in Langgöns gefeiert wird

Und wie hat er seine Kenntnisse in der Personalführung erworben? »Ich baue auf eigenen Erfahrungen auf und übernehme, was ich für mich als fair ansehen würde.« Generell verlange die flache Hierarchie Verantwortung und unternehmerisches Denken aller leitenden Mitarbeiter. Zugeständnisse im Zuge der immer mehr in den Vordergrund drängenden Work-Life-Balance erforderten Flexibilität untereinander.

Gut 220 Mitarbeiter bilden derzeit die Stammbelegschaft des Gießener Unternehmens mit Stammsitz in der Ludwigstraße. Dazukommen aber auf den Baustellen und im Fertigteilwerk noch viele Arbeitnehmer auf der Basis von Werkverträgen. »Anders geht das nicht«, versichert Faber. »Unsere Leute erhalten natürlich den Bautariflohn. Manch Marktbegleiter verfolgt da andere Strategien. Für umfangreiche Hochbaumaßnahmen benötigen wir – wie andere auch – Nachunternehmer. Ohne die wären wir bei den EU-weiten Ausschreibungen nicht wettbewerbsfähig.«

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