Wettenberg

Hells Angels nun mit eigenem Gießener Charter?

11. Juli 2014, 11:28 Uhr

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Neues in die Welt gesetzt wird von einem Konflikt, der sich jenseits des bürgerschaftlichen Alltags abspielt und der die Polizei – zumindest in Frankfurt und im Gießener Land – in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, der ihr verschärfte Aufmersamkeit abverlangt. Eine knappe Woche lang machten Gerüchte die Runde, konnten sich verdichten an Polizeifahrzeugen, die unter anderem in Wißmar, Garbenteich und Alten-Buseck vor Gebäuden postiert waren, die dem Rotlicht-Milieu zuzuordnen sind. Frage: Hatte das mit einer Schießerei in der Hells-Angels-Szene in der Nacht zum vergangenen Donnerstag in Frankfurt zu tun? Antwort: Ja! Zumindest legt dies – wir berichteten – eine Pressemitteilung des Landeskriminalamtes nahe. Die Behörde informierte über »gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen« der Rocker. »Um ein weiteres Aufeinandertreffen« dieser Gruppierungen und damit verbundene Straftaten zu verhindern, seien »umfangreiche polizeiliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr eingeleitet« worden.

Wettenbergs Bürgermeister Thomas Brunner hatte gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung bereits bestätigt, man wisse seit längerer Zeit, »dass es Menschen in Wettenberg gibt, die die Sicherheitsbehörden den Hells Angels zuordnen«. Über weiter reichende Informationen verfüge die Kommune jedoch nicht. Was bedeutet dies konkret für eine in Wißmar kursierende Vermutung, dass »der Puff schließt, und die Hells Angels sich dort etablieren wollen«? Hier verweist Brunner auf das Gaststättenrecht. Mit diesem Instrumentarium kann eine Kommune Lizenzen für das Betreiben eines Gastronomiebetriebes vergeben. Hinsichtlich des Gebäudes am Wißmarer Ortsrand habe die Gemeinde »gaststättenrechtlich immer einwandfreie Betreiber gehabt«.

Allerdings: Natürlich könne in so einem Fall auch immer jemand mit einem lupenreinen polizeilichen Führungszeugnis vorgeschickt werden. »Dann haben wir nicht mehr die geringste Handhabe. « Trotzdem: Auch wenn der Vorfall in Frankfurt »hochgradig erschreckend« war, gibt der Wettenberger Rathauschef zu bedenken: Diese gewalttätigen Machtkämpfe der Motorradrocker richteten sich gegen Szeneangehörige, »nicht gegen normale Bürger«.

Eigenes »Charter« in Gießen?

Gleichwohl ist der Staat nicht machtlos. In Frankfurt wurden die zwei regionalen Ableger der Hells Angels, sogenannte »Charter«, bereits 2011 verboten. In der vergangenen Woche teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Gießen mit, die Universitätsstadt besitze noch gar keinen eigenen Club. Gestern war jedoch auf einer englischsprachigen Homepage der Hells Angels, die alle »Charter« weltweit anzeigt, der Eintrag »Hells Angels MC Giessen Germany 2014« zu finden. Der bislang aktuellste.

Wie die »Bild«-Zeitung gestern in ihrer Frankfurt-Ausgabe berichtete, soll genau diese mögliche Gründung eines Hells-Angels-Ablegers in Gießen der Grund für die Schießerei in der Main-Metropole gewesen sein, bei der unter anderem ein 43-Jähriger aus der mittelhessischen Motorradrocker-Szene verletzt wurde. Dieser Mann wohnt im Landkreis, wurde erst im Mai dieses Jahres von einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt.

Wie in einem »Rocker-Blog« im Internet zu lesen ist, wollen sich der türkischstämmige Familienvater und seine Mitstreiter »nicht mehr an die deutschen Hierarchien des Rockerclubs halten«. Laut »Bild« haben die Fahnder inzwischen den mutmaßlichen Schützen aus Frankfurt im Visier: Angeblich ebenfalls ein türkischstämmiger Mann, der bei den Hells Angels aufgenommen werden will. Der Tatverdächtige sei aber auf der Flucht. Vertreter der Frankfurter Staatsanwaltschaft als Ermittlungsbehörde und des Polizeipräsidiums Mittelhessen waren am späten Nachmittag nicht mehr für eine Stellungnahme hierzu zu erreichen.

Wo genau auch immer der Gießener Club der Motorradrocker gegründet wurde, Narrenfreiheit wird er nicht genießen. Eine Sprecherin des Innenministeriums bestätigte, dass ein Verein verboten werden kann, »wenn sein Zweck und seine Tätigkeit« gegen die Strafgesetze verstoßen oder sich »gegen die verfassungsmäßige Ordnung und gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten«. Mit einem Vereinsverbot sollen außerdem die organisatorischen Strukturen der betroffenen Gruppierungen »zerschlagen« werden, betonte die Sprecherin. Die früheren Clubs verlören damit »ihre nach außen gerichtete Geschlossenheit«.

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