Bestattertag: Muss die Urne auf den Friedhof?

Wettenberg (agl). »Unter allen Wipfeln ist Ruh’«, »garantierte Herkunft der Diamanten aus der übergebenen Kremationsasche« - Der Umgang mit unseren Toten ist vielfältig.
16. April 2010, 19:38 Uhr
Beispiele für zeitgemäße individuelle Trauerfeier-Gestaltung mit Raum- und Objektdekorationen zeigte Viktoria Beck (Herford). (Foto: sel)

Wettenberg (agl). »Unter allen Wipfeln ist Ruh’«, »garantierte Herkunft der Diamanten aus der übergebenen Kremationsasche« - Der Umgang mit unseren Toten ist vielfältig. Das spiegelte sich auch am Freitag beim 6. Hessischen Bestattertag in der Mehrzweckhalle Krofdorf-Gleiberg wider - bei den Ausstellern und in einem brisanten Thema: In Oestrich-Winkel wurde ein privater Garten - mit Genehmigung der Stadt - zur Bleibestätte einer Urne. Titel der Diskussion: »Urnen im eigenen Garten - Tribut an den Zeitgeist oder staatlich sanktionierter Tabubruch?«

Rahela Welp (Referat Friedhofs- und Bestattungsrecht im Hessischen Inneministerium) bestellte Grüße des Schirmherrn, Innenminister Volker Bouffier, und ging auf die Herausforderungen im Bestattungswesen ein: »Individualität ist in der heutigen Zeit das Schlagwort schlechthin. Das gilt auch für die Beisetzung Verstorbener. Zwar ist das traditionelle Begräbnis auf dem nächsten Friedhof immer noch die dominierende Form der Bestattung, doch fast 50 Prozent der Deutschen können sich heute bereits vorstellen, eine alternative Form der Bestattung zu nutzen.«

Der Bürgermeister von Oestrich-Winkel, Paul Weimann, war vertreten, ebenso wie Welp, Hermann Weber (Verbraucherinitiative Aeternitas), Manfred Zargar (Vorsitzender des Verbandes der Friedhofsverwalter Deutschland) und Moderator Hubing. Grundlage war das Hessische Friedhofs- und Bestattungsgesetz, und die Frage nach den Ausnahmen von der üblichen Bestattung bot Raum für Interpretationen. Für Welp hingegen ist klar, dass Ausnahmen nur in sehr außergewöhnlichen Fällen erlaubt seien - etwa wenn alle Hinterbliebenen wegen Behinderungen nicht zum Friedhof kommen könnten. Die Urne auf dem Wohnzimmerschrank sei also nicht möglich.Weimann sagte, bei dem Fall in Oestrich-Winkel sei sehr stark auf die persönliche Situation eingegangen worden: »Im Endeffekt müssen wir eine Entscheidung treffen für den Menschen.«

Was passiert nach der Ruhefrist? Wer kontrolliert, dass man zuhause die Urne nicht ausgräbt? Diese und weitere Fragen kamen in der Diskussion auf.

Ein Novum hatte die Veranstaltung, zu der das deutsche Institut für Bestattungskultur eingeladen hatte: Die bundesweit ersten Meisterbriefe für handwerklich ausgebildete und geprüfte Bestatter wurden überreicht. Von den 13 Meistern aus verschiedenen Orten der Republik, kam einer aus der Region: Daniel Brehm aus Bad Nauheim. Auch neun »geprüfte Bestatter« wurden ausgezeichnet, darunter - nicht anwesend - Michael Diehl-Roth aus Aßlar.

Klaus Repp, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, sagte: »Meister sind personifizierter Verbraucherschutz.« DIB-Geschäftsführer Hermann Hubing lobte: »Sie haben allen Grund, auf Ihre Leistung stolz zu sein, und auch wir als DIB sind schon etwas stolz darauf, dass es uns als erstem Lehrgangsanbieter deutschlandweit gelungen ist, Meistervorbereitungslehrgänge zum › Bestattermeister‹ durchzuführen.«

Weitere Themen am Freitag waren Rechtsprechung, Aus- und Weiterbildung und Trauerfeiergestaltung. Am heutigen Samstag geht es bei der Veranstaltung um »Trauergespräche im 15-Minuten-Takt?«, Qualitätsoffensive und Schwachstellenanalyse.

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