Legendärer Olympiasieger als Kabarettist in Treis

Staufenberg (vh). Olympisch hart am Ball war Treis am Freitagabend. Beim »Bing« (Bahnhofsgaststätte) war alles hübsch angerichtet: beringte Fahne, rote Fackel, goldene Medaille und ein leibhaftiger Olympiasieger. Augenblick mal. Schlaff hing die Fahne runter, elektrisch brannte die Fackel, ein 1992er-Modell die Medaille, im erdbraunen Anzug steckte der Olympionike. Das war doch eine Show.
27. Oktober 2014, 15:28 Uhr
Dieter Baumann lästert über das IOC.

Richtig, die Bühnenshow mit Dieter Baumann. Aus dem legendären Olympiasieger und missglückten »Zähneputzer« ist nun der sportliche Kabarettist geworden.

»Die Götter und Olympia« lautet Baumanns aktuelles Programm. Eingeladen hatte ihn der Lauf- und Walkingtreff Treis um Lauftreffleiter Hans Hausner und der Medienbeauftragten Rosi Hausner. 150 Leute füllten den Saal. Gekommen war auch der begeisterte Hobbyläufer Jörg König, Bürgermeister von Linden. Müßiggang vor dem Showdown, denn erneut zum Frankfurt-Marathon (am gestrigen Sonntag) wollten einige Vertreter des Lauftreffs, zum Brezellauf, dem fünf Kilometer-Warm-up am Vortag, auch Dieter Baumann. Den Marathon kommentierte er dann live für das HR-Fernsehen.

Lästern geht auch

Sein Zwei-Stunden-Programm in Treis lebt von Zuschauerfragen. Ob Marathon gesund sei. »Wenn Sie den Frankfurt-Marathon absagen, das ist gesund«, sagt der gertenschlanke Baumann. Hoppla, man wolle sich ja Dutzen, von wegen alles Gleichgesinnte. Sie nur als Ausnahme für Nordic-Walker. Warmwerden schafft der schnellste Läufer, den Treis je gesehen hat, mittels 10000-Meter-Zeiten. Vorsitzender Thomas Glade bietet 41 Minuten, ein anderer Zuschauer eine 38. Unter 45 ist für den Hobbyläufer ordentlich. 1997 brauchte Dieter Baumann 27:21,53 Minuten, das war deutsche Rekordzeit – und ist es bis heute.

Die Sache mit der Minutenklauberei sieht er heute anders. Sein Bühnenprogramm scheint endlos. Allerdings unterhaltsam und kurzweilig. Es herrscht viel Heiterkeit im Raum. Lästern geht auch und bissig sein. Die olympische Goldmedaille von Barcelona baumelt achtlos an der Stehleiter, dem Podest für Fackel und Fahne, und der Sportsmann äußert allen Ernstes, eigentlicher Champion sei derjenige mit den meisten Anstecknadeln (Pins) am Hut.

Somit landet Baumann im olympischen Dorf, wo drei Wochen lang unterschiedlichste Typen aufeinander träfen. Dabei werde so gut wie alles getauscht. Manchmal die Unterhose. Beim Namentausch geht Baumann auf Konfrontation. Es habe mal ein Rennrodler aus Tonga/Südsee namens Fuahea Semi von der Teilnahme bei Winterspielen geträumt, und Thomas Bach schon 2009 auf eine Namensänderung in Bruno Banani gedrungen, der sodann 2014 in Sotschi tatsächlich angetreten sei. Warum bloß habe Bach zu Sotschi, dem einzigen Ort Russlands ohne Schnee, als Austragungsstätte nichts gesagt. Das vermutlich rund um Sotschi herum aufgestellte Wachpersonal habe Putin wohl gleich weiter auf die Krim und Urkaine geschickt, so der Ex-Sportler und Kabarettist. Zu allem Überfluss erhalte Russland 2018 noch die Fußball-WM. Das Endspiel sei dann in Leipzig. Die Pointe braucht länger. Dazu mussten die Zuschauer diesen Witz aus der vermeintlichen Unterhaltung von Merkel und Putin kennen.

Sex geht immer. Bei den Fußballern sowieso. Auch die Läufer diskutieren, ob er vor dem Marathon was bringen könnte, bei Frau und Mann vielleicht unterschiedlich. Herzhaftes Gelächter. Und die »nur« fünf Kondome für drei Wochen olympisches Dorf wird sicherlich viele junge Zuhörer von einer Läuferkarriere abhalten. Baumann schießt sich auf die »Trendläufer« ein, die allem Firlefanz nachhingen, etwa der GPS-Uhr. In der ersten Reihe sitzt eine Frau mit GPS, aber bloß ihr Mann kennt sich mit dem Ding aus.

Baumann veräppelt Sportkollegen aufgrund vermeintlichen Nichtstuns. Luftpistolenschützen machten »Plopp« mit dem Zeigefinger, und Kugelstoßer streckten den rechten Arm aus. Poetisches geht auch. Vierzeiler über das Laufen darf ihm jeder mailen (Gedicht der Woche: db@dieterbaumann.de). Es gibt Kostproben aus Zuschriften und »Die Nase« von Heinz Erhardt: »Wenn gleich die Nas’, ob spitz, ob platt, zwei Flügel, Nasenflügel hat, so hält sie doch nicht viel vom Fliegen, das Laufen scheint ihr mehr zu liegen.« Scherzfragen des Publikums liest er ohne Kommentar: »Sind Rückwärtsläufer bei Rückenwind schneller?« »Mit welchem Bein fange ich beim Laufen an?« oder »Ich nutze schon seit 20 Jahren Elmex. Warum macht es Dich schneller und mich nicht?«.

Gefürchtet war Baumanns sportlicher Endspurt, dem bleibt er auf der Bühne treu. Eher Selbstbereicherung der großen IOC-Familie, denn Nachwuchsförderung. Und abschließend der »überladene« Läufer. Baumann macht den Stripper. Anzug aus, aufgetakelte Läuferausrüstung an, teilweise schon vorhanden: Stützstrümpfe, Armlinge, Stirnlampe, Fünffingerschuhe (für Barfußläufer), Ohrstöpsel (für Motivationsmusik). Purist Baumann braucht, man weiß es schon, nur Asics. Dann lüftet er seine Sporthose. Zum Vorschein kommen ein paar Zentimeter modisch gemusterte Shorts. Wer vorne sitzt, kann die Pointe erkennen. Auf dem Gummibund prangt ein Name: Bruno Banani.

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