Staufenberg

»Papalala«-Festival Feuerfontänen und ein »Skandal«

26. Oktober 2014, 19:48 Uhr
Ein Heimspiel feiert die Gruppe Eternity for Minutes, die in Treis ihren Proberaum hat.

Ein donnernder Sturm tost durch die Sport- und Kulturhalle. Auf der Bühne schießen Fontänen aus Feuer in die Höhe. »Bang Bang«, ruft René Anlauff, Frontmann der Band Völkerball, ins Mikrofon. Und während oben die Flammen tanzen, fliegen im Publikum wild die Haare von schwarz gekleideten jugendlichen Fans, die ihren Kopf immer wieder im Takt nach vorne werfen. »Ich werf’ ein Licht in mein Gesicht. Ein heißer Schrei: Feuer frei«, singen sie, nein, brüllen sie im Chor. Knapp 24 Stunden später feiern Besucher – zum großen Teil über 40 – in derselben Halle einen nostalgischen Auftritt der Spider Murphy Gang und schmettern lauthals »Skandal im Sperrbezirk«.

Den Veranstaltern des Festivals »Papalala« gelingt es am Freitag und am Samstag, ein höchst unterschiedliches Publikum anzusprechen. An beiden Abenden ist die Halle rappelvoll. Wer eines der insgesamt sechs Konzerte am Wochenende besucht, erkennt schnell: »Papalala« ist kein gewöhnliches Festival. Es ist das Familienfest einer lebendigen Dorfgemeinde für den guten Zweck, ehrenamtlich auf die Beine gestellt von über 150 Treiser Bürgern.

Es ist weit nach Mitternacht, als Dirk Wallenfels die Arme jubelnd nach oben streckt. Nicht etwa, weil sich das maßgeblich von ihm initiierte und enormen Arbeitsaufwand erfordernde Festival in seiner dritten Auflage allmählich dem Ende nähert. Nein, der Vorsitzende des Vereins KuK »Papalala« steht inmitten der Sport- und Kulturhalle und freut sich über den Song »Pinball Wizard«, den Jonas Werner & Friends anstimmen. Als sich die Gruppe verabschieden will, steigt Wallenfels auf die Bühne und fordert die Musiker unter Applaus nicht nur zu einer Zugabe auf: »Spielt so lange, wie ihr noch könnt.«

+++ Mehr Bilder vom »Papalala«-Festival in der Mediathek

Ein Höhepunkt am Abend zuvor ist ein Auftritt der Band Völkerball. Die Gruppe gibt originalgetreu Lieder von Rammstein zum Besten. Ob »Mein Herz brennt«, »Du hast« oder »Engel«: Schon während des ersten Hörens kann auch der Zuschauer, der die Texte nicht auswendig kennt, jeden Refrain mitbrüllen. Gleichzeitig bietet Völkerball eine fulminante Pyro-Show. Ein helles Kreischen brandet in der Halle auf, als das krachende Feuerwerk jüngere Besucher hin und wieder erschreckt.

Nostalgische Erinnerungen an die 80er weckt derweil am Samstagabend die Spider Murphy Gang mit Klassikern wie »Schickeria«, und »Skandal im Sperrbezirk«. Von der kochenden Stimmung in der Halle zeigt sich am Ende auch Sänger Günther Sigl beeindruckt. »Wir kommen ab jetzt jedes Jahr«, ruft er unter lautstarkem Jubel.

Weitere Auftritte feiern die Denim Demons mit Punkrock auf die Zwölf, die Gießener Formation Frau Müller, Jonas Werner & Friends sowie die Gruppe Eternity for Minutes, die in Treis ihren Proberaum hat. Sie würdigen die familiäre Atmosphäre des Festivals. »Das macht sich auch im Catering und in der Betreuung bemerkbar«, berichten sie im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. »Kleine Mädels haben uns vorhin gefragt, ob wir irgendetwas zum Essen oder Trinken brauchen. Da merkt man schon, dass das ein besonderes Festival ist.«

Während der Konzerte tanzen Gäste vor der Bühne. Andere stoßen an Tischen zu Bier oder einem Gläschen Wein an, treffen Freunde, plaudern. Kinder springen durch den Saal. »Es ist ein Festival der Treiser Familien für Treis«, hält Angela Hopp vom Förderverein der Grundschule fest, die an einem Stand unter anderem Brezeln und Käsewürfel verkauft. »Papalala« ist ein Benefiz-Mitmach-Festival, bei dem Vereine und einzelne Treiser Dienste übernehmen. Je mehr Stunden eine Einrichtung leistet, umso höher ist später die Beteiligung am Gewinn, der ausschließlich für die Jugendarbeit in den entsprechenden Vereinen Verwendung findet. Im vergangenen Jahr sind so 2500 Euro zusammengekommen. »Ich möchte die Jugendarbeit hier unterstützen«, erklärt Kindergartenleiterin Gerlinde Michel-Amend, während sie in der Küche Kaffee für eine der Bands kocht. »Und dann macht es ja auch noch Spaß.«

Die Veranstalter von »Papalala« wollen das Festival außerdem als Zeichen für Toleranz gegen die rechten Tendenzen im Lumdatal und darüber hinaus verstanden wissen. »Nicht zu übertreffen«, resümiert Wallenfels am Ende und hebt im Besonderen das erreichte Ziel hervor, eine »Wohlfühlatmosphäre« zu schaffen. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr werde es mit Sicherheit geben.

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