Staufenberg

Völkerball, Rodgau Monotones... beim Papalala-Festival

27. Oktober 2013, 21:38 Uhr
Die Rodgau Monotones servierten in der Sport- und Kulturhalle Treis alle Hits aus 35 Jahren und noch einiges mehr.

Werden die Teeniefans von Risi, Flo, Snicco, Basti und Georg am späten Abend von in Leder gekleideten Lindemann-Anhängern gnadenlos beiseite geschoben oder geht alles friedlich von statten? Dirk Wallenfels, Organisator des zweiten Papalala-Festivals in der Sport- und Kulturhalle sah den Zweifeln ob der bunten Mischung seiner Bandliste gelassen entgegen: »Die Leute sind begeistert. Unsere Liebe zum Detail wird sehr geschätzt und am Freitagabend ist etwas ganz Tolles passiert: Völkerball haben sich direkt für das nächste Festival eingeladen, weil sie so herzlich aufgenommen wurden.«

Auch die anderen Papalala-Kollegen, Besucher und Musiker wirkten zufrieden. Dennis Obermann von Eternity for Minutes, die am Freitag zum Auftakt spielten, konnte seine Freude jedenfalls nicht verstecken. Die Halle sei ja ziemlich groß und es habe sehr viel Spaß gemacht, hier zu spielen. Sein Gießener Quartett, welches in detailreich ausgearbeiteten Stücken Elemente aus Post-Rock, Alternative und Post-Hardcore verbindet, bekam jede Menge Applaus und sah gespannt dem großen Auftritt der Tribute-Band von Völkerball entgegen.

Die Kometen, die ihren Stil als Power-Pop beschreiben, spielten eine gute Stunde, wobei besonders die markante Stimme von Frontfrau Marisa Adams auffiel. Popmusik mit eingängigen Melodien und einer gehörigen Portion Power, sprich mit starkem Rockbezug und Stücke, die ordentlich nach vorne schieben, versprachen einen kräftigen Stilbruch zu den flächigen Gitarrensounds und dem breiten Fundament von Bass und Schlagzeug bei Eternity for Minutes. Doch das Publikum in Treis zeigte sich betont aufgeschlossen.

Überwältigende Kulisse

»Die meisten Leute kommen aus dem Umkreis von etwa 80 Kilometern zu unserem Festival gefahren«, erklärte Wallenfels die Herkunft seiner Gäste. »Viele stammen aus Dillenburg und dem Vogelsbergkreis, aber wir haben auch Karten in den Ruhrpott, an die holländische Grenze und nach Hannover verkauft.« Es sei ein schönes Gefühl, die Hälfte der Besucher zumindest vom Sehen her zu kennen. »Da weißt du, du hast alles richtig gemacht«, konnte Wallenfels seinen Stolz nicht verstecken.

Und ganz vorne stand der Nachwuchs am Absperrgitter. Den mit Elektronikeinsprengsel verfeinerten tanzbaren Songs der Kometen folgte eine Show mit überwältigender Kulisse. Völkerball, nach dem gleichnamigen Album der Idole benannt, überraschten Augen und Ohren des Publikums mit einer kaum fassbaren Inszenierung aus Lichtshow, haargenau platzierten Pyroeffekten und dem brachialen Rammstein-Sound, der unerbittlich hart auf die Konzertbesucher niederbrasselte. Der Boden wummerte unermüdlich, Dirk Oechsle saß mit seinen Drums auf einer Empore und beim Anblick des kantigen Gesichts von Sänger René Anlauff konnte man wirklich meinen, Till Lindemann von Rammstein ins Angesicht zu blicken. »99 Prozent Rammstein – 100 Prozent Völkerball« bewerben die Illusionisten ihre Musik – und das kommt annähernd hin. »Engel«, »Benzin«, »Weidmanns Heil« spielten sie und spannten dabei einen Bogen durch die komplette Rammstein-Discografie. Mithilfe von mühevoll nachgebildeten Requisiten, Outfits und Maske verstehen es die sechs Völkerball-Musiker dabei, so perfekt in die Rollen ihrer Vorbilder zu schlüpfen, dass sich selbst gestandene Rammstein-Fans ungläubig die Augen rieben. Nach zweieinhalb Stunden war Ruhe in der Halle, doch die Party mit dem Papalala-Festival-Team ging noch bis tief in die Nacht, wie Wallenfels am zweiten Veranstaltungsabend erzählte.

Da hieß das Zugpferd Rodgau Monotones, eine der erfolgreichsten Bands Hessens, die seit 35 Jahren auf der Bühne zu Hause sind. »Hätte mir 1984 mit 16 Jahren jemand gesagt, dass ich einmal mit meinem Idol Osti auf der Bühne stehen würde, ich hätte es nicht geglaubt«, zeigte sich Wallenfels etwas sentimental, als er vor dem Auftritt von Sänger Peter »Osti« Osterwold und dessen Band dem Papalala-Team für die Organisation dankte. Nach Mother’s Milk und Sixplash waren die Erfinder der Hessen-Hymne »Erbarmen, zu spät, die Hessen kommen« der krönende Abschluss des Benefiz-Mitmach-Festivals. »Ei gude wie« sorgte direkt für gute Stimmung im Saal, und selbst die jüngsten Konzertbesucher tanzten auf einem Tisch am Bühnenrand energisch mit. »St. Tropez am Baggersee«, »Nutella is’all«: Lokalpatriotismus wird hier ganz groß geschrieben und verbindet erfolgreich jung mit alt, Zeitzeugen der 1980er, in denen die Rodgau Monotones besonders erfolgreich waren, mit deren Nachwuchs. »Langweilig und leise ist es nie«, versprechen die wilden Hessen auf ihrer Homepage. Unpersönlich und rüpelhaft auf dem Staufenberger Festival auch nicht. Wallenfels und seinem Team ist ein sehr abwechslungsreiches und friedfertiges Musik-Wochenende gelungen, das nach einem dritten Teil schreit.

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