Rabenau

Mit Wohngemeinschaften gegen den Leerstand

09. Juni 2011, 08:45 Uhr
Rabenau ist die einzige Kommune im Teilraum Nord, deren Bevölkerungszahl im Jahr 2010 unter den Stand von 1990 gesunken ist. (pm)

Diplom-Geografin Henriette Klinkhart erläuterte zu Veranstaltungsbeginn, dass Rabenau bereits besonders stark von den Veränderungen bei der Bevölkerungsentwicklung betroffen sei. Die Bertelsmann-Stiftung rechne bis 2025 dort mit einem Einwohnerrückgang von rund acht Prozent.

Darüber hinaus sei Rabenau die einzige Kommune im Teilraum Nord des Landkreises, die im Jahr 2010 weniger Einwohner hatte als 1990, sagte Klinkhart. Allendorf/Lumda, Buseck, Lollar und Staufenberg hätten 2010 zwischen zehn und 20 Prozent mehr Einwohner gehabt als 1990, Reiskirchen sogar über 20 Prozent. Dennoch sei die Bevölkerung auch in den anderen Kommunen des nördlichen Kreisgebietes in den vergangenen fünf Jahren geschrumpft. Als Gründe für diese Entwicklung nannte die Geografin vor allem die teilweise schlechte Infrastruktur in den ländlichen Regionen, die zu einer Abwanderung insbesondere junger Menschen führe, die ihre Arbeitsplätze meist in Städten oder städtischen Ballungsräumen fänden. Verfügten ländlich geprägte Kommunen allerdings über eine gute Infrastruktur, könnten sich junge Familien wegen der besseren Landschafts- und Umweltqualität durchaus dafür entscheiden, aufs Land zu ziehen.

Neues Leben in leeren Gebäuden

Eine weitere Ursache für den Einwohnerrückgang im ländlichen Raum sei die natürliche Bevölkerungsentwicklung in Deutschland: Jede neue Elterngeneration sei um etwa ein Drittel kleiner als die vorhergehende. Da außerdem die Zahl der Geburten abnehme, sprach Klinkhart von einer »Spirale, die sich verstärkt«. In der Konsequenz stünden in vielen Dörfern zahlreiche Häuser leer. Für die betroffenen Kommunen sei ein solcher Leerstand doppelt negativ: Da die Flächen- infrastruktur weiterunterhalten werden müsse, verteuerten sich die Gemeindegebühren, was einen Standortnachteil für die Kommune bedeute. Gleichzeitig beeinträchtige eine Häufung leer stehender Gebäude das Ortsbild und führe zu einer negativen Bewusstseinsbildung bei den Einwohnern, die ihren Wohnort mit einem »Verliererbild« assoziierten.

Dass leer stehende Häuser oder auch große Gebäude, die nur noch von einer, meist älteren Person, bewohnt werden, auch eine neue Nutzung erfahren können, zeigte der Vortrag von Ingeborg Dahlmann. Die stellvertretende Vorsitzende des bundesweit agierenden Vereins »Forum gemeinschaftliches Wohnen«, berichtete, dass es bundesweit mittlerweile rund 10 000 gemeinschaftliche Wohnprojekte gebe, in denen ältere und alte Menschen miteinander lebten. Es sei wichtig, sich frühzeitig Gedanken über das Alter zu machen, sagte Dahlmann - nicht erst dann, wenn die Berufstätigkeit beendet sei.

Da Kinder oftmals weit entfernt lebten und Appartements in einer Einrichtung für betreutes Wohnen »ein nettes Portemonnaie« voraussetzten, könne sich gemeinsames Wohnen im Alter als eine Alternative anbieten. In solchen Wohngemeinschaften könnten sich die Senioren ein selbstbestimmtes Leben bewahren, seien aber trotzdem nicht allein.

Die Örtlichkeiten, in denen solche Projekte umgesetzt werden können, reichten von nicht mehr genutzten Kindergarten- oder Schulgebäuden über große, leer stehende Häuser, die Platz für mehrere Wohneinheiten bieten, bis zum Neubau eines individuell gestalteten Wohnhauses, erläuterte Dahlmann. Ebenso vielfältig stellten sich die Finanzierungsmöglichkeiten solcher Projekte dar. Interessierte könnten zum Beispiel eine Bauherrengemeinschaft bilden und Wohneigentum an dem neu oder umgebauten Haus erwerben. Denkbar sei aber auch, mehrere Wohneinheiten in einem großen Haus zu mieten. Der entscheidende Punkt sei, dass so ein Vorhaben, welches finanzieller und rechtlicher Beratung bedürfe, früh genug geplant werde. Jemanden für so ein Projekt zu gewinnen, der bereits älter als 75 Jahre ist, sei schwierig.

»Man weiß, was mit dem anderen los ist.«

Als großen Vorteil gemeinschaftlichen Wohnens bezeichnete Dahlmann die gegenseitige Unterstützung - »man weiß, was mit dem anderen los ist.« Die Art und Weise des Zusammenlebens - etwa Unternehmungen oder Kochen, aber auch die Organisation externer Dienstleistungen (Reinigungs- und Putzarbeiten) - könnten in der Gruppe besprochen werden. Weitere Informationen im Netz unter www.fgw-ev.de. (Foto: sha)

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