Pohlheim

Victoria Garbenteich »Meine Frau macht Karriere«

27. Oktober 2013, 22:08 Uhr

Diese wiederum ist vermögend und regt sich über ihren arbeitslosen Mann Uwe (Gerhold Münch) auf. Dabei sind beide Frauen um keinen Spruch verlegen und bieten sich einen Schlagabtausch, der keine Sentimentalitäten kennt. »Ja, das ist das Blöde in einer Ehe. Es ist immer die selbe Bezugsperson, die man ablehnt«, stellt Irma resigniert fest. Die Laienspielgruppe des Gesangvereins Victoria Garbenteich gab am Samstag in der Sport-und Kulturhalle ihre Premiere von »Meine Frau macht Karriere«, ein Schwank in drei Akten von Erich Koch.

Irmas Gatte Fritz (Markus Gäth) hat eine Klopapierfabrik, die vor der Pleite steht. Trotzdem will er mit seiner Sekretärin Lilli (Maria-Giuseppina Weis) für ein intimes Wochenende nach Paris fliegen. In der Zwischenzeit tröstet sich Irma mit Hubert (Ingo Wallbott), der die Frauen mit Weinproben und überstürzten Kuss-Attacken beglückt.

Dora indes bemüht sich um Gerald, den Chef einer Fabrik, die Toilettenhäuschen herstellt. Uwe sammelt als Beschäftigungstherapie Pfandflaschen, denn zu Hause erträgt Dora ihn nicht. Als Irmas Tochter Maria (Daniela Schneider) kurz vor der Niederkunft ins Haus zieht und nicht einmal sagen kann, wer der Vater des Kindes ist, wird es chaotisch.

Begegnung von Frau und Geliebter

In der Pause konnte man erfahren, dass der bayerische Autor Koch selbst, der schon so einige Theaterstücke und Sketche geschrieben hat, sein Interesse an einem Vorstellungsbesuch bekundet habe. Die zweite Aufführung fand am Sonntagnachmittag statt. Die nächste Gelegenheit, das Stück zu sehen, ist am Samstag, 2. November, in Langgöns.

Doch zurück zur Geschichte. Unübersehbar ist der Frust der in die Jahre gekommenen Frauen über ihre Männer. Irmas Mutter Trude Kussmaul (Jutta Wallbott) versteckt das Gebiss ihres pflegebedürftigen Gatten und hat doch von allen Figuren die größte Klappe. »Männer über 60 gehören weggesperrt«, lautet ihr Schlachtruf. Deshalb zieht sie nun bei ihrer Tochter Irma ein und kommt – wie so viele Personen während der über zweistündigen Aufführung – in den Genuss, von Hubert geküsst zu werden. Besonders köstlich ist die Szene, in der Fritzens Frau und Geliebte im Wohnzimmer aufeinander treffen. Irma gibt sich vor Lilli als Haushaltshilfe aus, was die junge Frau, welche Fritz doch immer als »hässlichen Drachen« beschrieben hatte, dazu veranlasst, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Bereits vor zwei Jahren habe man sich auf einer Messe in Mailand kennengelernt, der von Fritz vorgetäuschte Hexenschuss, der seine Reise damals verlängerte, steht nun in persona vor der entsetzten Hausfrau Irma.

Doch alles Übel hat bekanntlich auch etwas Gutes: Fritz’ Firma geht pleite, Lilli fliegt alleine nach Paris und verliebt sich in Doras Gerald. Der Toilettenhäuschen-Hersteller und die Klopapierfabrik fusionieren, und Irma wird als Geschäftsführerin eingesetzt. Nun muss sich Fritz mit Kopftuch und Rotkäppchen-Korb als Hausmann beweisen und seine Bußzeit antreten.

Zwillinge, eine weiß, einer schwarz

Uwe taucht bei Trude unter und wird, als Frau verkleidet, der nächste Fang von Hubert, der auch Fritz seelisch zu Seite steht. Obwohl Maria viele saure Gurken gegessen hat, kommt ihr Nachwuchs entgegen Trudes Wahrsagungen ohne Knollnase auf die Welt. Nur sind es Zwillinge: Eine weiße Tochter und ein schwarzer Sohn.

Etwas realitätsfern zwar, dass Maria am Tag nach der Entbindung wieder gertenschlank zur Uni marschiert und Opa Fritz den Nachwuchs in den Arm legt, aber das darf man bei einem Schwank wohl nicht zu eng sehen.

Das Publikum hatte viel zu lachen, und besonders Fritz und Uwe alias Ute stand die Spielfreude förmlich ins Gesicht geschrieben. »Ein neues Kleid macht aus einer Drossel auch keine Nachtigall«, wusste Dora.

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