700 Besucher bei »Hair« in Garbenteich

Pohlheim (gge). Der Vietnamkrieg, sinnentleerte Wohlstandsideale und die verlogene Fassade einer Moral, mit der sich kleinbürgerliches Spießertum maskierte, waren vornehmlich in den 60er Jahren die Zielscheibe einer kritisch gewordenen Jugend.
27. Januar 2013, 22:38 Uhr
Flower-Power in bunter Vielfalt auf der Garbenteicher Bühne (Foto: gge)

Im bunt-pittoresken Gefieder der Hippiebewegung plakatierte sie ihren durchweg friedfertigen Protest. Aber der war gewaltig und schwappte auch auf andere Kontinente über. Oh ja, America the beautiful bekam tüchtig eins auf die Mütze, während seine Söhne im Mekong-Delta ihr Leben ließen. Der künstlerisch auffälligste Protest artikulierte sich in dem Musical Hair, eine der erfolgreichsten Rockopern überhaupt und ein Meilenstein der Popkultur. Unsterblich und deshalb auch für das Theater Traumstern ein Anlass, diese Musicalproduktion aufzuführen und einem breiteren Publikum im heimischen Raum zugänglich zu machen. Nahezu 700 Besucher in der Garbenteicher Sport- und Kulturhalle begleiteten diese opulente Inszenierung mit Hingabe und Beifallsstürmen.

Es war nach Aufführungen in Lich und Hungen die insgesamt siebte Vorstellung, die mittlerweile weit über 1000 Musicalfans erlebt haben. Und das durchweg positive Echo dürfte sogar noch die beiden vorausgegangenen Produktionen (König der Löwen und Peter Pan) übertroffen haben. Damit kann »Kultur in Mittelhessen (KiM) weitere Pluspunkte verbuchen. Den Trägern, »Kino Traumstern« und dem Verein »künstlich e. V.« sei Dank. Das Projekt entstand wieder in enger Zusammenarbeit mit der Gesamtschule Hungen. Neben dem Ensemble waren auch eine Band, ein Orchester (Die GesaHu-Winds mit Streichern der Musikschule Hungen e.V.) und der Jugendchor Songlines (Musikschule Lich e.V.) auf der Bühne zu sehen und zu hören.

Grandioser Daniel Komma

Die technische Betreuung lag in Händen von Sebastian Hartings, musikalischer Leiter war Patrick Dörhöfer, und die Choreographien hatte Vanessa Wagner einstudiert. Regie führte Daniel Komma, der auch in einer der Hauptrollen den Berger gab. Aber wie! Mit mimischer Überzeugung, Ausstrahlung und Ausdruckskraft verlieh er dieser Figur eine geradezu überdimensionale Realität. Man glaubte es ihm, wie er die sexuelle Befreiung interpretierte und auslebte, wie er die Grenzpfähle seiner persönlichen Freiheit aushebelte oder der Gesellschaft den Spiegel vorhielt. Daneben, darunter und darüber ein funkelndes Ensemble in einem ideenreichen Bühnenbild, das an stimmlicher Qualität und darstellerischer Ausdruckskraft kaum Wünsche offen ließ.

Das Stück selbst hat keine Handlung, sieht man einmal vom Zwiespalt des zwischen vermeintlicher Pflicht und Neigung getriebenen Claude ab. Er hat den Einberufungsbescheid zur Army. Seine seelische Hängepartie zwischen Patriotismus und Pazifismus rührt an und lässt auch sein von der Flower Power infiziertes Umfeld nicht teilnahmslos zurück. Der Erfolg des Musicals ist wohl nicht nur auf seine Botschaft, sondern auch auf seine Aktionen mit deren optischer und akustischer Faszination zurückzuführen.

Diesen Anspruch haben alle Akteure mit Bravour erfüllt. Irgendwie schienen sie und ihr Ambiente der Keimzelle in San Francisco entschlüpft. Und der gute alte Scott McKenzie wird freundlich von oben herabgeschaut haben.

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