Ausstellung: Poesie-Alben früher und heute

Pohlheim (rge). Das Poesie-Album mit dem bisher ältesten Eintrag vom 3. August 1896 überreichte noch während der Eröffnung der Ausstellung »Poesie-Alben im Wandel der Zeit« in der Pohlheimer Heimatstube in Watzenborn-Steinberg Klaus Herrmann an die Mitglieder des Ortsvereins der Heimatvereinigung Schiffenberg.
02. Mai 2010, 22:42 Uhr
Die Ausstellung »Poesie-Alben im Wandel der Zeit« in der Heimatstube.

Pohlheim (rge). Das Poesie-Album mit dem bisher ältesten Eintrag vom 3. August 1896 überreichte noch während der Eröffnung der Ausstellung »Poesie-Alben im Wandel der Zeit« in der Pohlheimer Heimatstube in Watzenborn-Steinberg Klaus Herrmann an die Mitglieder des Ortsvereins der Heimatvereinigung Schiffenberg.

Birgit Kolmer und Hannelore Schmandt vom Heimatstuben-Team freuten sich über dieses und weitere geschichtshistorische Poesie-Alben, die sie in den vergangenen Wochen von Pohlheimer Bürgern für die Ausstellung erhalten hatten und damit nun der Öffentlichkeit zugänglich machen konnten. Seit Samstag sind nun bis Ende Mai an jedem Sonntag von 15 bis 17 Uhr damit 32 Beispiele aus der Welt der Poesie-Alben aus den Jahren von 1896 bis 1987 mit ihren persönlich gereimten, hübsch ummalten und bebilderten Zitaten und Versen im großen Ausstellungsraum zu sehen.

Unverändert standen damals wie heute die Wünsche und tugendhaften Lebensratschläge des Schreibers an den Albenbesitzer für Lebensglück in mehr oder weniger gelungener Reimform im Mittelpunkt. Der Goethe-Vers »Edel sei der Mensch, hilfreich und gut« war über alle Zeiten einer der meistgeschriebenen Zitate-Klassiker, wie Birgit Kolmer auch bei der Sichtung der Pohlheimer Poesie-Alben beobachteten konnte. Gereimtes zu Liebe und Leben der deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren dabei schon immer beliebt, wie später auch die Sprüche von Heinz Erhardt.

Kolmer hat bei der Sichtung und Zusammenstellung der Poesie-Alben einige weitere interessante Feststellungen gemacht: Im 16. Jahrhundert entstand zunächst die Tradition, den Ahnen einen Spruch in das Stammbuch zu schreiben. Danach entwickelte sich im 19. Jahrhundert der Brauch in literarischen Zirkel fort, zunächst in der Erwachsenenwelt. Das Poesie-Alben-Fieber erfasste dann aber auch die jüngeren Jahrgänge im Alter von überwiegend neun bis elf Jahren. Die Einträge veränderten sich im Lauf der Zeiten, vor allem dann, wenn Kriegs- und Notzeiten waren. So wurden im Nationalsozialismus die Sprüche heroischer. Aus dem Kriegsjahr 1943 ist aber auch in der Ausstellung zu lesen: »Wenn dich die Stürme des Lebens umtoben. So richte vertraulich den Blick nach oben zu dem himmlischen Vater, der da spricht: ›Rufe mich an, ich verlasse dich nicht.‹«

In der Nachkriegszeit dominierten die Bibelverse, mit einer besonderen Sehnsucht nach Frieden und Gottvertrauen. Dann wurden auch die kleinen Bücher wieder bunter mit selbstgemalten Bildern, aber auch Scherenschnitte waren oft zu sehen.

Aufgebaut waren die Bücher aber damals auf gleiche Weise wie heute: Rechts stand der Spruch, und links befand sich ein eingeklebtes Bild oder die persönliche Zeichnung. Lediglich die Schriftart wechselte allmählich von der heute für die Jugend schwer lesbaren Sütterlin-Schrift in die bis heute gültige lateinische Schriftweise.

In den 70er Jahren waren dann immer öfter die Helden aus Comics, Fernsehen und Sport im Bild zu sehen. Eine Lebensweisheit in einem Album der 70er Jahre wurde neben einem selbstgezeichneten Fußballer beim Torschuss dokumentiert: »Merke dir in jedem Fall, gleich dem Huhn im Hühnerstall, bist du noch so froh bewegt, gackre erst wenn’s Ei gelegt.« Aber nicht nur Poesie-Alben, sondern auch Kinderbücher dokumentieren in der jüngsten Heimatstuben-Ausstellung den Zeitenwandel. Vom Waldmärchen über den Wettlauf von Hase und Igel bis hin zu Kapitän Blaubär und Benjamin Blümchen zeigen sie den sich verändernden modernen Zeitgeist auch im Kinderzimmer. Seltene Hologramm-Postkarten sind ebenfalls zu sehen. Knifflige Aufgaben beim Ratespiel unter dem Motto »Wer kennt wen?« mit 79 historischen Schwarz-Weiß-Bildern wurden von einigen Gästen gelöst. Hierbei dürften die älteren Besucher eindeutig die besten Chancen zum Gewinnen haben, die noch Ahnen und lebende Zeitgenossen aus früheren Jahren auf den Bildern erkennen.

Zusätzliche Termine und Informationen gibt es bei Birgit Kolmer (Tel. 0 64 03/6 72 64) oder bei Hannelore Schmandt (Tel. 0 64 03/69 04 66). Beim Heimatstuben-Hoffest voraussichtlich Ende Mai werden auch die Gewinner des »Wer kennt wen?«-Ratespiels sowie der Siegerpreis für das älteste Poesie-Album übergeben. Noch kann man teilnehmen. (Foto: rge)

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