29-Jährige zur Prostitution gezwungen?

Pohlheim/Gießen (sha). Mannschaftswagen der Polizei vor dem Gießener Amtsgerichtsgebäude, etliche Beamte auf den Fluren sowie vor einem Gerichtssaal im zweiten Stock. Ein Großaufgebot, das am Dienstag aus Sicht der Ermittler nötig schien, um eine 29-jährige Frau zu schützen.
27. Januar 2016, 14:43 Uhr

Eine Frau, die sich schon 2012 entschlossen hatte, erzwungener Prostitution zu entfliehen und gegen ihren früheren Zuhälter auszusagen. So steht es in der Anklage: Von Februar bis Juli 2012 soll der mutmaßliche Täter, ein Mann aus Offenbach, das Opfer gezwungen haben, in einschlägigen Etablissements in Bad Homburg, Hanau und Garbenteich anzuschaffen. Als die Libanesin ihm sagte, dass sie dies nicht mehr wolle, soll der 34-jährige Türke sie erpresst haben: Falls sie mit der Prostitution aufhören wolle, müsse sie sich mit 30 000 Euro »Abstandszahlung« freikaufen. Am 22. Juli wandte sich die Frau an die Polizei. Seitdem befindet sie sich in einem Zeugenschutzprogramm.

Am Dienstag sagte die 29-Jährige aus. Leise zwar, aber ruhig und ohne Dolmetscher. Sie habe Angst vor dem Mann gehabt, schilderte die klein gewachsene Frau. Der 34-Jährige habe sie eingeschüchtert. Außerdem sei sie völlig abhängig von ihm gewesen. Denn: Sie habe nie Bargeld in den Händen gehabt. Regelmäßig habe der Angeklagte »abkassiert«. Alles Notwendige habe der Offenbacher selbst besorgt. Auch Kondome.

»Hells Angels« im Hintergrund?

Die Frage von Richterin Sonja Robe, ob Mitglieder der »Hells Angels« an den Geschäften des Angeklagten beteiligt seien, verneinte die junge Frau. »Da war gar nichts.«

Eine Polizeibeamtin sagte, die 29-Jährige habe bei der Vernehmung einen »resoluten« Eindruck gemacht. Dennoch habe man gemerkt, dass die Frau sich geschämt und Angst gehabt habe. Staatsanwalt Alexander Hahn sagte an die Adresse des Angeklagten: »Ich glaube nicht, dass das Opfer sich alles ausgedacht hat.« Der Offenbacher schwieg zu den Vorwürfen. Dass der stämmig gebaute Kraftfahrer die Situation dennoch völlig anders sieht, erläuterte Verteidigerin Susanne Niendiek-Liebrucks: Demnach führten der 34-Jährige und die Libanesin eine Liebesbeziehung. Die Frau habe sich frei bewegen können und über eigenes Geld verfügt. Darüber hinaus soll die 29-Jährige ein »sehr freizügiges Sexualleben« sowie mehrere Affären gehabt haben. Da der Angeklagte Schulden gehabt habe, soll sie ihm von sich aus angeboten haben, diese durch Prostitution abzutragen. Zudem existierten Kurzmitteilungen auf dem Handy der jungen Frau, in denen der Angeklagte seine Liebe versichere und das Opfer »Schatz« nenne.

Ein anderer Polizeibeamter betonte, die 29-Jährige habe »eher wie das Gegenteil von einem Flittchen« gewirkt. Eine weniger gute Meinung hatte der Beamte von dem Club in Garbenteich: Dort verkehrten Personen, »die der organisierten Kriminalität zugeschrieben werden«. Der Prozess wird fortgesetzt.

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