Großes Spektakel am Himmel über Pohlheim

Pohlheim (rge/sch). Der Pratt & Whitney-Sternmotor der 505 PS starken und ehemals im Algerienkrieg als Beobachter eingesetzten französischen Beaver wummerte dumpf und ohrenbetäubend.
05. August 2012, 20:33 Uhr
Der Blick aus dem Ultralichflieger C42 mit Pilot Wolfgang Deselaerns auf den Flugplatz Pohlheim Flugtage Foto: rge

Hunderte Zuschauer auf dem Segelflugplatz auf der Viehheide bei den Pohlheimer Flugtagen hielten sich teilweise die Ohren zu, bis sich das 1960 gebaute Militärflugzeug mit Pilot Bernd Axenbeck am Steuer und seinen vier Passagieren behäbig in den Himmel über der Stadt am Limes erhob. Kurz darauf startete ein Gyrokopter, ein einem Hubschrauber ähnelndes Fluggerät. Fasziniert waren am Wochenende die zahlreichen Besucher der Pohlheimer Flugtage auf dem Segelflugplatz am Rande von Watzenborn-Steinberg. Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Segelfliegergruppe »Steinkopf« und der 25-jährigen zusätzlichen Nutzung des Platzes durch die Drachen- und Gleitschirmflieger boten beide Vereine ein buntes Programm.

Die Mitglieder der Jubiläumsvereine standen den zahlreichen Interessierten für Fragen, Wünsche und Sonstiges gerne zur Verfügung. Moderator Hermann Kerzendorf vom befreundeten Verein aus Gedern und auch der Vorsitzende der Pohlheimer Segelflieger, Frank Bender, informierten die Besucher ausführlich über ihr Hobby und die Technik. Vor Ort war auch der Erfinder und Erbauer des Kiebitz, Michael Platzer.

Auch Modellbau-Show

 

Vom Flughafen Lützellinden kamen fünf Fallschirmspringer mit dem weltberühmten Pilatus Porter, einem Schweizer Flugzeug, das in den 1960er Jahren entwickelt wurde und von den Amerikanern im Vietnamkrieg eingesetzt wurde. Unter den ausgestellten Flugzeugen war auch ein »Ercoupe« (ohne Seitensteuerpedale), 1947 in den USA gebaut, von denen nur noch sieben in Deutschland am Fliegen sind, wie der stolze Besitzer erläuterte, der das Flugzeug 2008 restauriert hatte. Man kann dieses Flugzeug auch offen fliegen. Für eine grandiose Vorführung sorgten Sebastian Arnold und Jan-Dominik Will vom Modellflugclub Leihgestern, die mit ihren selbst gebauten Flugzeugmodellen einen Synchron-Kunstflug vom Feinsten hinlegten, der mit viel Beifall bedacht wurde. Langeweile kam den ganzen Tag über nicht auf, denn dafür sorgte das umfangreiche Programm vom frühen Morgen bis zum späten Abend, zu dem auch eine Ausstellung legendärer Flugzeuge und eine Flugzeug-Modellbau-Ausstellung gehörten.

Bender zeigte sich zufrieden mit der Besucherresonanz der Flugtage. Die Jugend der Feuerwehr Watzenborn-Steinberg warb um Nachwuchs, die Helfer des Deutschen Roten Kreuzes waren da, für den Fall der Fälle der Ersten Hilfe. Für das leibliche Wohl war mit jeder Menge kulinarischer Leckereien gesorgt. Hüpfburg, Modellflieger und Kinderschminken sorgten zudem für Abwechslung bei den jungen Besuchern. Die Vereinsdamen servierten selbst gebackenen Kuchen. Nach dem sonnigen Samstag war der Himmel am Sonntag zunächst mit dichten Wolken überzogen, die am Nachmittag aber mehr und mehr der Sonne Platz machten. Am Morgen hatten zunächst die Gleitschirmflieger ihre Schirme ausgepackt und ihre Runden gedreht. Die ebenfalls in Pohlheim beheimateten Drachenflieger erhoben sich in die Lüfte, bevor die Fallschirmspringer aus Lützellinden wagemutig aus der Maschine gegen Erde stürzten und dort sicher landeten. Modellflieger aus Leihgestern, Grünberg und Staufenberg zeigten ihre Flugkunststücke ohne Pilot, aber funkferngesteuert vom sicheren Boden aus. Am Himmel zeigte SGS-Vorsitzender Frank Bender mit seinem Segelflugzeug, welche Belastungen Mensch und Material bei Loopings aushalten können.

»Sicherheit zuerst!«, sagte Wolfgang Seitz, Besitzer der schnellen russischen Yak. Erst nachdem das Leck im Ölschlauch gefunden und repariert war, gab er die Startfreigabe zum Motorkunstflug seines roten Vogels. 350 Flugstunden hatte sein Sowjet-Flieger schon unfallfrei absolviert – das blieb auch so.

Mitfliegen möglich

 

Die beiden Flugleiter Uwe Breidenbach und Stefan Hofstetter hatten alle Hände voll zu tun, damit der rege Flugbetrieb reibungslos über die Rollbahn ging. Start auf Start folgte vom Vormittag bis in den Abend.

Der Andrang an der Anmeldung zu den Rundflügen mit der DO 27, der Broussard, den beiden Gyrokoptern sowie weiteren Fluggeräten war groß. Viele Besucher nutzten die Möglichkeit, ihre Heimat mal aus der Luft zu sehen. Und auch der Mitarbeiter der Gießener Allgemeinen war Gast bei Pilot Wolfgang Deselaers in seiner einmotorigen C42. In 100 Metern Höhe ganz ohne Flugzeugtür ging es um und über den Flugplatz, bis alle Bilder im Kasten waren.

Große Show auch jenseits des Fliegens – Mit »Man on the Line & the Steam Machine« haben die Pohlheimer Segelflieger sowie die Drachen- und Gleitschirmflieger eine echte »Hausnummer« zum Fest auf der »Viehweide« geholt. Cindy Draganic, Thomas Burckart, Markus Kauer und ihre Bandkollegen gaben auf der Bühne in der Flugzeughalle alles und sorgten für mächtig Stimmung unter den abends noch sehr zahlreichen Besuchern. Ob »Purple Rain« von Prince, »Chasing Cars« von Snow Patrol, »Dance with somebody« von Mando Diao oder auch »Smooth« – großartig Lead-Gitarrist Michael Zilcher, »unser Carlos Santana aus Hessen«: Die Band wusste zu überzeugen.

»Man on the Line & The Steam Machine« werden auch am kommenden Freitag auf dem Lindener Stadtfest, am 25. August beim Seefest am Dutenhofener See und am 8. September beim Straßenmusikfest in Cleeberg auftreten. Klassische und teils heldenhafte Melodien, beispielsweise die Henry-Maske-Einzug-Hymne »Conquest of paradise« von Vangelis, untermalten das Ballonglühen auf dem Flugplatz. Die Volksbank Mittelhessen, Buderus und die Licher Brauerei waren mit ihren Ballons bei diesem Spektakel vertreten. Gleichzeitig oder auch gerne mal abwechselnd glühten die riesigen Fluggeräte, die kurz zuvor für ihren eigentlichen Zweck im Einsatz gewesen waren – ebenso wie diejenigen des Lahn-Ballonteams und des Autohauses Bach.

Bei einer Tombola hatte Katrin Hecht einen Heißluftballon-Rundflug gewonnen. Dies hatte zur Folge, dass sie ihren Platz in der Würstchenbude mal eben verlassen und gegen einen Platz im Ballonkorb eintauschen konnte. (agl/Fotos: agl)

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