Klettermaschine und Laub-Brikettierer

15. Februar 2013, 18:03 Uhr
Zahlreiche Besucher ließen sich am Freitag die interessanten Projekte der Nachwuchsforscher in den Räumen von Bosch Thermotechnik in Lollar erklären. Die Erfindungen erstreckten sich auf sämtliche Bereiche der Wissenschaft. (Fotos: mlu)

»Wie auch in den vergangenen Jahren geht es um Kreativität und innovative Ideen, besonders in gesellschaftlich wichtigen Bereichen wie Klimawandel, erneuerbare Energien, demografischer Wandel, umweltschonende Mobilität sowie Vereinfachung des Alltags«, so der Patenbeauftragte Hartmut Dykmann, Abteilungsleiter für die Entwicklung Systemtechnik von Bosch Thermotechnik. Am Nachmittag kürte er gemeinsam mit Wettbewerbsleiter Heinrich Giebhardt und Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek die Sieger, die nun die Region Mittelhessen im Landeswettbewerb vertreten.

Faszinierend nahm sich wieder einmal aus, was die Jugendlichen erdacht und zumeist mit einfachen Mitteln ins Werk gesetzt haben. So haben die Physik-Leistungsschüler Lars Peters aus Beuern, Maximilian Gahmig aus Lützellinden und Domenic Neufeld aus Holzheim mit einem handelsüblichen Staubsauger eine Kletterhilfe konstruiert, mittels derer sie nun Wände hinaufkriechen können. Die Idee beruhe auf einer TV-Reklame, sagte Lars bei der Präsentation und scheute sich nicht, auch das Betriebsgeheimnis der Erfindung zu erklären, das im Grunde jeder kennt und versteht, der einen Staubsauger benutzt: ein Vakuum. Zur Umsetzung ihrer Idee benötigten die jungen Männer, die die Gesamtschule Gießen-Ost besuchen, nichts weiter als kleine Holzplatten, Fensterdichtungen, Federn und Schrauben. Genial. Wen wundert, dass sie alle den Ingenieursberuf anstreben. Unter guten Vorzeichen. Mit ihrer Erfindung qualifizierten sie sich für die Teilnahme auf Landesebene.

Mit dem Verhalten der Tiere beschäftigten sich indes Sophie Korff aus Hüttenberg und Anna Rücker aus Wettenberg. Die beiden zwölfjährigen Schüler der August-Hermann-Francke-Schule in Gießen lieben Kaninchen, die ihre Geduld allerdings etwas überstrapazieren, wenn es abends gilt, sie aus dem Freigehege zu locken. Da sie jedoch wussten, dass die Tiere lernfähig sind, machten sie ein Experiment. Sie bauten einen Hindernis-Parcour, den die Tiere möglichst schnell durchhoppeln sollten. Nun sind Kaninchen keine Wettläufer, im Gegenteil. Hier gibt’s was zu schnuppern, dort regt sich etwas im Gras, das näher untersucht werden will – kein Grund zur Hektik. Es sei denn, es wartet ein Leckerli, für das es sich lohnt, jedwede Ablenkung zu ignorieren, um den Parcour zielstrebig zu durchlaufen. Nach einem kleinen Trainingsprogramm brauchen die Tiere nur noch 1/7 der ursprünglichen Zeit, um den Parcour zu durchqueren. Und wenn die beiden Mädchen heute die Luke zum Stall öffnen, gibt’s für die Häschen kein Halten mehr. Praktisch.

Mit der Verwertung ungenutzter Energiepotenziale beschäftigten sich der Grünberger Benedikt René Blumenstiel und Johannes Benedikt Volkmann aus Lahnau. Als die beiden Schüler des Landgraf-Ludwig-Gymnasiums erfuhren, dass in Hamburg jährlich 300 000 Mülleimer voll Laub anfallen, kam ihnen die Idee, das biologische Abfallprodukt zu Briketts zu pressen. Die Herstellung der Heizpellets sollte mechanisch, mit niedrigen Energie- und Produktionsaufwand erfolgen, um auch für den kleinen Haushalt attraktiv zu sein. Mit Hilfe der Jugendwerkstatt – da die Jungen erst
16 und 17 Jahre alt sind, dürfen sie nicht schweißen – bauten sie eine manuell betriebene Brikettier-Presse, die im Wesentlichen aus einem etwa zwei Meter hohen Metallrohr und einem zehn Kilogramm schweren Fallgewicht besteht. Funktioniert im Prinzip wie eine Guillotine, doch im Ergebnis rollen keine Köpfe, sondern entstehen kleine Pellets, die auf den ersten Blick wie Buletten aussehen.

Laubfegen statt Holzhacken

Und das brennt? Und wie. Nach einer Trocknungs-Phase haben die etwa 20 bis 30 Gramm schweren Pellets einen Brennwert von 4,5 Kilowattstunden pro Kilogramm, womit sie es als Brennstoff mit der Eiche aufnehmen können. »Die Laub-Briketts eignen sich vor allem als Ergänzung zu Holz und sonstigen Brennstoffen. Außerdem hinterlassen sie eine hochwertige Asche, die sich hervorragend zum Düngen eignet«, erklärte Benedikt René. »Bei der Konstruktion der Maschine haben wir besonders auf die Sicherheit der Anwender geachtet, damit es keine arbeitsrechtlichen Probleme gibt«, ergänzte Johannes Benedikt. Sieht so aus, als hätten die beiden wirklich an alles gedacht. Sie sollten es nicht bereuen, denn wie die Staubsaugerkletterer werden auch sie demnächst auf Landesebene Forschen. Und auch der 18-jährige Julian Reitz aus Grünberg nimmt am Landesentscheid teil. Für sein Projekt »Phasenausgleich – automatisch und intelligent« erhielt er zudem den Sonderpreis für erneuerbare Energien.

Weitere Preise erhielten zudem folgende Schüler aus dem Landkreis und angrenzenden Kommunen: Lisa Arnold (Gießen) für ihr Biologieprojekt »Molekulargenetische Untersuchung von heimischem und nichtheimischem Saatgut der wilden Möhre«, Johannes Groh (Dorlar) für sein Physikprojekt »Der Weitsprung – Welchen Einfluss hat die Anlaufgeschwindigkeit auf die Sprungweite, Eyleen Matejec (Hüttenberg) für ihr Biologieprojekt »Teilchenkonzentration und Molmasse einer Lösung bestimmen die Hämolyse von Erythrozyten«, Charlotte Wiesner (Gießen) und Mirjam Pack (Pohlheim) für ihr Biologie-Projekt "Welcher Tiermist fördert das Wachstum einer Bohnenpflanze am besten?", sowie Alexander Kaschta (Butzbach) und Henrik Pabst (Pohl-Göns). Die beiden hatten einen Lego-Roboter so programmiert, dass er sich unfallfrei im Straßenverkehr bewegen kann. Für diese Leistung wurden sie zusätzlich mit dem Sonderpreis des Hanser-Verlags ausgezeichnet.

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