Mahnwache gegen Rechts mit 200 Menschen in Lollar

Lollar (khn). Es war ein deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und vor allem für ein friedliches Miteinander der Kulturen. Über 200 Menschen kamen am Dienstagabend zu der Mahnwache am Schmaadleckerbrunnen, zu der die evangelischen Kirchengemeinden im Lumdatal aufgerufen hatten.
17. April 2013, 09:28 Uhr
Ilse Staude (vorne) sprach bei der Mahnwache vor über 200 Menschen. (Foto: khn)

»Wir lassen uns unser Zusammenleben nicht von dumpfer Nazi-Ideologie in Frage stellen«, sagte der Kirchberger Dekan Hans-Theo Daum und rief zu bürgerschaftlichem Engagement für eine offene Gesellschaft auf.

Wie viele Menschen würden sich an der Mahnwache beteiligen? Das war die große Frage vor der Veranstaltung, die im Rahmen des bundesweiten Aktionstages »Wir für Demokratie« in Lollar stattfand. Hatte das Ordnungsamt zuvor noch die Straße für den Verkehr freigehalten, stellte es kurz vor Beginn Umleitungsschilder auf und sperrte den Bereich rund um den Brunnen – so groß war der Andrang. Auf dem Platz wurden Buttons mit dem Slogan »Das Lumdatal bleibt bunt« verteilt. Auf einem Banner der evangelischen Jugend war der Slogan »Lieber Gott als Nazischrott« zu lesen.

Daum sagte in seiner Rede, nach den rechtsradikalen Ereignissen im Lumdatal sei es an der Zeit, Stellung zu beziehen. Das sei mit der Mahnwache gelungen. »So viele Menschen sind hier, die unser Anliegen teilen«, sagte er. Vertreter aus Bürgerschaft, Politik, Kirche und Glaubensgemeinschaften ließen keinen Zweifel daran, das Lumdatal bleibe bunt. Er betonte, die Kirche sei auch Ansprechpartner für Betroffene. »Wir können beraten und Kontakt vermitteln«, sagte er und sprach damit die Rechtsradikalen, deren Eltern und Großeltern direkt an.

Dass den Lumdatalern ihre Umgebung und die Mitmenschen nicht gleichgültig seien, zeige die hohe Teilnehmerzahl der Mahnwache, sagte Lollars Stadtverordnetenvorsteher Horst Klinkel. »Das ist ein deutliches Zeichen für Frieden und Menschlichkeit.« Ob man den Rechtsradikalen mit einer solchen Veranstaltung nicht mehr Aufmerksamkeit gebe, als sie verdienten, fragte er. »Nein, es ist kein Schutz gegen Rechts, wenn man sie ignoriert.« Wer das Tun dieser Minderheit ignoriere, bestärke sie. Ihnen sagte Klinkel: »Wir leben hier in Lollar mit 50 Nationen seit 40 Jahren friedlich zusammen. Wir sagen deshalb Nein zu Fremdenfeindlichkeit.«

Ilse Staude ist Politikerin der Grün-Alternativen Liste (GAL) in Staufenberg und Betroffene. Rechtsradikale hatten ihr Haus mit Eiern beworfen. »Wir haben aus der Vergangenheit gelernt«, sagte sie, »deshalb sagen wir: Wehret den Anfängen!« Sie habe genug vom Größenwahn der Nationalsozialisten. »50 Millionen Tote«, sagte sie, »wir wissen, wohin das führt.« Sie erwähnte einen Brandanschlag auf das Haus eines Katholiken in Wetzlar sowie die Morde der rechtsradikalen Terrorgruppe NSU und betonte: »Das ist kein Kinderspiel mehr, was hier geschieht.« Die GAL-Politikerin sagte, es sei wichtig, den Rechtsradikalen wieder einen Weg zurück in die Gesellschaft zu zeigen. »Wir verachten euch nicht als Personen«, sagte Staude, »aber wir verachten eure Taten.«

Weitere Reden gab es von Norman Speier (SPD und evangelische Kirche Odenhausen) und Bernd Apel (Rat der Religionen). Am Rande der Versammlung stand eine Seniorin. Sie wohne in Lollar, stamme aber aus Nordeck-Winnen. »Es ist erschreckend, was da gerade passiert«, sagte sie. »Die Aktionen der Rechtsradikalen ärgern mich sehr.« Deshalb wolle sie sich an der Mahnwache beteiligen. »Und wissen Sie was? Ich bin das erste Mal auf so einer Veranstaltung.«

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