Kulturgenossenschaft Lich in den Startlöchern

Lich (pad). Nach zweijähriger Vorbereitung ist man nun auf der Zielgeraden: Die Kulturgenossenschaft Lich soll Ende Juli gegründet werden. Derzeit liegen 287 Absichtserklärungen von Interessenten vor, die Genossenschaftsanteile zeichnen wollen.
27. Juni 2014, 22:08 Uhr
Das Kino Traumstern in Lich. (Foto: pad)

Bis zu diesem Punkt war es allerdings ein weiter Weg, wie der Arbeitskreis am Freitag auf einer Pressekonferenz im Foyer des Kino Traumstern berichtete. In zahlreichen Sitzungen hatte man eine Satzung erarbeitet und den notwendigen Businessplan aufgestellt, ohne den man von Banken keine Finanzierung erhalten würde. Wenn alle 287 Interessenten einen Anteil von jeweils 500 Euro zeichnen würden, kämen 143 500 Euro zusammen. Der Gesamtwert der Immobilie dürfte jedoch einiges darüber liegen.

Investition in Barrierefreiheit

Und damit nicht genug: »Fakt ist: Wir müssen investieren, etwa in eine behindertengerechte Struktur in Kino und Kneipe«, erklärt Arbeitskreismitglied Hartmut Grahl. Der Arbeitskreis »Kulturgenossenschaft Lich« hatte sich 2012 gegründet, um das Soziokulturelle Zentrum, das sich aus dem Kino Traumstern heraus entwickelt hat, zu erhalten. Doch neben den zukünftigen Genossenschaftern, von denen 40 Prozent aus der Region Lich, weitere 20 Prozent aus dem Raum Gießen und der Rest aus dem gesamtem Bundesgebiet stammen, haben auch die Banken mittlerweile ihre Unterstützung signalisiert.

Das ganze wäre freilich nur Makulatur, wenn der Eigentümer des Gebäudes, die zur Bitburger Brauereigruppe gehörende Licher Brauerei, nicht ihre Zustimmung signalisiert hätte, das Nutzungsrecht auf die Genossenschaft zu übertragen. Über die »Ablösesumme« wurde zunächst Stillschweigen vereinbart, es sei aber ein Betrag, mit dem beide Seiten leben könnten. »Mit dieser Zusage in der Tasche war eine wichtige Voraussetzung für die Finanzierung des Vorhabens geschaffen«, erklärt Arbeitskreismitglied Sabine Wagner. Einnahmequellen der Genossenschaft werden neben dem Kino auch die Verpachtung der angegliederten Gaststätte sein. Dafür sei man bereits in vorbereitenden Gesprächen mit möglichen Betreibern. »Dort können wir uns nur jemanden vorstellen, der an kultureller Arbeit interessiert ist und das Lokal als Kreativschmiede erhalten will«, sagt Wagner. Auch eine gemeinnützige Organisation komme daher für diese Aufgabe infrage.

Weitere Geldmittel könnten sich aus der Vermietung des Hinterhauses ergeben. Problem hier: Beim Abriss des einsturzgefährdeten Vorderhauses wich auch der Anbau mit Bad und Toiletten. Somit müsste man auch dort erst einmal Geld in die Hand nehmen, egal ob man es als Ausstellungs-, Atelier- oder Wohnraum vermieten wolle.

Nicht zuletzt will die Genossenschaft auch Fördermittel beantragen. Diese erhält bereits der Kulturförderverein KünstLich, der jedes Jahr rund 70 Veranstaltungen vor allem in der Bezalel-Synagoge und dem Traum-stern ausrichtet. Die Kombination KünstLich und Kino zu erhalten, ist eines der Hauptziele der Kulturgenossenschaft.

Der Gründungstermin Ende Juli sei bewusst gewählt, erläuterte Arbeitskreismitglied Grahl. Man wolle die Versammlung noch vor der Sommerpause abhalten, da die Prüfung und Eintragung als Genossenschaft rund drei bis fünf Wochen in Anspruch nehmen dürfte. Bei dem Treffen soll ein Aufsichtsrat gewählt werden, zusätzlich wird die Genossenschaft einen Vorstand erhalten. Den genauen Termin will der Arbeitskreis zeitnah bekanntgeben.

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