Lich

Limes-Grenzturm im Arnsburger Wald rekonstruiert

19. November 2013, 10:08 Uhr
Roland Jockel von der Limesstiftung Lich (rechts) stellt mit einem Modell das neue Vorhaben – ein kompletter Wachturm mit Graben Palisadenwall und Garten – vor. (Foto: nab)

Am Samstag haben Vertreter der federführenden Limesstiftung Lich, des Landkreis und der städtischen Gremien das Mauerwerk vor Ort eingeweiht. Ein komplett aufgebauter Wachturm mit Graben, Palisadenwall und römischen Kräuter- und Obstgarten soll in den nächsten Jahren auf einem Acker gegenüber des Landgasthofs Klosterwald errichtet werden.

WP 4/56 steht direkt an der Schneise des heute noch zu sehenden Limes im Arnsburger Wald. Der Grundriss des Turmes hat einen Durchmesser von 14,3 Metern. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat die Reichslimeskommission an der Stelle gegraben, berichtet Manfred Blechschmidt, ehrenamtlicher Kreisarchäologe. 2010 haben Archäologen erneut gegraben und den Turm vermessen, fotografiert und kartiert. Zu einer Aufmauerung fehlte zunächst das Geld. Entstanden ist der Turm ursprünglich in der Zeit nach den Chatten-Kriegen 86–88 n. Chr. als römische Soldaten zunächst Palisadentürme und später Steintürme errichteten. Dort taten Hilfssoldaten Dienst, berichtete Blechschmidt. Vermutlich kamen die Soldaten aus Aquitanien und Dalmatien.

»Es ist wichtig, Altes zu bewahren, um Geschichte erlebbar zu machen«, sagte Bürgermeister Bernd Klein in seinem Grußwort. Der Limes in Lich sei aber auch für die Naherholung und den Tourismus von Bedeutung, so Klein mit Blick auf das Tourismuskonzept »Kelten und Römer im Gießener Land«. Landrätin Anita Schneider lobte das Engagement der Limesstiftung Lich: »Weil für die Erhaltung des kulturellen Erbes in der Regel öffentliche Mittel fehlen, sind wir auf das Ehrenamt angewiesen.« Für die Aufmauerung hat die 2007 gegründete Limesstiftung 5000 Euro aus eigenen Mitteln zur Verfügung gestellt. Vom Landesamt für Denkmalpflege kamen weitere 5000, von Landkreis 4000 und von der Stadt 500 Euro. Den Rest finanzierten private Spenden. Ab Oktober konnte mit Steinen, die Landwirte auf ihren Feldern fanden oder vom Hofgut Kolnhausen und der Neumühle in Muschenheim stammten, gemauert werden.

Und weil sich die engagierten Bürger rund um den Vorsitzenden des Beirates der Stiftung, Roland Jockel, sich zum Ziel gesetzt haben, den Obergermanisch-Raetischen Limes nicht nur zu erhalten, sondern auch mehr öffentliches Interesse dafür zu wecken, stellte Jockel gleich das nächste Vorhaben vor: Gegenüber des Landhauses Klosterwald auf der anderen Seite der Bundesstraße soll am Waldrand ein kompletter Wachtturm mit Palisadenwall und römischen Kräuter- und Obstgarten aufgebaut werden. Im nächsten Jahr könnten Wall und Graben schon angelegt werden, sagte Jockel zum Zeitplan. An jener Stelle führt auch der Limesradweg entlang. Im Kreis Gießen verläuft der nördlichste Teil der ehemaligen römischen Grenzbefestigung durch die Gemeinden Langgöns, Pohlheim, Lich und Hungen. In der Gemarkung Lich gibt es Reste von elf Turmstellen, das Klein-Kastell Langsdorf und das Kohortenkastell Arnsburg-Alteburg mit Amphitheater.

Steinerner Zeuge aus römischer Zeit

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