Kino »Traumstern« könnte Genossenschaft werden

Lich (mlu). Das Kino »Traumstern«, derzeit eine Gesellschaft des öffentlichen Rechts, könnte bald zu einer Genossenschaft werden. Für die Betreiber Edgar Langer und Hans Gsänger wäre es ein »Ausweg« aus der aktuellen Misere, die seit über einem halben Jahr die Existenz des »Soziokulturzentrums« gefährdet.
20. April 2012, 19:08 Uhr

Gemeinsam mit Genossenschaftsexperte Joachim Grösser stellten sie am Donnerstag im Bürgerhaus über 100 Interessierten ihre Idee vor. Ein kurzer Dokumentarfilm von Charly Weller machte deutlich: Genossenschaften erleben seit einiger Zeit eine Renaissance.

Der Konflikt zwischen der Licher Brauerei und dem »Traumstern« über einen neuen Pachtvertrag ist mehrfach hinlänglich beschrieben worden. Wie berichtet, zeichnete sich nach Gesprächen zwischen den Rechtsanwälten beider Vertragsparteien unlängst die Möglichkeit einer Genossenschaftsbildung als einvernehmliche Lösung ab. Demnach könnte der Gebäudekomplex auf der Grundlage eines Erbbaupachtvertrages von einer zu gründenden Genossenschaft übernommen werden, sofern sich denn genügend Interessenten finden, die sich an ihr beteiligen. Diese Genossenschaft würde das Grundstück verwalten, die Gebäude instand halten, und sie kassierte die Pacht anstelle der Brauerei, die sich der Pflichten eines Verpächters somit einstweilen entledigt hätte.

Möglich wäre die Bildung einer Sozial- und Kulturgenossenschaft auf Grundlage der gesetzlichen Novellierung des Genossenschaftsgesetzes von 2006, wie Joachim Grösser (Andramedos e.G.) erklärte. Voraussetzung zur Gründung wäre ein Geschäftsplan, der vom Genossenschaftsverband auf seine Wirtschaftlichkeit geprüft würde. Eine Satzung definierte Zweck und Aufgaben des Unternehmens. In einer konstituierenden Versammlung würden Vorstand und Aufsichtsrat gebildet. Ungeachtet der Einlagenhöhe hätte jedes Mitglied der nicht kapitalorientierten Gesellschaft eine Stimme in der Generalversammlung. Der Vorstand arbeitete ehrenamtlich. Die Publikumsfrage, ob man als Genossenschaftsmitglied auf dem genossenschaftlichen Grundprinzip der Selbstverwaltung mithin auch über das Kinoprogramm mitentscheiden könne, sorgte für Gelächter. Tatsächlich wären aber die Kinobetreiber nicht länger freie Unternehmer. Gsänger stellte in diesem Zusammenhang fest, dass die »Unabhängigkeit der Intendanz« freilich gewahrt bleiben müsse. Was gewiss auch nicht das Problem wäre. Fast alle Redner bezeichneten das »Traumstern« als eine »Herzensangelegenheit« und wünschen sich, dass Langer, Gsänger und Co. ihre Arbeit so fortsetzen können, wie sie es seit 30 Jahren erfolgreich tun. Manche waren gar der Auffassung, dass das Kino sich längst eine andere Rechtsform hätte geben sollen und die genossenschaftliche Organisation eigentlich dem Wesen des Unternehmens entspreche.

Konkrete Fragen zu einer möglichen Neuorganisation des »Traumsterns« konnte der Genossenschaftsexperte Grösser vorläufig nicht beantworten, da unklar ist, unter welchen Bedingungen die Brauerei das Gebäude den Kinobetreibern überlassen würde. In der jetzigen Phase gehe es darum, die Bereitschaft zum Engagement zu eruieren und bestenfalls einen Personenkreis zu finden, der sich der Sache annimmt. Viele Teilnehmer der Veranstaltung kamen prompt dem Aufruf zur Gründung einer Genossenschaft nach, indem sie entsprechende (doch unverbindliche) Absichtserklärungen unterschrieben – in der Summe sind dies bereits »weit über 100«, so Gsänger.

Erfolgreiche Genossenschaften

Ein dokumentarische Kurzfilm, den Charly Weller im Auftrag der »Andramedos e. G.« (Beratungsunternehmen und Kooperationspartner bei Genossenschaftsgründungen) produzierte, hatte zu Beginn des Informationsabends die Unternehmungslust befördert. Unter dem Titel »Coopville ist überall« zeigte der Film vier Beispiele von erfolgreichen Genossenschaftsgründungen in Hessen, darunter das Hallenbad in Mücke und die Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Schule in Wetzlar, eine Grundschulgenossenschaft.

Im Hinblick auf die nächste Verhandlungsrunde zwischen den beiden Vertragsparteien am kommenden Mittwoch bezeichnete Peter Damm, Kulturkoordinator der Stadt und Vorstandsmitglied von »künstLich e.V.« die große Besucherresonanz auf den Informationsabend als »große Rückendeckung«.

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